Titel
Zur Diskussion des Hauptberichts zur Gesamtkonzeption für eine Schweizerische Wald- und Holzwirtschaftspolitik
Paralleltitel
Contribution au débat soulevé par la Conception globale d'une politique suisse en matière d'économie forestière et du bois
Verfasser
Erscheinungsort
Zürich
Verlag
Erscheinungsjahr
1977
Illustrationen
14 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
629
Datensatznummer
200153812
Quelle
Abstract
Die vorstehenden Ausführungen stellen die persönliche Meinung des Verfassers zu einigen Diskussionsbeiträgen zum Hauptbericht der Expertenkommission über eine Gesamtkonzeption für eine schweizerische Wald- und Holzwirtschaftspolitik dar. Vorerst wird die Aufgabe der Kommission und das Ziel des Berichtes vor dem Hintergrund des seinerzeitigen Postulates vom Nationalrat Dr. Grünig nochmals erläutert und betont, dass es auftragsgemäss in erster Linie darum ging, die Grundlagen für die Formulierung einer Gesamtkonzeption für die zukünftige Forst- und Holzwirtschaftspolitik des Bundes zu schaffen. Erst wenn eine solche staatliche Politik formuliert ist, sind die betroffenen Wirtschaftskreise selbst in der Lage, im Rahmen dieser staatlichen Politik ihre eigenen Konzeptionen für die Lösung ihrer Probleme zu entwickeln. Allerdings dürften dabei die Analysen und Prognosen der Expertenkommission eine nützliche Unterlage darstellen. Im Gegensatz zu einigen veröffentlichten Meinungen glaubt der Verfasser, dass der Bericht durchaus die nötigen Elemente für die Formulierung einer kohärenten staatlichen Politik sowohl für die Forstwirtschaft als auch für die Holzwirtschaft enthalten. Als die beiden wichtigsten Grundsätze für die Holzwirtschaftspolitik betrachtet er einerseits den von der Kommission einstimmig gemachten Vorschlag, auf jede staatliche Beeinflussung der Rohholzpreise zu verzichten und deren Entwicklung im Rahmen der Freihandelszone vol den in- und ausländischen Marktkräften zu überlassen und anderseits die Auffassung der Kommissionsmehrheit, dass auch für strukturelle Veränderungen in der Holzindustrie staatliche Hilfen nicht notwendig seien, da die natürliche Entwicklung in der richtigen Richtung verlaufe. Das Gelenk, wodurch Forstwirtschaft und Holzwirtschaft am stärksten miteinander verbunden sind und wo die natürlichen Interessengegensätze ausgetragen werden müssen, ist der Rohholzmarkt. Die Kommission legt daher auf die Fragen der Organisation und Transparenz dieses Marktes das grösste Gewicht und ist der Meinung, dass der wesentlichste Punkt eines gemeinsamen Konzeptes für Forst- und Holzwirtschaft eine von beiden Seiten akzeptierte Vorstellung von der idealen Organisation und Struktur des Holzmarktes darstellt. Besonders grossen Raum hat in der bisherigen Diskussion die Frage der gesetzlichen Festlegung einer erweiterten Bewirtschaftungspflicht eingenommen. Von weiten Kreisen werden die entsprechenden Vorschläge der Kommission abgelehnt. Neben staatspolitischen und gefühlsmässigen Argumenten wird auch die Meinung vertreten, dass eine solche erweiterte Bewirtschaftungspflicht gegenwärtig und in absehbarer Zukunft nicht notwendig sei, da zum mindesten der überwiegende Teil des Waldes auch ohne eine solche Verpflichtung so bewirtschaftet werden, dass die Interessen der Allgemeinheit gewahrt bleiben. Der Verfasser rekapituliert kurz die Hauptgründe, welche die Kommission zur einstimmigen Auffassung brachte, die Einführung einer erweiterten Bewirtschaftungspflicht sei notwendig und betont, dass diese in erster Linie den öffentlichen Wald treffe, der 70 Prozent der gesamten Waldfläche, in den speziell gefährdeten Gebirgsgegenden sogar noch einen weit höheren Anteil, umfasst. Es liesse sich daher überlegen, ob eine erweiterte Bewirtschaftungspflicht vorerst nur für die öffentlichen Waldungen eingeführt werden sollte. Nach seiner Auffassung sprechen aber auch forstpolitische Gesichtspunkte für eine gesetzliche Bewirtschaftungspflicht, da diese die Begründung liefern kann für die Übernahme gewisser Bewirtschaftungskosten, vor allem der Kosten der organischen Produktion, durch die Allgemeinheit. Es ist daher zu hoffen, dass diese Frage weiterhin eingehend und in einer sachlichen Atmosphäre ausdiskutiert wird.