Titel
Waldnutzungskonzepte und ihre forstpolitische Bewertung
Paralleltitel
Forest use concepts and their evaluation under forest policy aspects
Verfasser
Erscheinungsjahr
1997
Illustrationen
21 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
638
Datensatznummer
200103395
Quelle
Abstract
Die Entwicklung und Empfehlung veränderter oder neuer Waldnutzungskonzepte verband sich in der deutschen Forstwirtschaft bis vor wenigen Jahren mit eienr fachlichen Auseinandersetzung über die waldbaulich, ertragskundlich und/oder ökonomisch zweckmäßigste Art der Waldbewirtschaftung. Dabei handelt es sich immer um einen überwiegend internen Aushandlungsprozeß. Probleme mit dem Selbstverständnis der Forstleute sind dabei nie entstanden und die gesellschaftspolitische Position der forstlichen Fachdisziplin wurde nie in Frage gestellt. Mit dem Eintritt der Umwelt- und Naturschutzverbände in die forstpolitische Arena hat sich die Situation grundlegend geändert. Externe Ratgeber entwickeln und empfehlen Waldnutzungskonzepte, ohne die bisherigen Spielregeln forstwirtschaftlicher Auseinandersetzungen zu beachten und ohne jede Rücksicht auf das traditionelle Selbstverständnis der Forstleute. Dementsprechend unsicher und unterschiedlich ist die Reaktion der Betroffenen. Vor allem wird deutlich, daß es sich bei der Diskussion über externe Waldnutzungskonzepte um ein Problemfeld handelt, daß auch eine forstpolitische Analyse und Bewertung erfahren muß. Hierfür werden geeignete Maßstäbe bzw. zweckmäßige Bewertungskriterien benötigt. Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die Kriterien "Legitimität" und "Strategie". Da die Umwelt- und Naturschutzverbände über keine institutionelle Legitimation verfügen, benötigen sie für Ihre Konzepte eine aus den Inhalten abgeleitete politische Legitimation. Der Beitrag fragt insbesondere nach den hierzu geeigneten globalen ökologischen und ressourcenökonomischen Argumenten und stellt die Bedeutung des erneuerbaren Rohstoffes Holz in den Mittelpunkt. Bei einer Betrachtung der Umsetzungsstrategie von externen Waldnutzungskonzepten wird besonders auf die "Glaubwürdigkeitsdifferenz" zwischen den beteiligten Akteuren hingewiesen. Die für die Umwelt- und Naturschutzverbände lebensnotwendige Glaubwürdigkeitsdifferenz wird mit einem "Halo-Effekt der Glaubwürdigkeit" erklärt. Versucht die Forstwirtschaft diese Glaubwürdigkeitsdifferenz durch Annäherung zu verringern, provoziert sie eine fortlaufende Anhebung der ökologischen Maßstäbe in den externen Waldnutzungskonzepten. Für die Forstwirtschaft ist es deshalb wohl ratsam, ab einem bestimmten Punkt bei der Wahl der Maßstäbe auf ihre eigene Fachkompetenz zu vertrauen und diese in den Mittelpunkt eines neuen "Glaubwürdigkeitsmanagements" zu stellen. Gerade in der Diskussion um eine Zertifizierung naturnaher Waldbewirtschaftung gewinnt diese Forderung eine aktuelle Bedeutung.