Titel
Die Verbreitung der Rotbuche in Österreich : Ein Beitrag zur Biologie und zum Waldbau der Buche
Verfasser
Erscheinungsort
Wien
Erscheinungsjahr
1929
Seiten
122 S.
Illustrationen
5 Taf., 1 Karte, 21 Tab.
Material
Bandaufführung
Digitales Dokument
Standardsignatur
673
Datensatznummer
4491
Quelle
Abstract
Die Frage, inwiefern kalkreiches Grundgestein die Verbreitung der Rotbuche in Österreich beeinflusse, wurde beantwortet. Erst in den etwas kühleren Grenzgebieten ihres Verbreitungsbezirkes bevorzugt die Buche trockene, warme Böden, daher auch die Kalkböden. Auf sonnigen Kalkhängen, aber auch auf anderen steinigen, trockenen, daher warmen Böden dringt sie bergaufwärts am höchsten vor. Im Grenzgebiet des pannonischen Klimas mit heißeren Sommern überläßt sie dagegen vielfach die warmen Kalkböden der Schwarzkiefer und anderen wärmeliebenden Holzarten (Eiche) und besiedelt bindige, feuchte, kalte Böden. Der kalkhaltige Flyschboden (als bindiger, feuchter Boden) sagt ihr nur in Höhen unter 1000 m zu. In größeren Höhen (Vorarlberg) überläßt sie ihn zumeist der Fichte und Tanne und bevorzugt trockene Kalkböden. Auf Böden, die wegen zu geringen Nährstoffgehaltes der Buche nicht zusagen, kann Kalkmangel als Weiser für Nährstoffarmut mit dem Fehlen der Buche parallel gehen. Im Inneren ihres klimatisch bedingten Verbreitungsgebietes genügt für das Vorkommen guter Bonitäten der Buche und für ihre natürliche Verjüngung auch ein mäßiger oder selbst ein geringer Kalkgehalt bei sonst gutem Boden, auch wenn dieser z. B. aus kalkarmen silikatischen kristallinen Massen- oder Schiefergesteinen hervorgegangen ist. Hinsichtlich der Einzelheiten im Gelände hängt die Buchenverbreitung vom Boden ab, im großen aber entscheidet über sie das Klima. Die Buche bevorzugt in Österreich Lagen mit Randgebirgsklima mit mäßiger Spätfrostgefahr und meidet die Gebiete des Zentralgebirgsklimas mit seinen größeren Temperaturextremen und stärkeren Spätfrösten. Sie kommt daher hauptsächlich in den nördlichen und südlichen Außenlandschaften der Alpen mit ihrem mehr ozeanischen Randgebirgsklima vor, aber auch am Ostabfall der Alpen, im steirischen Randgebirge, auf Urgesteinsböden. Die Gebiete des mehr kontinentalen Zentralgebirgsklimas in den zentralalpinen Innenlandschaften meidet sie vollständig. Ihr Vorkommen nimmt vom Randgebirge gegen die Innenlandschaften allmählich ab, und zwar auch bei geringerer Meereshöhe und auch auf Kalkgrundgestein, und hört schließlich ganz auf. Der Grenzstreifen weist nur mehr Renk- und Zwergformen der Buche auf einzelnen, zerstreut liegenden Standorten auf. Im Bereiche dieses Grenzstreifens, somit am Außenrande der zentralalpinen Innenlandschaft, bevorzugt sie häufig warme Böden, also Kalkböden; jenseits dieses Streifens, im Herzen der Innenlandschaft, fehlt sie vollständig, und zwar auch in ausgedehnten Gebieten mit Kalkgrundgestein und auch bei mäßiger Meereshöhe. Die Buche meidet im Gebirge kühle, feuchte Senken (auch solche mit anmoorigen sauren Böden), sie fehlt in Becken und Tälern (auf dem Talboden), und zwar auch innerhalb der Meereshöhen ihres Optimums. Als Kalkgebiete der zentralalpinen Innenlandschaft, denen die Buche fehlt, seien genannt: das obere Inntal von Imst bis Landeck auf der Sonnseite mit Dolomit (Landeck 776 m); der oberste Teil des.Lechtales; der Bezirk Ried in Tirol mit Jurakalken (Ried 877 m Seehöhe); der Bezirk Matrei in Osttirol mit Kalkglimmerschiefer, Matrei 975m; Kalkglimmerschiefer und Radstädter Kalk in den Hohen Tauern Salzburgs; Ennstal bei Schladming in Obersteiermark. Wo die Außenlandschaft bis ins Gebiet der Urgesteinsböden hineinreicht, dort kommt die Buche auch auf diesen vor. Der bloß mäßige Kalkgehalt der Böden solcher Buchenstandorte wurde in einer Reihe von Fällen durch chemische Analyse nachgewiesen. Auch die Gneis- (und Granit-) Böden der Böhmischen Masse im niederösterreichischen Waldviertel tragen, insbesondere auf dem durch milderes Klima ausgezeichneten Süd- und Ostrand des Gebirges, Buchenbestände guter bis sehr guter Bonität. Wo auf der Leeseite der Kalkalpenmauer oder anderer Gebirgszüge die Buche im allgemeinen fehlt, dort pflegt mit Tallücken, Tiefenlinien in der Gebirgsmauer, welche ozeanischen Luftströmungen den Eintritt gestatten, ein plötzliches reichlicheres Buchenvorkommen mitten im sonst buchenarmen Gebiete der Leeseite verknüpft zu sein (Salzkammergutlücke hinsichtlich des Ennstales; Neumarkter Sattel hinsichtlich des Murtales und andere Beispiele). Im Randgebiete des pannonischen Klimas (z. B. im oststeirischen Hügelland) ist der Buchenanteil kleiner und ihre Rolle als Mischholzart wesentlich bescheidener als z. B. am Nordrand der Alpen bei gleicher Meereshöhe. Die horizontale Verbreitung der Buche in Österreich ist aus der beigegebenen Karte ersichtlich.