Titel
Szenarien der klimatischen Auslösung alpiner Hangrutschungen : Simulation durch Downscaling allgemeiner Zirkulationsmodelle der Atmosphäre
Verfasser
Erscheinungsort
St. Augustin
Verlag
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
99 S.
Illustrationen
33 Abb., 17 Tab., zahlr. Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
8042
Datensatznummer
89306
Quelle
Abstract
Gravitative Massenbewegungen sind ein bedeutender Bestandteil denudativer Abtragung und stellen nicht selten eine Naturgefahr für Gesellschaft und Infrastruktur dar. In der vorliegenden Arbeit werden die Simulation der klimatischen Steuerung von zwei Hangrutschungen in den Alpen sowie zukünftige Szenarien der Hangrutschungsaktivität infolge des anthropogen verstärkten Treibhauseffekts behandelt. Es handelt sich um eine flachgründige Translationsrutschung in den französischen Alpen sowie um einen Schuttstrom (mudslide) in den Dolomiten. Die Auslösung von Hangrutschungen ist häufig durch das Klima, in erster Linie Niederschlag in Form von Regen, gesteuert. Somit kann gefolgert werden, daß die zeitlich veränderliche Variabilität der Aktivität von Hangrutschungen zum Teil durch Klimaschwankungen und -änderungen verursacht wird. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Entwicklung der Prozeßaktivität von Hangrutschungen infolge des anthropogen verstärkten Treibhauseffekts. Um diese Entwicklung abschätzen zu können, sind Projektionen der wahrscheinlichen Klimaänderung durch den Treibhauseffekt notwendig. Neben der Ableitung lokaler Klimaszenarien müssen für eine solche Abschätzung hydrologische und bodenmechanische Hangmodelle eingesetzt werden. - Die Anwendung von Downscaling-Techniken für DCM-Szenarien ermöglicht die Erstellung von lokalen Klimafolgenabschätzungen für Hangrutschungen. Der Temperaturanstieg ist für die Aktivität von Alverà von größerer Bedeutung als die Niederschlagsänderungen. Boisivre dagegen ist deutlich sensitiver gegenüber Niederschlagsänderungen. - Die Szenarien basierend auf unterschiedlichen GCM-Experimenten weisen zum Teil große Differenzen auf. Dies ist in der unterschiedlichen Modellphysik und dem leicht variierenden atmosphärischen Antrieb begründet. - Aufgrund der großen Differenzen der GCM-Experimente sollten immer mehrere Klimamodelle für Klimafolgenbewertungen verwendet werden. Damit können Unsicherheitsbereiche möglicher Klimafolgen abgeschätzt werden. - Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund restriktiver Annahmen und großer Unsicherheitsfaktoren vorsichtig zu bewerten. - Weitere Studien sollten variable Randbedingungen etwa der Vegetation und der Morphologie der Hangrutschungen mit einbeziehen und bewerten. - Als ein weiteres Anwendungspotential wird das Downscaling von Paläoklima-Modellexperimenten angesehen, um Proxydaten und Prozesse des Pleistozäns rekonstruieren zu können.