Titel
Wie gesund sind unsere Wälder? : Bericht anläßlich der Pressekonferenz am 8.6.1984 in Bozen
Körperschaft
Erscheinungsort
Bozen
Erscheinungsjahr
1984
Seiten
56 S.
Illustrationen
11 Abb., 6 Tab.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
12789
Datensatznummer
57214
Quelle
Abstract
Mit dem Begriffe "Neuartige Waldschaeden" werden neuerdings Waldschaeden umschrieben, welche seit den Jahren 1981-82 in Mitteleuropa durch die Schlagworte "Saurer Regen" oder "Waldsterben" bekannt worden sind. Schon die Begriffsbildung spiegelt die Unsicherheit wider, mit der auch Wissenschaftler noch immer diesem, sicherlich schwerwiegenden Phaenomen, der Erkrankung des Oekosystems Wald gegenueberstehen. Typisch dafuer ist die rasche geographische Ausbreitung, welche unabhaengig vom Standort, von waldbaulicher Behandlung und wirtschaftsform der Bestaende und auch vom Klima erfolgt. In der Reihenfolge werden Tanne, dann Fichten, Kiefer und Laerche, und spaeter die Laubhoelzer betroffen. Welche sind nun die Ursachen fuer Erkrankung des "Oekosystems Wald"? Es gilt als unbestritten, dass vor allem dort woe der Wald tatsaechlich stirbt - das ist in Mitteleuropa vorwiegend der Belastungsbereich der Grossindustrien - Schadstoffimmissionen die ausloesende Ursache darstellen, wobei SO2-NOx-PAN-Kohlenwasserstoffe- Fluorwasserstoff-Chlorwasserstoff-Ozon als gefaehrliche Schadfaktoren angenommen werden. Diese Schadstoffe stammen zum Grossteil von traditionellen Emittenten, wobei Industrie und Hausbrand vor allem fuer die SO2 Belastung und der Kraftfahrzeugverkehr zu 50% die NOx Belastung verantwortlich sind. Neuerdings werden auch organische Verbindungen, Mikrowellen und die Radioaktivitaet als Schadensursachen in Erwaegung gezogen. Die Schadeinwirkung der Immissionsstoffe auf Pflanzen erfolgt entweder gasfoermig ueber die Spaltoeffnungen der Blattorgane oder als "Saurer Regen" direkt auf die Nadeln bzw. ueber den Boden auf das Feinwurzelsystem. Weit schwieriger ist die Beurteilung der Ursachen in industriefernen Gebieten mit geringer Schadstoffbelastung der Luft, wo der Wald zwar noch nicht stirbt, jedoch viele Baeume kraenkeln. Hier wird angenommen, dass neben den konventionellen, vielleicht auch noch nicht erforschte, Schadstoffe oder deren Umwandlungsprodukte bereits bei geringen Konzentrationen wegen synergistischer Wirkung die Pflanzen schaedigen, oder zu "Stress" fuehren. Bei starken Verlichtungserscheinungen wird der Holzzuwachs eingeschraenkt, die Feinwurzeln sterben langsam ab und Schwaecheparasiten nehmen zu. Wenn man nun annimmt, dass die Waldoekosysteme wahrscheinlich bereits seit Jahrzehnten dieser Stresswirkung unterliegen, so wird eine Reduzierung der Vitalitaet und die Anfaelligkeit gegen Schadenseinwirkungen jeder Art verstaendlich. Mit dieser Situation sehen wir uns in Suedtirol vorrangig konfrontiert. Neben den im Bericht von Dr. Hellrigl erwaehnten konventionellen Forstschaeden durch Insektenbefall und Pilzkrankheiten, die sowohl hinsichtlich Ausmass als auch der Ursachen bekannt sind, treten auch diese nicht klar bestimmbaren Schaeden auf. Seit dem Vorjahre hat sich auch in Suedtirol das Waldbild besonders der Fichtenbestaende ....