Titel
Die Sturmschäden im Virngrund (Nordostwürttemberg) von 1870 bis 1990 : Eine waldbaugeschichtliche und Standortskundliche Untersuchung
Verfasser
Erscheinungsort
Freiburg im Breisgau
Erscheinungsjahr
1995
Seiten
173 S.
Illustrationen
158 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
2354
Datensatznummer
35246
Quelle
Abstract
Aufgrund der verheerenden Stuerme Anfang 1990 wurden detaillierte Untersuchungen der Sturmwurfschaeden im Virngrund (Nordostwuerttemberg) ab 1870 durchgefuehrt. Erstens wurde die Waldbaugeschichte zurueckverfolgt, um die Ursachen der Sturmschaeden aufzuklaeren und die Reaktionen darauf zu verstehen. Zweitens wurden saemtliche Sturmwuerfe, anhand des Aktenmaterias, nach den Standorts- und Bestandesdaten untersucht. Fuer die grossen Sturmwuerfe 1870 und 1990 wurden darueberhinaus die geschaedigten mit den gefaehrdeten Bestaenden insgesamt verglichen. Das Verhaeltnis von Sturmwurfflaeche zur vorhandenen Flaeche einer bestimmten Standortsgruppe, eines Bestandestyps oder einer Altersstufe ist fuer die Beurteilung des Schadens ein wichtiger Masstab, der als Schaedigungskoeffizient bezeichnet wurde. Drittens wurden besondere Untersuchungen zur Ueberlagerung von Sturmwurfflaechen, zu den meteorologischen Bedingungen waehrend der Stuerme und in Zeiten ohne Sturmschaeden, zum Einfluss der waldbaulichen Behandlung und der Baumhoehe durchgefuehrt. Ausserdem wurde versucht, mit multivariaten statistischen Verfahren Zusammenhaenge aufzudecken. Ergebnisse der waldbaugeschichtlichen Untersuchungen: Die Sturmkatastrophe von 1870 wurde von Stuermen ueberdurchschnittlicher Staerke ausgeloest. Die enormen Vorschaedigungen durch den Schneebruch von 1868, die grossflaechigen Schirmstellungen, Unterlassung von stabilisierenden Pflegeeingriffen sowie die Ausweitung des Fichtenanbaus seit dem 18. Jahrhundert auf dafuer ungeeignete Standorte haben das Ausmass der Schaeden stark vergroessert. Als Reaktion darauf wurden zum einen die grossen, meist gleichaltrigen Bestaende gegliedert und die Hiebszuege mittels Trauf- und Deckungsschutz verselbstaendigt. Zudem wurden die stabilisierenden Baumarten Tanne und Buche verstaerkt in die Fichtenbestaende eingebracht. Pflegerueckstaende und Uebernutzungen, insbesondere waehrend und nach den beiden Weltkriegen, ueberhoehte Wildstaende und der falsch angewandte Blendersaumschlag fuehrten aber zu einer weiteren Ausbreitung der Fichte und einem Rueckgang der Tanne. Deshalb wandte man sich in der Mitte diesen Jahrhunderts wieder verstaerkt der Verjuengung aus dem Bestandesinneren mittels Femelschlag zu. Dies hatte einen erheblichen Verlust der raeumlichen Ordnung zur Folge und hinterliess oft wieder grossflaechige Bestaende mit geringer Altersdifferenzierung. Die groesstenteils vorhandenen fichtenreichen Baumhoelzer wiesen damit eine erhebliche Sturmgefaehrdung auf. Aufgrund der starken Stuerme 1955 und 1967 sowie der Ergebnisse der Standortskartierung wurden die Laubbaeume (auf den labilen Standorten besonders die Eiche) gefoerdert. Der dadurch angestrebte stabilisierende Effekt wird sich aber fruehestens nach 50 Jahren auswirken koennen. Weitere Schadereignisse (Schnee, Sturm, Borkenkaefer) in den 70er und 80er Jahren griffen die Bestaende zusaetzlich an, wodurch dem Sturmschaden von 1990 Vorschub geleistet wurde. Auch zu dieser Zeit waren grosse Altholzkomplexe vorhanden, welche groesstenteils schon in Verjuengung standen, deren Pflegezustand aber meist nicht befriedigte und die daher eine grosse, nicht mehr korrigierbare Labilitaet gegenueber Sturm aufwiesen. Ergebnisse der Untersuchungen von Standorten und Bestaenden: Hohe Schaedigungskoeffizienten zeigten Bestaende auf Decklehmen, vernaessenden Sandkerfen, Lehmkerfen, vernaessenden Sanden sowie in Senken und Flachtaelern. Diese Standorte wurden aufgrund der Erfahrungen mit dem Sturm schon teilweise Ende des letzten Jahrhunderts als problematisch fuer die Fichte erachtet. Im Virngrund zeigte sich, dass saemtliche Stuerme, unabhaengig von ihrer Staerke, Boeigkeit und Dauer, besonders starke Schaeden auf labilen und extrem labilen Standorten verursachten. Dies widerlegt die Auffassung, dass bei starken Stuermen kaum eine Differenzierung der Schaeden nach Standorten eintritt. Eine deutlich staerkere Schaedigung von Fichtenreinbestaenden gegenueber Fichte..