Titel
Naturwaldreservate und ihre Bedeutung für die Flechtenvielfalt
Paralleltitel
Natural forest reservations and their importance for the biodiversity of lichens
Verfasser
Erscheinungsort
Salzburg
Verlag
Erscheinungsjahr
2007
Illustrationen
1 Lit. Ang.
Material
Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
Standardsignatur
12716
Datensatznummer
200137734
Quelle
Abstract
Im Bundesland Salzburg gibt es derzeit 12 Naturwaldreservate mit der Zielsetzung, Lebensraum zu geben für selten gewordene und bedrohte Organismen. Dies betrifft nicht nur „augenfällige" Tiere und Pflanzen, sondern auch Pilze, Flechten und Algen, die sich in vielen Fällen nur als unscheinbare Aufwüchse oder Krusten auf Baumborken und Gesteinsoberflächen präsentieren. Wie bereits bei Türk & Pfefferkorn-Dellali (1998) eingehend erörtert, stellen Flechten eine wichtige Organismengruppe im Themenkomplex der Biodiversität in montanen bis subalpinen Waldökosystemen dar. So beträgt die Zahl der epiphytischen und epixylen Arten je nach klimatischer Gunst zwischen ca. 200 bis über 340 Arten. In hochmontanen und subalpinen Wäldern kann auch die Biomasse der Flechten erstaunlich hoch sein. So wurde z.B. im Lungau auf Fichten in weitgehend geschlossenen, naturnahen Beständen pro Baum mit etwa 20 bis 25 Metern Höhe die Biomasse (Trockengewicht) von Makrolichenen von 18 bis 25 kg festgestellt. Die Diversität der Flechten hängt in den Waldgebieten von Natur aus ab von der Bestandesstruktur und den damit verbundenen mikroklimatischen Bedingungen, der Baumartenzusammensetzung, den Altersklassen und dem Anteil von Totbäumen und Totholz. Gerade die beiden letzten Substrate sind in den Naturwaldreservaten in höherem Maße vertreten als in stark genutzten Forsten mit weitgehend einheitlicher Bestandesstruktur. Im Bundesland Salzburg wurden der epiphytische und epixyle Flechtenbewuchs sowie die Diversität der Flechtengesellschaften in Naturwaldreservaten vor allem im Alpenraum im Verlauf des letzten Jahrzehntes untersucht. Wie die Ergebnisse zeigen, haben diese Lebensräume eine entscheidende Bedeutung für das Überleben und den Fortbestand von seltenen und gefährdeten Arten. Einige empfindliche Flechten, die vor hundert Jahren noch weit verbreitet waren, kommen heute nur mehr in Naturwaldreservaten bzw. in Nationalparks mit hohem Schutzstatus vor. Hervorzuheben ist auch die Bedeutung von Naturwaldreservaten als wichtige Ressource für Diasporen. In diesem Zusammenhang wäre eine Verdichtung von naturnah strukturierten Waldbiotopen auch außerhalb der Alpen (Alpenvorland, Mühlviertel, Waldviertel etc.) äußerst wichtig, um eine entsprechend hohe Anlieferung von Diasporen and damit eine Erhöhung des Evolutionspotentials zu garantieren. Allerdings ist für das Überleben von gefährdeten Flechten auch eine Reduzierung von anthropogenen Luftfremdstoffen (NH3, NOx, SO2, Feinstaub etc.) vor allem in den nördlichen Bereichen der Ostalpen von entscheidender Bedeutung. Daraus folgt, dass neben der Neuschaffung von Naturwaldreservaten auch eine wirkungsvolle Reduzierung der Luftfremdstoffe die unbedingte Voraussetzung für das Überleben von empfindlichen Flechtenarten ist.