Titel
Stoffliche Verwertung von Nichtverpackungs-Kunststoffabfällen : Kosten-Nutzen-Analyse von Maßnahmen auf dem Weg zur Realisierung einer umfassenden Stoffbewirtschaftung von Kunststoffabfällen
Verfasser
Erscheinungsort
Wien
Verlag
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
102 S.
Illustrationen
50 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
ISBN
3-85457-547-5
Standardsignatur
11920
Datensatznummer
64430
Quelle
Abstract
Ausgangspunkt und Motivation zur Erstellung der vorliegenden Arbeit war die Studie des Umweltbundesamtes zur "Kosten-Nutzen-Analyse der Kunststoffverwertung", die der Steigerung der Verwertung von Nichtverpackungs-Kunststoffen große volkswirtschaftliche und ökologische Sinnhaftigkeit bescheinigt. Bereits im Rahmen dieser Studie konnten fünf Bereiche identifiziert werden, die für eine mögliche Verwertung von Bedeutung sind: Bau, Landwirtschaft, Altautos, Elektroaltgeräte und Möbel. Im Jahr 1995 wurden in Österreich 490.000 t Nichtverpackungs-Kunststoffe eingesetzt; 180,000 t fielen als Abfall an. Insgesamt wurden im Jahr 1995 etwa 2,500 to oder 1,4 % der Nichtverpackungs-Kunststoffabfälle stofflich verwertet. Sofern entsprechende Maßnahmen getroffen werden, könnte die stofflich verwertete Menge noch um ca. 20.500 t/a auf 23.000 t/a oder 13 % der Nichtverpackungs-Kunstoffabfälle ansteigen. Die Studie zeigt, daß die stoffliche Verwertung bei allen untersuchten Verwertungswegen ökologisch vorteilhafter ist als die alternative Restmüllsammlung und -behandlung. Auch die Kosten-Nutzen-Bilanz fällt für alle untersuchten Verwertungswege positiv aus. Von dem insgesamt möglichen volkswirtschaftlichen Vorteil von 98 Mio ATS/a werden derzeit etwa 11 Mio ATS/a genutzt (unter Annahme eines Müllverbrennungsanteils von 80 %, was einem hohen Umsetzungsgrad der Deponie-VO entspricht). Ein weiterer Ausbau der stofflichen Verwertung von Nichtverpackungs-Kunststoffabfällen würde daher einen volkswirtschaftlichen Nutzen von bis zu 87 Mio ATS/a bringen. Eine Reihung der untersuchten Verwertungswege nach den abfallwirtschaftlichen Nettokosten, sowie dem Verhältnis von volkswirtschaftlichem Nutzen und abfallwirtschaftlichen Nettokosten ergibt folgende Prioritäten für mögliche Umsetzungsmaßnahmen: 1. Verwertung von PUR-Schaumstoffen führt vor allem aufgrund der hohen Kosten der substituierten Primärrohstoffe zu einer besonders günstigen Kosten-Nutzen-Bilanz. Auch für Alt-Bodenbeläge ist die stoffliche Verwertung mit nachfolgenden Wiedereinsatz in neuen Bodenbelägen deutlich rentabler als die Entsorgung über den Restmüll. 2. Kein unmittelbarer Handlungsbedarf besteht bei Batteriekästen, Dachbahnen und Baufolien (Mengenpotentiale bereits genutzt bzw. gering), sowie bei Gehäuseteilen von Elektroaltgeräten (erst mittelfristig realisierbar). 3. Die Verwertung von Kraftstoffbehältern, Stoßstangen, Rohren, Profilen und Isoliermaterial weist teilweise nennenswerte abfallwirtschaftliche Kosten, jedoch nur geringe volkswirtschaftliche Vorteile auf. 4. Für Folien aus den landwirtschaftlichen Anwendungen ergibt sich wegen des hohen Anteils an Verunreinigungen trotz positiver Kosten-Nutzen-Bilanz das schlechteste Verhältnis zwischen Nutzen und Kosten. In den Bereichen Altautos und Elektrogeräte sind Maßnahmen auch in Hinblick auf die jeweiligen EU-Richtlinien notwendig und absehbar. Die in dieser Studie vorgeschlagenen Maßnahmen zur getrennten Sammlung von Kunststoffabfällen betreffen ausschließlich den Gewerbebereich bzw. die Sammlung über Recyclinghöfe. Eine Mitsammlung von Nichtverpackungen in der Haushaltssammlung für Leichtverpackungen scheint derzeit nicht sinnvoll. Die Studie veranschaulicht, daß das Mengenpotential für die stoffliche Verwertung begrenzt ist. Somit besteht derzeit kein Anlaß für bundesweite Lenkungsmaßnahmen. Angesichts des prognostizierten Anstiegs der Abfallmengen wäre die Einrichtung von zusätzlichen Verwertungswegen jedoch trotzdem sinnvoll, da dadurch die notwendigen Verwertungskapazitäten für die in Zukunft potentiell steigenden Abfallmengen rechtzeitig geschaffen werden können.