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  • Titel
    Waldbewohner als Weiser für die Naturnähe und Qualität der forstlichen Bewirtschaftung : Vergleichende waldökologische Untersuchungen in Naturwaldreservaten und Wirtschaftswäldern unterschiedlicher Naturnähe in Mittelschwaben : Zukunftsorientierte Waldwirtschaft
  • Erscheinungsort
    Freising
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    2001
  • Seiten
    66 S.
  • Illustrationen
    zahlr. Lit. Ang.
  • Material
    Bandaufführung
  • Digitales Dokument
  • Standardsignatur
    13466
  • Datensatznummer
    78129
  • Quelle
  • Abstract
    Am 7.12.2001 fand in Freising ein Statusseminar der bayerischen Verbundprojekte im Förderschwerpunkt "Zukunftsorientierte Waldwirtschaft" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) statt. Im Vortragsblock "Waldbewohner als Weiser für die Naturnähe und Qualität der forstlichen Bewirtschaftung" wurden hierzu neue Erkenntnisse aus einem Projekt des Lehrstuhls für Landnutzungsplanung und Naturschutz (Prof. em. Dr. Ulrich Ammer) und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) vorgestellt. In diesem Projekt werden in unterschiedlich naturnahen Waldkategorien (reiner Fichtenwald, Fichten-Buchen-Mischbestand, reiner Laubwald, nutzungsfreie Formen wie Naturwaldreservate oder Schutzgebiete) Waldstruktur, Vegetation und Fauna in der mittelschwäbischen Fichtenwaldlandschaft vergleichend untersucht (1999-2002). Das Projekt schließt an vorhergehende Studien (1992-1998) in den Buchenwäldern der Fränkischen Alb bei Hienheim an. In Mittelschwaben wurden auch Douglasienbestände in die Analysen einbezogen. Ziel der Untersuchungen ist es, für Forstpraxis und Naturschutz Empfehlungen zu Forstplanungen und Waldbehandlungen zu entwickeln, die eine nachhaltige Optimierung von waldökologischen Qualitäten ohne unzumutbare ökonomische Opfer ermöglichen. Hierzu werden zunächst die Testbestands- bzw. Analysensets vorgestellt und die in Mittelschwaben sehr hohen Wuchspotentiale, insbesondere von Fichte und Douglasie belegt. In der Bodenvegetation hängt der Artenreichtum stark vom Störregime ab, das infolge von Windwürfen und höherer Nutzungsintensität in nadelholzreichen Beständen deutlicher ausgeprägt ist als in Laubwäldern. Naturschutzfachlich wertvolle Pflanzenarten fehlten in den untersuchten Beständen weitgehend und traten allenfalls vereinzelt in den Laubholzbeständen auf. Für Waldpilze stellen schon Fichten-Buchen-Mischbestände zumindest in guten Pilzjahren recht attraktive Habitate dar. Aber auch hier sind bei den naturschutzfachlich besonders wertvollen Arten wirklich hohe Artenzahlen nur in totholzreichen Laubwäldern zu erwarten. Bei den tierischen Zersetzergemeinschaften reagiert die Makrofauna (Asseln, Doppelfüßer) auf hohe Laubholz- und Douglasienanteile mit höheren Dichten, dies allerdings erst bei Laubholzbeimischungen von deutlich über 30 %. Springschwänze (Mesofauna) zeigen dagegen leichte Vorlieben für fichtenreiche Bestände. Hoher pH-Wert bzw. hoher Kalziumgehalt beschleunigen nur bei Laubstreu den Streuabbau in Waldbeständen. Verlässt man den Boden und geht eine Etage höher in den Stammbereich hinein, so werden die Spinnenzönosen dieses Stratums vor allem vom Bestandstyp bestimmt (unterschiedliche Artengemeinschaften in Laub- bzw. Nadel-/Mischwald). Die Baumartenpräferenzen wechseln dagegen vermutlich witterungsabhängig zwischen grobrissigen Borkenstrukturen (Eiche, Douglasie) und strukturärmeren Oberflächen (Buche, Fichte). Im Kronenraum ergeben sich weitere Differenzierungen. Während z.B. kleine, Netz bauende Spinnen in bodennahen Straten dominieren, sind dies im Kronenraum meist größere, frei jagende Arten. Auch etwa 20 % aller Käferarten eines Waldes besiedeln nur dieses für Forschungen schwer zugängliche Stratum. Für die Waldbewirtschaftung aus naturschutzfachlicher Sicht ist besonders interessant, dass im Kronenraum Käfergemeinschaften schon bei Laubholzbeimischungen von 30 % an typische Laubwaldzönosen erinnern, während die Käfergesellschaften im bodennahen Bereich noch stark unter Fichten- und Standorteinfluss stehen. Habitatverbund-Qualitäten in Waldlandschaften werden anhand der Käferfauna von Eichenkronen analysiert; dies sowohl auf taxonomischen als auch genetischen Niveau. Faunistisch bedeutsame Arten verschwinden in Mittelschwaben aus Wäldern mit hohem Nadelholzanteil selbst dann, wenn sich zwischen den verbliebenen Eichenwaldinseln noch genetischer Austausch nachweisen lässt. Am Beispiel der fremdländischen Baumarten Douglasie und Roteiche wird auch auf die Probleme eingegangen, die Neophyten mit ihren häufig reduzierten Faunenspektren mit sich bringen können. Im Gegensatz zur Roteiche scheint sich die Douglasie in Mischung mit Laubbäumen nicht wesentlich von der Fichte zu unterscheiden, jedenfalls was das Vorkommen der untersuchten Arthropodenzönosen betrifft. Im Winter ist für Vögel allerdings die nutzbare Arthropodennahrung (v.a. Spinnen) sehr stark reduziert. Zur Entwicklung von forstlichen Waldbehandlungsstrategien leiten vergleichende Studien an Vögeln, Schnecken und Pilzen über, für die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Mobilität, Baumartenpräferenzen und Ansprüche an die Naturnähe ihrer Waldhabitate jeweils unterschiedliche Habitatverbundsysteme bzw. Waldstrukturen anbieten. Wie diese Artenschutz-Konflikte bei gleichzeitiger Beachtung angemessener ökonomischer Forderungen aufgelöst werden können wird dann im abschließenden Beitrag skizziert. Vorschläge für eine an den Standortqualitäten ausgerichtete, differnzierte Waldbehandlung (Baumartenwahl, Mischungsstrukturen) unter Berücksichtigung ausreichend großer Prozessschutzflächen bei funktionierenden Habitatverbund und ausgeglichenem Totholz-/Kleinstrukturenmanagement lassen ein forstliches Leitbild entstehen, das zukunftsorientiert sowohl forst- als auch naturschutzpolitische Aspekte optimiert.
ExemplarnummerSignaturLeihkategorieFilialeLeihstatus
141592913466ZeitschriftZeitschriftenmagazinVerfügbar