Titel
Lebensweise und Bedeutung des Luchses in der Kulturlandschaft : Dargestellt anhand der Ausrottungsgeschichte in der Schweiz
Verfasser
Erscheinungsort
Hamburg
Verlag
Erscheinungsjahr
1972
Seiten
65 S.
Illustrationen
11 Abb., 4 Tab., 180 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
9622
Datensatznummer
98109
Quelle
Abstract
Auf Grund von 466 Verbreitungsangaben wird die Verbreitungsgeschichte des Luchses in der Schweiz und in ihren benachbarten Grenzgebieten für den Zeitraum 1500-1900 dargestellt. Es lassen sich daraus die folgenden Ergebnisse herleiten: - Vier verschiedene Verbreitungsstadien können deutlich unterschieden werden. Bis zum Jahre 1700 läßt sich der Luchs noch im ganzen Lande, einschließlich des Mittelandes Voralpen und im östlichen Teil der Nordalpenzone zwischen Aare und Bodensee aus. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwindet das tier dann auch aus dem westlichen Teil der Nordalpenzone zwischen Aare und Genfer See sowie aus größeren Gebieten der Zentralalpen. Zwischen 1850 und 1900 ist der Luchs nur mehr vereinzelt in Graubünden und im Wallis nachzuweisen. - Das Hauptmotiv für die Vernichtung des Luchses in unserem Lande war die Furcht vor seinen Schäden an den Haus- und Wirbeltieren. Der Umstand, daß die Viehzucht im ganzen Alpengebiet als ursprüngliche und vorherrschende Wirtschaftsform verbreitet war, hat die Ausrottung in hohem Maße begünstigt. - Der Nachweis, daß der Luchs in den Alpen infolge der Landschaftsveränderungen oder der Bevölkerungsvermehrung ausgestorben wäre, kann nicht erbracht werden. Das Aussterben des Luchses in unserem Lande ist vielmehr das Resultat einer direkten Ausrottung durch den Menschen. - Der Luchs war auf eine intensive Bejagung außerordentlich empfindlich. Es ist dies sowohl seiner langsamen Vermehrung als auch dem Umstand zuzuschreiben, daß er im Winter vor und während der Ranzzeit leicht mit einfachen Mitteln (Fallen) zu erbeuten war. - Die Dauer und Mächtigkeit der winterlichen Schneedecke muß einen großen Einfluß auf das Vorkommen und die Vermehrung der Luchse ausgeübt haben. Besonders ungünstig war dieser natürliche Standortsfaktor in der Gotthardregion und nachteiliger auch in der Nordalpenzone als in den inneralpinen Tälern. - Die frühzeitige Isolierung des Luchsbestandes im Jura durch die rapide Bevölkerungsentwicklung in den angrenzenden Gebieten hat die Ausrottung in diesem Gebiet stark begünstigt. - Im Alpengebiet sind die Rodungen nicht als entscheidender Faktor für das Verschwinden des Luchses zu betrachten. Die anhaltenden Waldverwüstungen haben jedoch seinen Lebensraum immer wieder qualitativ entwertet. - Die obere Grenze der menschlichen Siedlungen war bestimmend für die Ausdehnung des Lebenraumes, wie er dem Luchs zur Verfügung stand. In den Ostalpen wurde dieser Lebensraum durch das vielgerichtete und verhältnismäßig gut erschließbare Talnetz, die ausgeprägten Hochtälder und die extrem hoch gelegenen Walsersiedlungen wesentlich stärker eingeengt als im Wallis. - Mehr als Bär und Wolf hat der Luchs die unmittelbare Nähe der menschlichen Siedlungen gemieden. Dem Menschen wurde er nicht gefährlich. In ökologischer Hinsicht war der Luchs anspruchslos und außerordentlich anpassungsfähig. Er konnte in stark entwaldeten und auch in verhältnismäßig dicht besiedelten Gebieten leben und das eigentliche Hochgebirge besser als Bär und Wolf besiedeln. Die Arbeit enthält Verbreitungskarten aus vier verschiedenen Epochen und auch ein Verzeichnis der Verbreitungsangaben in chronologischen Reihenfolge. Zudem wurde die Literatur, in der Angaben über die ehemalige Verarbeitung des Luchses enthalten sind, besonders ausführlich zusammengestellt. Abschließend werden die Vor- und Nachteile einer Wiederansiedlung diskutiert. Der Verfasser kommt zum Schluß, daß für die Waldwirtschaft und die Jagd eine Wiedereinbürgerung wesentliche Vorteile hätte und daß die Schäden an den Haustieren heute nicht mehr im ursprünglichen Ausmaß zu erwarten wären.