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  • Titel
    Fliessgewässer und Niedrigwasser - eine ökologische Perspektive
  • Paralleltitel
    Running waters and low flow - an ecological perspective
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    Koblenz
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    2004
  • Illustrationen
    8 Abb., 23 Lit. Ang.
  • Material
    Artikel aus einer ZeitschriftUnselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    8632
  • Datensatznummer
    200115036
  • Quelle
  • Abstract
    Niedrigwasserperioden, in Extremfällen Austrocknungsereignisse, sind natürliche Abflussphänomene an unseren Fließgewässerökosystemen. Auch Hochwasser sind notwendige Voraussetzungen für die Funktionsfähigkeit des Systems. Sohlumlagerungen durch Hochwasser halten die Diversität der Lebensgemeinschaft aufrecht und verhindern algenwucherungen und Sohlenkolmation. Möchte man die Ökosystemfunktionen der Fließgewässer aufrechterhalten, gilt es in erster Linie, diese natürlichen hydrologischen Systemcharakteristika zu bewahren; regulatorische Eingriffe in das natürliche Abflussgeschehen müssen daher aus ökologischer sicht vermieden oder äußerst schonend vorgenommen werden. Wenn eine dauerhafte Wasserentnahme geplant ist, ist möglicherweise mit einer strukturellen und funktionellen Verschiebung der Fließwasserbiozönosen und einer Beeinträchtigung der Wasserqualität zu rechnen. Speziell dann ist - im Zusammenhang mit wasserbaulichen Gestaltungen bzw. dem Management von Fließgewässern, aber auch mit Sanierungskonzepten - ein ökologisch begründeter Mindestdurchfluss gefordert (DVWK 1999). Generell ist davon auszugehen, dass durch eine naturferne Gewässermorphologie und antrhopogene Eingriffe in das Gewässerumfeld die Wirkung der skizzierten unerwünschten Effekte von Niedrigwasser zusätzlich verstärkt werden. Fehlende Ufervegetation führt bereits bei Normalabfluss durch die zu geringe Beschattung zu höheren Temperaturschwankungen und einem geringeren organischen Eintrag. Im Fall einer Austrocknung sind diese Eigenschaften jedoch entscheidend für das Überleben der Organismen, Strukturen im Flussbett, z.B. Totholzansammlungen, Wurzelwerk oder Geniste, die bei fallendem Wasserstand den Abfluss des Wassers verzögern und Temperaturschwankungen dämpfen, sind wichtige Rückzugsorte zum Schutz vor Austrocknung und Ausgangspunkte der Wiederbesiedlung. Heterogene Sohlstrukturen und hohe Sohlenrauigkeit erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Gewässerbett Restwasserflächen ausbilden, die möglichst lange miteinander vernetzt bleiben. Die Aufrechterhaltung bzw. Schaffung einer hohen Habitatheterogenität ist somit ein wichtiges Entwicklungsziel, um bei kritischen Mindestabflüssen Strukturen als Refugien bzw. auch als Wiederbesiedlungsinseln bereitzustellen. Schließlich ist darauf zu achten, dass eine durchgängige Niedrigwasserrinne erhalten bleibt, die Wanderungen der Organismen ermöglicht. Eine Durchgängigkeit sollte auch zu einmündenden Seitenbächen gegeben sein ("laterale Vernetzung"), die ihrerseits als Refugialräume dienen bzw. Ausgangspunkte für eine Wiederbesiedlung darstelllen können.