Das wesentliche Ergebnis des Versuches ist der Nachweis, dass sehr wohl Fälle vorkommen können, in denen eine Frühauslese der größten und der Ausschluss der kleinsten Pflanzen schon mit zwei bis fünf Jahren im Saat- oder Verschulbeet zu einer genotypischen Verbesserung des Pflanzenbestandes führen kann, so dass wenigstens in den zwei ersten Jahrzehnten ein erheblicher Zuwachsgewinn erzielt wird. Bedingung dieses Erfolges ist, dass die Größenunterschiede der jungen Pflanzen nicht nur von ungleichen äußeren Wuchsbedingungen, sondern genotypisch bedingt sind, also auf verschiedenen Wuchsvermögen beruhen, so dass die einzelnen Pflanzen für den gegebenen Standort in verschiedenem Maße geeignet sind. Am stärksten sind die Wuchsunterschiede und am deutlichsten die Erfolge der Frühauslese nach der Größe, wenn verschiedenartige Standortsrassen von unterschiedlicher Wüchsigkeit in Mischung stehen, wie Hoch- und Tieflandsfichten. In diesem Falle kann eine ungeeignete Rasse durch einfache summarische Frühauslese nach den Pflanzengrößen vollständig ausgemerzt und eine gutwüchsige Rasse entsprechend begünstigt werden. Aber auch innerhalb einer Standortsrasse und selbst einer Einzelstammabsaat kann frühzeitige individuelle Selektion zu Gunsten der Plusvarianten günstig auf den Gesamtzuwachs wirken. Im vorliegenden Versuch hatte die Sortierung der Pflanzen in drei Größenklassen und ihr getrennter Anbau bei allen geprüften Populationen, Standortsrassen und Einzelstammabsaaten bedeutenden Einfluss auf den Zuwachs. Die Pflanzen, die mit zwei Jahren die größten waren, behielten verhältnismäßig ihren Vorsprung durch zwei Jahrzehnte. Der Grund ist, dass die mit zwei Jahren größten Pflanzen durchschnittlich später frostgefährdeten Standort weniger durch Spätfröste beschädigt wurden als die frühen. Die Korrelation zwischen Spättreiben und Pflanzengröße war so eng, dass eine Sortierung nach der Größe ohne weiteres eine Sortierung nach dem Austreibecharakter ergab. Der Versuch ergibt also eine sehr deutliche Bestätigung meiner früheren Empfehlung, für frostgefährdete Lagen Spätfichten auszusortieren und bevorzugt anzubauen. Wenn dagegen derartige Einseitigkeiten im Standort, besonders in der Frostgefährdung oder in der Veranlagung der Pflanzen nicht vorliegen, ist nach den Versuchen und Berechnungen in Kapitel IV mit einem solchen Erfolg der summarischen Frühauslese wegen des häufig vorkommenden zeitlichen Wechsels im Wuchsvermögen nicht zu rechnen.