Titel
Kastanienrindenkrebs. : Schadsymptome, Biologie der Krankheit und ihre praktische Bekämpfung.
Verfasser
Erscheinungsort
Birmensdorf
Erscheinungsjahr
1993
Seiten
40 S.
Illustrationen
96 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
8176
Datensatznummer
73881
Quelle
Abstract
Die Geschichte des Kastanienrindenkrebses zeigt beispielhaft, welche Gefahren von einem neu eingefuehrten Krankheitserreger drohen. Gluecklicherweise hat die Epidemie in Europa nicht so schwerwiegende Folgen gezeigt wie in den USA zu Beginn dieses Jahrhunderts - Edelkastanien-Waelder und -Selven blieben erhalten. Heute ist ein neues Interesse an der Edelkastanie erwacht, Waelder und Selven werden wieder hergestellt und gepflegt. Der abgeschwaechte Epidemieverlauf ist auf zwei Faktoren zurueckzufuehren: einerseits ist die europaeische Kastanie (Castanea sativa) weniger anfaellig fuer den Kastanienrindenkrebs als die amerikanische Kastanie (Castanea denta), anderseits sind in Europa Erregerrassen mit abgeschwaechter Virulenz (Hypovirulenz) aufgetreten. Im Kapitel 3.8 werden der Krankheitsverlauf und die Faktoren, die das Wirt-Parasit-Verhaeltnis bestimmen, ausfuehrlich beschrieben: die genetisch bedingte Resistenz der Edelkastanie, die Virulenz sowie die Hypovirulenz des Krankheitserregers und waldbauliche, standoertliche und meteorologische Faktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen. Die Mechansismen, welche die Resistenz der Edelkastanie gegenueber C. parasitica bestimmen, sind noch nicht vollstaendig geklaert. Die Art und Konzentration von Tanninen in der Rinde spielen sicher ebenso eine Rolle wie lytische Enzyme, die bei einer Pilzinfektion vom Baum gebildet werden. Besser bekannt ist das Phaenomen der Hypovirulenz, d.h. der verminderten Virulenz des Krankheitserregers. Die Hypovirulenz wird bestimmt durch Doppelstrang RNA (dsRNA) viralen Ursprungs, die in Vesikeln im Cytoplasma hypovirulenter Erregerstaemme vorliegt. Die dsRNA wird via Hyphenanastomosen von hypovirulenten Staemmen auf virulente Staemme uebertragen, wodurch diese in hypovirulente Staemme umgewandelt werden. Das Phaenomen der Hypovirulenz kann so zur biologischen Bekaempfung des Kastanienrindenkrebses ausgenuetzt werden. Hyphenanastomosen werden aber nur zwischen Pilzstaemmen gebildet, die vegetativ kompatibel sind, was der spontanen Ausbreitung der Hypovirulenz Grenzen setzt. Weil in Europa nur wenige Kompatibilitaetsgruppen vorhanden sind und es gleichzeitig auch Pilzstaemme gibt, die mit mehreren Kompatibilitaetsgruppen Hyphenanastomosen bilden koennen, hat sich die Hypovirulenz in den Hauptanbaugebieten der Kastanie spontan ausgebreitet. die virulente Form der Krankheit ist auf der Alpensuedseite der Schweiz stark zurueckgegangen. Untypische, oberflaechliche Krebslaesionen sind weit verbreitet. Da hypovirulente Pilzstaemme nur wenig sporulieren, koennen sie sich nur sehr langsam ausbreiten. Die extensive Bewirtschaftung und die Ueberalterung der Kastanienbestaende hat somit die Ausbreitung der Hypovirulenz beguenstigt. Weil der Kastanienrindenkrebs nicht mehr bestandesbedrohend ist, bestehen gute Aussichten, dass der Anbau von Kastanien wieder intensiviert wird...