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  • Titel
    Arten-, Prozeß- und Ressourcenschutz vor dem Hintergrund faunistischer Untersuchungen im Kronenraum des Waldes
  • Paralleltitel
    Conservation of species, processes and resources against the background of faunistic investigations of the forest canopy
  • Verfasser
  • Erscheinungsjahr
    1999
  • Illustrationen
    64 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    638
  • Datensatznummer
    200072972
  • Quelle
  • Abstract
    In 3 Wirtschaftswaldbeständen unterschiedlicher Naturnähe und in 2 ungenutzten Wäldern (20 bzw. 90 Jahre aus der Nutzung) im Hienheimer Forst bei Kelheim wurden insgesamt 39 Bäume (Eiche, Buche, Fichte, Lärche) mit verschiedenen Fallentypen befangen. Vier der gefangenen Tierartengruppen (Käfer, Spinnen, Netzflügler und Wanzen) wurden bis zur Art bestimmt. Die Ergebnisse zeigen bei den Käfern eine deutliche Abhängigkeit zum Naturnähegrad der Bestände, was im wesentlichen auf den hohen Anteil von Totholzkäfern am Gesamtspektrum zurückzuführen ist. Die Spinnen sind in Wirtschafts- und in Naturwäldern ziemlich gleichmäßig verteilt. Sie sind wohl eher abhängig von Raumstrukturen, die nicht zwingend mit der Naturnähe eines Bestandes korrelieren müssen. Auch bei den Netzflügern und den Wanzen ist keine Beziehung zur Naturnähe nachweisbar. Sie kommen in bewirtschafteten Laubmischwäldern mindestens ebenso häufig und artenreich vor wie in den ungenutzten Beständen. Sie sind typische Vertreter eines wärme- und lichtbetonten Habitats und besonders an Lichtbaumarten (wie Eiche und Lärche) gebunden. Aus den Kronenfängen ergibt sich, daß gut aufgebaute und gepflegte Mischwälder nicht grundsätzlich artenärmer sind als Naturwälder, vor allem wenn an den Mischbaumarten die Eiche beteiligt ist. In reinen Fichtenbeständen sind dagegen eher artenärmere Zönosen zu erwarten. Dies gilt allerdings auch für reine und geschlossene Buchenbestände, wie sie von Natur aus auf vielen unserer Waldstandorte anzutreffen wären. Von daher ist Prozeßschutz, d.h. ein prioritäres Abstellen auf die Naturnähe mit einer max. Förderung von Arten auf Bestandesebene schwer vereinbar. Für die Erhaltung und Förderung eines möglichst umfassenden Arteninventars ist vielmehr eine sensible, auf Baumartenvielfalt und Strukturdiversität ausgerichtete Nutzung hilfreich. Unter Berücksichtigung auch der Forderungen des Ressourcenschutzes lassen sich jedoch regionale oder besser naturraumbezogene Kompromisse erreichen, die diskutiert werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit haben einige Fragen aufgeworfen, die eine weitergehende Untersuchung erfordern. Als vorrangiges Ziel ist auf eine intensivere Erforschung der heimischen Wirtschaftswälder hinzuweisen. Erst ein tieferer Einblick in bewirtschaftete Systeme kann zeigen, welche naturschutzfachlich wichtigen Strukturen diese Flächen bereits besitzen und welche ihnen noch fehlen. Gerade die Berücksichtigung des Naturschutzes in bewirtschafteten Wäldern sichert Lebensräume auf großer Fläche.