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  • Titel
    Waldbau ökologisch - Die Bewirtschaftung der Traubeneiche auf Basis ökologischer Wuchsmodelle
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    Eberswalde
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    2010
  • Material
    Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    14039
  • Datensatznummer
    200173127
  • Quelle
  • Abstract
    Bezüglich der seit fast einem Jahrhundert intensiv und oftmals emotional geführten Diskussion zur "Stetigkeit des Waldwesens" (Möller, 1922, S. 15) ist objektiv festzustellen, dass nacheiszeitlich nichts stetiger war als sein permanenter Wandel. Postglazial zuerst klimagesteuert, ab dem Neolithikum zunehmend menschlich überprägt und seit wenigen Jahrzehnten menschlich bedingt wieder klimatisch angetrieben, unterlag und unterliegt die Vegetationsform Wald fortwährenden, tiefreichenden Veränderungen. Gemessen an der bisherigen Waldentwicklung bewirken die komplexen anthropogenen Umweltveränderungen der Gegenwart jedoch einen hinsichtlich Dynamik und Rasanz bislang ungekannten Waldökosystemwandel. Prozessauslösend läuft dieser mehrdimensionale Veränderungsprozess auf einen neue Natürlichkeit der regionalen Waldökosysteme hinaus (Hofmann 1996). Der geringe Kenntnisstand darüber und die mit großen Unsicherheiten behafteten Klimaprognosen erfordern grundsätzlich eine Diversifizierung der Waldentwicklungsoptionen. Mit Hilfe klimaplastischer Waldstrukturen sollen zu diesem Zweck alle verfügbaren natürlichen Vegetationspotenziale genutzt werden, um vitale und multifunktional leistungsstarke Mischbestände zu entwickeln (Jenssen u.a. 2007). Eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtetze ökologische Waldwirtschaft setzt daher dringender denn je eine innovative wissenschaftliche Begleitung geltende Wuchsmodelle und Bewirtschaftungsgrundsätze sind fortlaufend auf Plausibilität zu prüfen und geeignete Adaptionsmechanismen herzuleiten. Leistungsfähige Forstbetriebsstrukturen müssen flächendeckend vorgehalten werden, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse sachkundig und zum Vorteil von Wald und Volkswirtschaft umsetzen zu können. In diesem Zusammenhang führt die vorliegende Arbeit den Nachweis, dass das bislang verfügbare Modell zur Beschreibung von Wachstum und Entwicklung der Traubeneiche im Nordostdeutschen Tiefland (Erteld 1961) die Realität nicht mehr hinreichend präzies widerspiegelt. Bereits quantifizierte natürliche Standortproduktivkräfte berücksichtigend, wurden deshalb wirtschaftlich bedeutsame Wachstums-, Entwicklungs- und Qualitätsunterschiede zwischen hochdurchforstungsartig bewirtschafteten Trauben-Eichen-Waldareal hingegen sind Wachstumsleistung und Wertholzproduktionsfähigkeit eingeschränkt. Positiv ist hier allerdings der hohe Natürlichkeitsgrad der Eichenbestockung zu werten, der einen geringen forstlichen Erhaltungsaufwand bedingt. Vorausschauend und unter Berücksichtigung der unsicheren Umweltentwicklungszenarien müssen die ökologischen Eigenschaften der pedogenetisch jüngeren und produktionskräftigeren Böden im zudem ozeanisch geprägten Klima des nördlichen bzw. nordwestlichen Tieflandes als wichtige ökologische Freiheitsgrade interpretiert werden. Gegenüber dem potenziell-natürlichen Trauben-Eichen-Waldareal bedeutet dies einen größen Handlungsspielraum für einen auf Wertholzzucht ausgerichteten Trauben-Eichen-Waldbau im potenziell-natürlichen Rot-Buchen-Waldareal. Dieser könnte vor allem in Erwartung einer sich eventuell verschärfenden ökoklimatischen Wasserbilanz unserer Waldstandorte noch sehr bedeutungsvoll sein. Die noch nicht annähernd bewertbaren Auswirkungen der laufenden Umweltveränderungen auf den mehrdimensionalen Wald- und Forstökosystemwandel lassen darüber hinaus eine langfristige strenge Fokussierung des waldbaulichen Handelns auf wenige Auslesebäume kritisch erscheinen. Ein auf Risikominimierung abzielender Trauben-Eichen-Waldbau erfordert daher zwingend auch eine Diversifizierung der Investitionensströme auf zahlreichere vitale, dominante und technisch gute Bäume mit ausreichender Reservehaltung zur Kompensierung unvermeidbarer zufalls- und forstbetriebsbedingter Ausfallerscheinungen. Eine solche stärker auf ganzheitliche Betrachtung des Waldwesens ausgerichtete Wirtschaft befördert überdies wirkungsvoller den alternativen ökosystemaren Bewertungs- und Behandlungsgrundsatz unserer Wald- und Forstökosysteme.