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  • Titel
    Die Waldweide im Bergwald des nördl. Alpenraums: Interessenkonflikte, wissenschaftliche Erkenntnisse und Konfliktlösungsansätze
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    München
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    2005
  • Illustrationen
    6 Abb., 54 Lit. Ang.
  • Material
    Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    6322
  • Datensatznummer
    200127190
  • Quelle
  • Abstract
    Die Waldweide ist eine jahrhundertealte Doppelnutzung der mitteleuropäischen Wälder, die heute nur noch im Alpenraum von nennenswerter Bedeutung ist. Aber auch dort ist ihre Einstellung aufgrund des politischen Ziels der Trennung von Wald und Weide nur noch eine Frage der Zeit. Ausschlaggebend für diese Politik ist der Wunsch, die Schutzfunktion des Bergwaldgürtels zu optimieren. Die Waldweide wird diesbezüglich als Schadfaktor betrachtet, der die Schutzfunktion des Bergwaldes gegenüber Lawinen- und Murenabgängen sowie Erosion verringert. Betroffen von der Trennung von Wald und Weide sind vor allem drei Interessengruppen, die den Bereichen Naturschutz, Landwirtschaft und Forstwirtschaft zugerechnet werden können. Diese Partien besitzen ganz unterschiedliche Interessen und somit auch verschiedene Einstellungen zur Waldweide. Während Naturschützer Waldweideflächen im Bergwald als erhaltenswertes Element der Kulturlandschaft betrachten, liefert die Waldweide Landwirten eine zusätzliche Einnahmequelle. Forstwirte dagegen erfahren diese Nutzung als Schadfaktor im Bergwald. Somit profitieren vor allem letzere von der derzeitigen Politik, während von Seiten des Naturschutzes und der Landwirtschaft immer wieder Kritik laut wird. In der Diskussion wird immer mit den positiven, beziehungsweise negativen Auswirkungen der Waldweide auf den Bergwald oder auf die wirtschaftliche Situation der Landwirte argumentiert. Auf der Grundlage einer in diesem Beitrag vorgenommenen Bestandesaufnahme der aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse, kann gezeigt werden, dass die Schadwirkung der Waldweide in großem Maße abhängt von standörtlich variierenden Faktoren (Geologie, Bodenwasserhaushalt, Höhenlage, Exposition, Neigung, Futterangebot) und betriebsbedingte Faktoren (Verhältnis Lichtweide-Waldweide, Bestoßungsdichte, Viehart, Behirtung, Dauer der Beweidung, Almpflegemaßnahmen), so dass die Waldweide nicht generell als nachteilig hingestellt werden darf. Außerdem sollte bedacht werden, dass in den vergangenen 50 Jahren die Waldweide auf besonders anfälligen Grenzstandorten bereits aus wirtschaftlichen Gründen und in Schutzwäldern aus ökologischen Gründen stark eingeschränkt wurde. Es wird für eine differenzierte, standortsabhängige Betrachtung der Waldweide plädiert. Nur so lässt sich klären, ob die Abschaffung der Waldweide tatsächlich nötig ist oder ob sie nicht zumindest in extensiverer Form fortgeführt werden kann. Voraussetzung für konkrete Lösungsansätze sind eine genaue Definition der angestrebten Ziele und ein reger Informationsaustausch zwischen den einzelnen Interessensgruppen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Eine Neubewertung der Waldweide, die nicht nur den Schadenscharakter herausstreicht, sondern in der Waldweide auch ein kulturhistorisches Element im nördlichen Alpenraum sieht, das aus naturschützerischer und aus landschaftsästhetischer Sicht durchaus viele Vorzüge aufzuweisen hat, könnte zu einer veränderten Politik der Waldweideablösung führen.