Titel
Wissen, wie der Hase läuft : Rückgangsursachen des Feldhasen in Europa
Verfasser
Erscheinungsjahr
2001
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
5367
Datensatznummer
200084404
Quelle
Abstract
Das Ziel der Veranstaltung, einen Überblick über die Situation des Feldhasen, plausible Erklärungen zu Trends sowie Vorschläge zum weiteren Vorgehen zu erlangen, wurde voll erreicht. Folgende Erkenntnisse zogen sich "wie ein roter Faden" durch fast alle vorgestellten Untersuchungen: Es gibt extreme regionale und sogar lokale Unterschiede in der Dichte des Feldhasen. In bestimmten Gebieten finden sich sogar wieder leicht ansteigende Besätze. Europaweit ist jedoch insgesamt ein Rückgang zu beobachten. Dafür verantwortlich gemacht wurde das Zusammenwirken verschiedener Faktoren, vor allem eine Verschlechterung der Lebensräume und -bedingungen, Beutegreifer, Krankheiten und - allerdings noch lange nicht hinreichend geklärt - möglicherweise langfristig schädigende Einflüsse durch Umweltgifte. Genetische Verarmung wurde dagegen nirgends festgestellt. Auch die Fruchtbarkeit der Hasen scheint nicht das eigentliche Problem zu sein. Nur ein Referent aus Frankreich, wo völlig andere Bedingungen als zum Beispiel in Deutschland, Österreich und der Schweiz herrschen und regelmäßig mehr als 30 Prozent der Hasenbesätze erlegt werden, machte auch die Jagd für den Rückgang verantwortlich. Dem wurde von mehreren Referenten entgegengehalten, dass die Bejagung überhaupt keine Rolle beim Rückgang des Hasen spiele und eine Streichung der Jagdzeit ihm in keinster Weise helfen, sondern eher schaden würde. Über einen Punkt waren sich ausnahmslos alle einig: Entscheidend für den rückläufigen Trend sind die sehr hohen Verluste bei den Junghasen, vor allem mit Beginn des zweiten und dritten Lebensmonats, wenn sie die Mutter verlassen. Neben nasskalter Witterung im Frühjahr sind diese hohen Verluste, und auch hier kamen die Experten zum gleichen Ergebnis, zu einem für manche sicher überraschend hohen Prozentsatz den Beutegreifern zuzuschreiben: Die Verluste bei den Junghasen durch Prädation liegen zwischen etwa 40 und über 90 (!) Prozent. Die Schlussfolgerung, dass der Einfluss der Beutegreifer über die Junghasen auf die Hasenbesätze ein (wenn nicht sogar der) Hauptfaktor beim Rückgang des Hasen ist, dürfte nach dem Symposium in Berlin also nicht mehr wegzudiskutieren sein. Will man dem Hasen wieder auf die Sprünge helfen, ist es als Sofortmaßnahme sicher nicht verkehrt, den Hebel in diesem Bereich anzusetzen. Gleichzeitig bedarf es jedoch umfassender weiterer Feldforschung und ganz gezielter Maßnahmepakete, um die oben genannten anderen negativen Einflüsse langfristig abzumildern. Deshalb wurde zum EU-Antrag auf Langzeituntersuchungen in verschiedenen Lebensräumen des Feldhasen in Europa zu stellen. Dabei geht es um angwandte und nicht um Grundlagenforschung. Die Erhebungen sollen koordiniert und die Ergebnisse untereinander ausgetauscht werden. Dies ist, wie das Symposium in Berlin gezeigt hat, ein außerordentlich wichtiger Schritt in die richtige Richtung.