Titel
Rote und Blaue Listen im Naturschutz. Wie veraendert Information ueber bedrohte Arten den Umgang mit oekologischen Problemen?. Eine sozialpsychologische Evaluation zweier Informationsformen
Verfasser
Erscheinungsort
Bern
Verlag
Erscheinungsjahr
1996
Seiten
S. 1.1-5.19
Illustrationen
24 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
13768
Datensatznummer
67413
Quelle
Abstract
Die vorliegende Studie ist eine qualitative sozialpsychologische Evaluation einer neuen Naturschutz-Informationsform, die im naturwissenschaftlichen Parallelprojekt unter der Bezeichnung Blaue Listen von Gigon et al. (1996) entwickelt worden ist. Diese Blauen Listen sollen die international etablierten Roten Listen der gefaehrdeten Tier- und Pflanzenarten ergaenzen. Rote Listen stellen dar, dass der Bestand bestimmter Tier- und Pflanzenarten in bestimmten Regionen abgenommen hat oder eine Art in einer Region in ihrem Fortbestand gefaehrdet ist. Darueber hinaus druecken Rote Listen implizit aus, diese Bestandesabnahmen seien unerwuenscht und daher negativ zu bewerten und es muesse etwas gegen diese getan werden. Blaue Listen stellen rueckblickend dar, dass der Bestand bestimmter Tier- und Pflanzenarten lokal erhalten worden ist oder zugenommen hat, oder sie sagen vorausschauend, mit welchen Naturschutztechniken Bestandesvergroesserungen erreichbar sind. Rote und Blaue Listen sind Darstellungen in Tabellenform, die sich in erster Linie an Naturschutzfachleute richten. Die Naturwissenschaftler, welche die Blaue-Listen-Idee lanciert haben, gehen davon aus, dass diese Art von Information geeignet sei, in der breiten Bevoelkerung Optimismus zu verbreiten, der sich dann guenstig auf die Natur auswirke. Die untersuchte Fragestellung lautete: Welche Art von Information kann wirksamer oekologisch erwuenschte Formen des Umgangs mit oekologischen Problemen foerdern, a) Information nach dem Muster Blauer Listen oder b) Information nach dem Muster Roter Listen? Da Rote und Blaue Listen trockene Tabellenwerke sind, die sich in erster Liniie an Naturschutzfachleute richten, uebersetzten wir die in Roten und Blauen Listen enthaltenen kommunikativen Botschaften in eine allgemeinverstaendliche Form, indem wir wzei kurze Videofilme produzierten. Wir verglichen an zwei Experimentalgruppen aus einer Bevoelkerungsstichprobe des Kantons Zuerich (n=30) die Wirkungen der beiden Filme. Ziel der Studie ist es, Erkenntnisse ueber die wirksame Ausgestaltung von Naturschutzinformation zu gewinnen. Sowohl nach dem Rote- als auch nach dem Blaue-Liste-Film anerkennen die Versuchspersonen fast einhellig, dass die dargestellte Bedrohung von Tier- und Pflanzenarten besteht. Sie stimmen auch weitgehend den im Film dargestellten Ursachen der Bedrohung zu. Im Vergleich mit der Situation vor dem Film rueckt eine ganze Reihe von Bedrohungsursachen, welche die Versuchspersonen zuvor spontan genannt haben, in den Hintergrund. Namentlich die Mobilitaet, unsere hohen Ansprueche, das Skifahren und der Abfall sind nach beiden Filmen kein zentrales Thema mehr. Die Filme verschieben die Aufmerksamkeit der Versuchspersonen von eher indirketen, aber in ihrem eigenen Handlungsbereich liegenden Ursachen zu den im Film gezeigten eher direkten, aber im Handlungsbereich von Bodenbewirtschaftern und Planern liegenden Ursachen. Die Versuchsperonen erleben das Aussterben der gezeigten Arten nach beiden Filmversionen emotional negativ, doch halten viele dieses Aussterben fuer irrelevant fuer die menschliche Existenz. Nach beiden Filmversionen wertet ein Teil der Versuchspersonen die Relevanz des Problems ab, vor allem durch die Aussage, es sei normal, dass Arten aussterben und neue entstehen. Nach beiden Filmversionen gibt es aber auch eine Gruppe von Versuchspersonen, die im Gegenteil die Relevanz des Problems betont. Nach beiden Filmversionen sieht sich ein betraechtlicher Teil der untersuchten Personen ohnmaechtig und glaubt nicht, selbst etwas zur Loesung des Problems beitragen zu koennen. Fuer jene Personen, die Problemloesemoeglichkeiten nennen, stehen nach der Filmversion ROT das natuerliche Gaertnern und die Motivierung anderer zu naturschonendem Handeln im Vordergrund. Nach der Filmversion BLAU werden zusaetzlich das gelegentliche Umsteigen vom Auto auf oeffentliche Verkehrsmittel, der Kauf biologischer Produkte und die Wahl von Parteien, die sich fuer Umweltanliege..