Titel
Wasserretention durch Biberdämme am Beispiel der Stadtsee-Rinne bei Eberswalde
Paralleltitel
Water retention caused by beaver dams in the Stadtsee-Rinne near Eberswalde
Verfasser
Erscheinungsort
Berlin
Verlag
Erscheinungsjahr
2009
Illustrationen
3 Abb., 15 Lit. Ang.
Material
Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
Standardsignatur
8541
Datensatznummer
200158270
Quelle
Abstract
In der Stadtsee-Rinne nördlich von Eberswalde wurde eine Quantifizierung des Wasserrückhaltes durch Biberdämme vorgenommen. Beim Untersuchungsgebiet handelt es sich um eine Seen- und Fließgewässerkette mit angrenzenden Niedermoorstandorten. Das Gebiet weist nur sehr wenige kleine Siedlungsbereiche auf und wird extensiv landwirtschaftlich sowie forstwirtschaftlich genutzt. Es ist ein großes Potenzial an natürlichen Wasserrückhalteflächen vorhanden. An mehreren Fließabschnitten, Gräben und an den Standgewässern wurden durch Elbebiber (Castor fiber albicus) bis zum Jahr 2007 im dem Untersuchungsgebiet 31 Dämme errichtet, die entweder den Wasserstand der Seen anhoben, oder auch neue Überflutungsflächen, so genannte "Biberseen", entstehen ließen. Bei den Untersuchungen wurden alle Biberdämme erfasst und geografisch verortet. Zusätzlich wurde die aktuelle Stauhöhe gemessen und Beschädigungen an den Dämmen dokumentiert und im Jahresverlauf beobachtet. Für alle von Biberdämmen beeinflussten Standgewässer und "Biberseen" wurden mit Hilfe eines digitalen Geländemodels Szenarien durch ein Geografisches Informationssystem in Abhängigkeit verschiedener Stauhöhen modelliert. Da sich durch Beobachtungen an den Dämmen im Verlauf der Untersuchungen zeigte, dass die Stauhöhen aufgrund menschlicher Zerstörung und erneuter Bautätigkeit der Biber stark schwankten, wurden verschiedene Stauszenarien in Schritten von einem Dezimeter modelliert. Anschließend wurde für jede Staustufe eine Volumen- und Flächenberechnung durchgeführt. Insgesamt konnte ein möglicher Wasserrückhalt zwischen etwa 193.000 mß für die niedrigste simulierte und 588.000 mß für die höchste simulierte Staustufe ermittelt werden. Um abzuschätzen, ob die bestehenden Biberreviere langfristig für die Tiere attraktiv sind, wurde eine Lebensraumbewertung durchgeführt. Diese ergab, dass in der Stadtsee-Rinne größtenteils ideale Lebensbedingungen für Biber herrschen. Die Wasserretention durch Biberdämme kann als bedeutsamer positiver Beitrag für den Landschaftswasserhaushalt angesehen werden. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, bei dem für Brandenburg weitere Wasserdefizite durch sich reduzierende Niederschlagsmengen prognostiziert werden, ist dies von besonderer Bedeutung. Es wurde weiterhin deutlich, dass Biberstaue selbst in einem extensiv genutzten und siedlungsarmen Raum wie der Stadtsee-Rinne ein erhebliches Konfliktpotenzial mit der Landnutzung darstellen können. Ein geeignetes Managementkonzept für den Umgang mit diesen Konflikten existiert zurzeit in Brandenburg noch nicht.