Titel
Waldentwicklung im montanen Fichtenwald nach großflächigem Buchdruckbefall im Nationalpark Bayerischer Wald
Paralleltitel
Forest development after large bark beetle outbreak in the Bavarian Forest National Park
Verfasser
Erscheinungsjahr
2001
Illustrationen
zahlr. Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
14602
Datensatznummer
200076711
Quelle
Abstract
Seit Beginn der Buchdruckermassenvermehrung im Nationalpark Bayerischer Wald sind in der hochmontanen Stufe des Rachel-Lusen-Gebietes fast 85 % der ca. 2300 ha umfassenden Fichtenbeständen abgestorben. Um deren Auswirkungen auf die natürliche Regeneration der Waldbestände zu verfolgen, werden seit 1996 in zweijährigem Turnus Inventuren durchgeführt. Als Referenz für diese Erhebungen dienen die Ergebnisse der Waldinventur 1991, als die Fichtenwälder in den Hochlagen noch weitgehend geschlossen waren. Datenerhebung und Auswertung entsprechen dem in der Staatsforstverwaltung eingesetzten Standardverfahren für die Forsteinrichtung. auf 572 permanenten Probeflächen, die in einem 20 mal 200 m Raster über das Gebiet verteilt sind, werden Daten über die Baumverjüngung größer 10 cm erhoben. Darüber hinaus wurden die Flächenanteile von Kleinstrukturen erfasst, die als bedeutend für die Entwicklung der Waldverjüngung angeschätzt werden. Außerdem wurden mit Hilfe von Luftbildern in einem Teil der Hochlagen alle Bäume und Bestände kartiert, die den Buchdruckerbefall überlebt haben. Fichtenaltbestände sind dort weitestgehend verschwunden. Bestandesbildend tritt die Fichte nur noch bis zu einem Alter von ca. 55 Jahren auf und selbst diese jungen Bestände wurden von den Rändern her durch Buchdrucker befallen. Altfichten haben nur als Einzelbäume und kleine Trupps die Gradation überlebt. Trotz der geringen Dichte von ca. 2 lebenden Bäumen je Hektar können rechnerisch 66 % des Untersuchungsgebiets ausreichend mit Baumsamen versorgt werden. Die Verjüngungsdichte (> 20 cm) ist von 978 Pflanzen je Hektar im Jahr 1991 auf 1.928 im Jahr 2000 angestiegen. Berücksichtigt man die Pflanzen zwischen 10 und 20 cm, die jedoch erst seit 1996 erhoben werden, findet man in den Hochlagen bereits durchschnittlich 3.569 Pflanzen je Hektar. Auch wenn ein Großteil der Waldverjüngung noch nicht als gesichert angesehen werden kann, hat die Dichte mittlerweile ein Niveau erreicht, wie es beispielsweise auch für Wirtschaftswälder im Flachland angestrebt wird. Die häufigste Baumart ist mit 77 % die Fichte, gefolgt von der Vogelbeere mit 19 %. Alle anderen Baumarten spielen mit zusammen 4 % nur eine untergeordnete Rolle. Die Verjüngung weist in Abhängigkeit von den Kleinstrukturen des Waldbodens eine starke Klumpung auf. Insbesondere in der Gras- und Farn-Fazies, die zusammen 56 % der Hochlagen bedecken, konnten nur wenige Pflanzen gefunden werden. Im Gegensatz dazu ist die Situation bei den Kleinstrukturen "Baumkontakt" und "Moderholz" viel günstiger. Obwohl sie nur einen Flächenanteil von 8,3 % einnehmen, wachsen hier 45 % aller erfassten Fichten. Darüber hinaus variiert die Verjüngungsdichte in Abhängigkeit von Bodenform, Meereshöhe, Exposition und dem Absterbezeitpunkt der Altbestände. Insbesondere im Bereich des Rachels ist die Verjüngungsdichte noch relativ niedrig. Dort dominiert die Bodenform mittelgründiger Lehm über verfestigtem Schutt, große Teile befinden sich über 1.250 m, sind stark vergrast und starben erst einige Jahre nach der Fichtenvollmast 1995 ab. Schäden an den Verjüngungspflanzen traten bisher nur in sehr geringem Umfang auf. Von Bedeutung ist nur der Leittriebverbiss durch Schalenwild bei der Vogelbeere. Er betrug im Jahr 1991 44,7 %, im Jahr 2000 nur noch 14,4 %. Durch Vergleich mit Forschungsergebnissen aus anderen hochmontanen Waldformationen wird der Schluss gezogen, dass Störungen ein natürlicher Impuls für die Entwicklung dieser Waldökosysteme sind, an den die Biozönose angepasst ist.