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  • Titel
    Städtisches Vorkommen und Verbreitungstendenzen des Blauglockenbaumes (Paulownia tomentosa) in Südwestdeutschland
  • Verfasser
  • Erscheinungsjahr
    2001
  • Illustrationen
    34 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    3470
  • Datensatznummer
    200087508
  • Quelle
  • Abstract
    Die Wuchsorte des Blauglockenbaumes befinden sich fast ausschließlich in Städten oder Siedlungen, da sie einerseits wärmebegünstigt sind und andererseits, da hier die meisten Paulownien angepflanzt werden. Diese sind als potentielle eltern der sich primär generativ ausbreitenden Art aufzufassen. Das schließt vegetative Vermehrung im Nahbereich jedoch nicht aus (vgl. Niemeier 1984). In Südwestdeutschland ist an der Lage der Siedlungen mit spontanen Paulownien eine klimatische Abhängigkeit erkennbar. Während kühlere Lagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb keine Individuen aufweisen, sind die wärmeren Regionen Baden-Württembergs, der Rheingraben und einige den Neckar begleitende Lagen, Ausbreitungszentren. Weitere spontane Vorkommen finden sich im Gebiet um den Bodensee und an der Enz bei Pforzheim. Fehlgeschlagene Anpflanzungsversuche in klimatisch ungünstigen Gegenden untermauern den klimatischen Erklärungsansatz. Bei den makroklimatisch begünstigten Lagen handelt es sich um Flußtäler, Kessellagen oder andere konkave Geländeformen, die unmittelbar Umgebung größerer Seen und den Bereich von Aglomerationen. Eine intensive Erkundung der Paulownia-Vorkommen auf Stuttgarter Stadtgebiet zeigt in mesoklimatischem Maßstab eine Bevorzugung von Blockbebauung, Brachflächen, Großparkplätzen und Bahngeländen. Stark versiegelte Bereiche, die auf Infrarotkarten als Wärmepole innerhalb der Stadt erkennbar sind, sind überdurchschnittlich of Lebensraum der untersuchten Baumart. Im Bereich der Blockbebauung und die Großformbebauung des CBD (Central Business District) und angrenzenden Parks finden sich allerdings ebenfalls die meisten gepflanzten potentiellen Elternbäume. Auf dieser Ebene modifiziert die unterschiedliche Pflege einzelner Stadtbereiche die Häufigkeit der Vorkommen. Beispielsweise wird zumeist im Bereich von Fußgängerzonen und im Bereich von Einzelohausbebauung intensiver gepflegt als in Blockbebauungsgebieten oder auf Brachflächen. Über unterschiedliche Bebauungstypen hinweg finden sich spontane Paulownien immer wieder an bestimmten Stellen, wie an Sockeln von Außenwänden beheizter Häuser oder anderen Mauersockeln, in Schotter, Bauschutt oder entlang von Zäunen und an Abluftschächten. Die geringere Frostgefährdung entlang von Hauswänden oder an Abluftschächten ist evident. Prinzipiell gilt, daß die Pflanzenwurzeln, die sich unter einer dicken Schicht von Platten, unter Asphalt, unter Schotter oder ähnlichen Materialien befinden, in der Regel später von Frost betroffen sind als solche in offenem Boden, in den der Frost viel schnellter und tiefer eindringen kann. Hierbei muß der physiologische Zustand der Zellen bei Frosteinwirkung, auch in Abhängigkeit vom Substrat, mitberücksichtigt werden. Die Wuchsorte von Paulownia sind gekennzeichnet durch Böden mit geringem Wasserspeichervermögen und hohen Anteilen basischer Stoffe. Dies verringert die Frostempfindlichkeit der Art. Diejenigen Wuchsorte in Stuttgart, die sich nicht in unmittelbarem Kontakt zu Steinmaterial befinden, liegen in windgeschützten Winkeln, inmitten dichter Blockbebauung nahe den wärmsten Stadtbereichen. Zahlreiche Beispiele stützen die These, daß in ungünstigeren mesoklimatischen und markoklimatischen Lagen die mikroklimatische Gunst zunehmen muß, damit spontane Paulownien überleben können. Als entscheidend für spontane Vorkommen und das Überleben der Baumart müssen die an der Pflanze wirksam werdenden Temperaturminima (deren Intensität, Dauer und Periodizität) in Abhängigkeit von physiologischen Zustand der Pflanze, besonders vom Ausreifungszustand des Holzes, gesehen werden. Der physiologsiche Zustand der Pflanze ist, außer von den großräumigen klimatischen Bedingungen und den Bodenverhältnissen, ebenfalls von deren Alter abhängig. Wenig Niederschlag und hohe Temperaturen im Spätsommer und Herbst begünstigen die Holzausreifung. Eine deutliche Trennung zwischen Wachstumsphase und Ruhephase, ebenso (weitgehend) auszuschließende Spätfrostgefährdung sind weitere wichtige Faktoren für das Überleben der Art.