Titel
Der Kastanienrindenkrebs: Schadsymptome, Biologie und Gegenmassnahmen
Verfasser
Erscheinungsort
Birmensdorf
Verlag
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
8 S.
Material
Bandaufführung
Digitales Dokument
Standardsignatur
11254
Datensatznummer
40001132
Quelle
Abstract
Der Kastanienrindenkrebs ist eine gefährliche Rindenkrankheit der Edelkastanie, die durch den Pilz Cryphonectria parasitica verursacht wird. Die Krankheit wurde weltweit verschleppt und führte in den USA fast zur Ausrottung der Amerikanischen Kastanie. Auch in Europa ist sie heute in fast allen Kastanienbeständen vorhanden. Das Auftreten
von Pilzstämmen mit geschwächter Virulenz führt allerdings zu einem deutlich milderen Krankheitsverlauf in den europäischen Beständen. Diese sogenannte Hypovirulenz wird durch eine Infektion des Pilzes mit einem Virus verursacht. Das Virus kann von Pilz zu Pilz übertragen werden und wird so in der biologischen Bekämpfung des Kastanienrindenkrebses eingesetzt.In Europa sind in den letzten Jahren immer häufiger gebietsfremde (exotische) Schadorganismen wie die Edelkastanien-gallwespe, der Asiatische Laubholzbockkäfer, oder der Kiefernholznematode eingeschleppt
worden. Zahlreiche von ihnen sind inzwischen weit verbreitet und können nicht mehr ausgerottet werden. In
diesen Fällen kann die biologische Bekämpfung die Auswirkungen der Schädlinge mildern. Dabei werden natürliche
Gegenspieler (Räuber, Parasiten und Krankheitserreger) gegen die Schadorganismen eingesetzt. Beim Kastanienrindenkrebs ist der natürliche Gegenspieler (das Hypovirus) ohne Zutun des Menschen in Europa aufgetaucht und hat sich weitgehend selbstständig ausgebreitet. Bei gebietsfremden Schadorganismen ist
eine so erfreuliche Entwicklung eher unwahrscheinlich. Häufig finden sich geeignete Gegenspieler nur im ursprünglichen Verbreitungsgebiet des Schädlings. Diese sind bei uns auch gebietsfremd und müssen vor weiteren Versuchen umfassend erforscht werden. Dabei gilt es, nicht nur ihre Wirksamkeit zu testen, sondern auch allfällige
ökologische Nebenwirkungen abzuklären. Dafür sind speziell gesicherte Labore und Gewächshäuser
nötig und gesetzlich vorgeschrieben. So wird sichergestellt, dass gebietsfremde Organismen nicht unbeabsichtigt
in die Umwelt entweichen. Erst wenn die Abklärungen die gewünschten Resultate ergeben, kann mit praxisnahen Freilandversuchen begonnen werden. Das 2014 an der WSL erstellte Pflanzenschutzlabor erfüllt die höchsten Sicherheitsanforderungen und ermöglicht, gebietsfremde Schadorganismen und ihre Gegenspieler sicher zu erforschen.