Titel
Die ökologischen und anthropogenen Voraussetzungen für die Existenz groser Beutegreifer in der Kulturlandschaft
Paralleltitel
Ecological and athropogenic requirements for the existence of large predators in a cultivated landscape
Verfasser
Erscheinungsjahr
2001
Illustrationen
44 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
1265
Datensatznummer
200076379
Quelle
Abstract
Die grossen Beutegreifer Bär (Ursus arctos), Wolf (Canis lupus), Luchs (Lynx lynx) und Bartgeier (Gypaetus barbatus) verschwanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Schweiz. Historische Daten, hauptsächlich über die Bezahlung von Abschussprämien, belegen die willentliche Ausrottung der grossen Raubtiere und Greifvögel. Das war aber nur möglich, weil den grossen Beutegreifern zuerst die ökologischen Lebensgrundlagen entzogen wurden. Die Wälder waren weitgehend zerstört, die wilden Paarhuferpopulationen als natürliche Nahrungsgrundlage stark reduziert oder ausgelöscht. Die Raubtiere mussten sich an Schafe und Ziegen halten, was ihre Verfolgung verstärkte und erleichterte. In den vergangenen 150 Jahren hat die Waldfläche in der Schweiz um 80% zugenommen, die wilden Paarhufer sind zurückgekehrt und erreichen zum Teil Dichten, die sie historisch wohl nie hatten. Die Bevölkerung ist in dieser Zeit in der Schweiz zwar von 2,5 bis 7 Mio. angestiegen, aber im Alpenraum und im Jura hat die Zahl der Leute weitgehend stagniert. Im gleichen Zeitraum stieg die landwirtschaftliche Produktivität stärker an und konzentrierte sich auf mechanisch bewirtschaftbare Flächen. Das hatte eine Entlastung der weniger rentablen Flächen im Berggebiet zur Folge. Seit dem Niedergang der grossen Beutegreifer hat sich der Rinderbestand in der Schweiz verdoppelt, der Ziegenbestand ist um 80% zurückgegangen, und der Schafbestand hat sich - nach einem starken Rückgang in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - wieder auf das Niveau von 1860 erhöht. Die Verbesserung der ökologischen Lebensgrundlagen für die Beutegreifer ermöglicht heute ihre spontane Rückkehr (Wolf und Bär) bzw. ihre Wiederansiedlung (Luchs, Bartgeier und Bär). Abgesichert wird ihre Rückkehr durch einen sehr weitgehenden gesetzlichen Schutz, der eine starke Antithese zur früheren totalen Verfolgung bildet. Unterschiedliche Auffassungen über Naturschutz zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die Beeinträchtigung der Schafhaltung und der Jagd durch die Rückkehr der Grossraubtiere führen aber zu Konflikten, die durch gesetzliche Regelungen alleine nicht gelöst werden können. Die Akzeptanz der grossen Beutegreifer durch die Bevölkerung in den Berggebieten setzt voraus, dass diese Menschen ihre Interessen wahrnehmen können. Das bedingt, dass ein System zum Management der Grossraubtiere entwickelt wird, in das die lokale Bevölkerung mit klar definierten Kompetenzen integriert wird.