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  • Titel
    Zum Gradationsgeschehen von Kiefernschadinsekten im Norddeutschen Tiefland : Rückschlüsse aus 90 Jahren Gradationsgeschehen für die Risikobewertung von Kiefernwäldern im Klimawandel
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    Eberswalde
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    2013
  • Material
    Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    14039
  • Datensatznummer
    200181608
  • Quelle
  • Abstract
    Die strukturarmen Kiefernreinbestände des norddeutschen Tieflandes bieten den KGS hervorragende Bedingungen zur Massenvermehrung. Zwischen den einzelnen Arten sowie Modellregionen bestehen jedoch deutliche Unterschiede im Gradationsgeschehen. Die Nonne zeigt in Brandenburg und nachfolgend in Sachsen-Anhalt ihr regelmäßigstes Auftreten, längere Latenzzeiten sind hier nur zu Beginn des Untersuchungszeitraums zu erkennen und die Art tritt auch in jüngster Vergangenheit als gefährlicher KGS in Erscheinung. Die Gradationsverläufe Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns unterscheiden sich mit einer langen Latenzphase von Ende der 50er bis Mitte der 70er Jahre deutlich, auch in jüngster Vergangenheit gab es in diesen Regionen keine Schadvorkommen. Der Kiefernspinner verursachte in Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowohl zu Beginn des Untersuchungszeitraums als auch in jüngster Vergangenheit Fraßschäden. In Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gab es in diesen Zeiträumen dagegen keine Schadvorkommen. Auffällig für alle untersuchten Regionen sind Gradationshäufungen nach Warmphasen und warm-trockenen Sommern. Der Kiefernspanner weist ein sehr regelmäßiges Gradationsmuster auf. Beginn, Ende und Periodizität der Gradationen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ähneln sich stark. Nur Niedersachsen fällt mit einer langen Latenzphase aus diesem Muster heraus. Die Forleule zeigt einen sehr unterschiedlichen Gradationsverlauf. Während in Mecklenburg-Vorpommern ab dem Jahr 1963 keine einzige der bis dahin regelmäßig auftretenden Gradationen mehr verzeichnet wurde, trat in Niedersachsen die erste Gradation erst in den Jahren 1954 bis 1956 auf. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt dagegen trat die Forleule fast über den gesamten betrachteten Zeitraum hinweg und auch in jüngerer Vergangenheit immer wieder in die Phase der Massenvermehrung. Über den gesamten Zeitraum betrachtet traten Blattwespen am häufigsten in Brandenburg, gefolgt von Sachsen-Anhalt, in die Phase der Massenvermehrung. Längere Latenzphasen gab es in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Seit Beginn der 90er Jahre treten Blattwespen wieder in allen Regionen auf. Die prognostizierten Klimaänderungen für den Zeitraum 2041 bis 2070 im Vergleich zum Zeitraum 1981 bis 2010 zeigen zwischen den einzelnen Modellregionen teils deutliche Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede. Ähnlichkeiten zeigen die Prognosen beim Anstieg der Lufttemperatur, bei der Verlängerung der Vegetationsperiode, bei der Abnahme an Frosttagen und beim Anstieg heißer Tage. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Niederschlag und der Klimatischen Wasserbilanz: Es wird in allen Regionen sowohl wärmer als auch trockener, in Diepholz und Uelzen sind aber im Normalfall keine negativen Auswirkungen auf die Forstwirtschaft zu erwarten, da hier noch ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Seltene sommerliche Trockenphasen werden aber auch hier zunehmen. Im Fläming und insbesondere in der Region Oder-Spree bereitet die Zunahme von Trockenheit dagegen zunehmend Probleme. Die Klimatische Wasserbilanz wird hier sowohl für den Sommer als auch für das ganze Jahr negativ prognostiziert, sinkende Niederschläge und steigende Temperaturen verschärfen das ohnehin schon bestehende Problem Trockenstress und Dürregefährdung und erhöhen damit die Prädisposition des Baumes gegenüber nachfolgenden Schadereignissen. Durch die nach den derzeitigen Klimaszenarien anstehenden Veränderungen erfährt nach heutigem Stand der Kiefernspinner die meisten Vorteile. Ein vermehrtes Auftreten insbesondere ab den zunehmend warmen 90er Jahren nach teils sehr langen vorangehenden Latenzphasen kann für alle Bundesländer beobachtet werden. Auch die Kiefer-Buschhornblattwespen können wahrscheinlich von der Entwicklung des Klimawandels profitieren, denn ansteigende Frühlingstemperaturen führen zu einer häufigeren Entwicklung einer zweiten Generation. Da diese in der Regel die größten Schäden verursacht, kann von einer zu korrigierenden Einschätzung der Bestandesgefährdung durch diese Art ausgegangen werden. Bei der Nonne zeigen sich Änderungen im Gradationsgeschehen (Abnahme der Latenzhasen) vor allem ab Mitte der 70er Jahre. Ein gehäuftes Auftreten in Warmphasen spricht für positive Reaktionen auf zukünftige Temperaturerhöhungen. Auch die Gesetzmäßigkeiten der jahreszeitlichen Entwicklung deuten in diese Richtung, denn sowohl die herbstliche Embryonalentwicklung als auch der Larven-Schlüpftermin sowie die Larven-Schlüpfdauer und der Falterschlupf sind positiv temperaturgesteuert (Wellenstein 1942). Für den Kiefernspanner bleibt es abzuwarten, ob sich erste Änderungen die sich in der Gradationsfolge abzeichnen (Rückgang der Gradationen ab dem Jahr 2000, Latenz ab 2009) auch weiterhin fortsetzen werden. Andererseits deutet im Moment nichts auf eine Förderung des Spanners durch den Klimawandel hin. Die Forleule scheint durch den Klimawandel die meisten Nachteile zu erfahren. Erhöhte Frühlingstemperaturen verkürzen die Lebensdauer der Falter, die relativ lange dauernde Eiablage kann somit nicht mehr vollständig erfolgen. Vor allem ab den 1990er Jahren kann ein vermindertes Auftreten der Forleule beobachtet werden, regelmäßig betroffen ist nur noch Brandenburg. Neben dem Klima wirken sich noch einige andere Faktoren auf die Entwicklung von Insekten-Populationen aus. Es gilt, die wichtigsten dieser Einflussfaktoren zu identifizieren und voneinander abzugrenzen, um ihre Wirkung möglichst unabhängig voneinander beurteilen zu können. Die vielfältigen ökosystemaren Wechselwirkungen erschweren dieses Vorhaben erheblich. Begonnen wurde mit dem Verschnitt der verschiedenen Daten mit Hilfe eines GIS und anschließenden statistischen Auswertungen, um die Wirkung weiterer Einflussfaktoren zu identifizieren und zu quantifizieren. So wurden in einem ersten Schritt Bestandesinformationen mit Populationsdaten aus der Winterbodensuche verschnitten. So soll geklärt werden, ob bzw. welchen Einfluss die Baumartenmischung und vorhandene Verjüngung oder auch Pflanzenschutzmittel-Einsätze auf die Entwicklung der Schadpopulation hat. Über die Ergebnisse des noch bis ins Jahr 2015 laufenden Projektes wird in folgenden Publikationen berichtet werden. Interessierte können sich über die Internetpräsenz www.nalama-nt.de laufend über das Projekt informieren.