Titel
Untersuchungen der Lebensraumansprueche und der Aktivitaetsrhythmik des Rotfuchses (Vulpes vulpes) im Alpenpark Berchtesgaden
Verfasser
Auflage
2. Auflage
Erscheinungsjahr
1992
Illustrationen
96 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
13571
Datensatznummer
200065629
Quelle
Abstract
1. In einer 4-jaehrigen Feldstudie wurden von 1981 bis 1985 im Alpen- und Nationalpark Berchtesgaden 'Untersuchungen zur Raumorganisation und zur Aktivitaetsrhythmik des Rotfuchses (Vulpes vulpes, L.) im Hochgebirge' durchgefuehrt. 2. Es wurden 31 Fuechse gefangen und davon 24 Tiere mit Radiosendern markiert. Von 20 Fuechsen liegen 3396 Ortspeilungen vor. Die Beobachtungszeitraeume lagen zwischen 31 und 306 Tagen pro sendermarkiertem Tier. 3. Fuer die raumbezogene Auswertung stand ein 'Geographisches Informationssystem' zur Verfuegung, dessen Moeglichkeiten fuer die allgemeine Beurteilung von Raum-Zeit-Systemen bei Wildtieren aufgezeigt werden. 4. Die Groesse der Homeranges haengt in starkem Masse von der verwendeten Berechnungsmethode ab. Es wird ein neues, nach einem Modul der ARC/INFO-Software benanntes 'Buffer-Modell' zur Bestimmung der Homeranges vorgestellt. Die Groesse der Homeranges betraegt im Untersuchungsgebiet fuer Jungfuechse 50-100ha, fuer subadulte 100-200ha und fuer adulte Tiere 200- 300ha. 5. Hinsichtlich der raeumliche Lage sind die Lebensraeume der Talfuechse und der Bergfuechse voneinander zu unterscheiden. Die Anpassung des Fuchses an die unterschiedlichen landschaftlichen Gegebenheiten kommt in einer hohen Diversitaet der Homerange-Ausstattungen zum Ausdruck. 6. Fuechse nutzen tageszeitabhaengig voneinander abgrenzbare Teilbereiche ihrer Homeranges. Dieses raeumlich-zeitlich differenzierte Verhalten muss als Anpassung an die unterschiedliche oekologische Qualitaet dieser Teilbereiche, vor allem aber auch an die zeitlich differenziert intensive Nutzung dieser Flaechen durch den Menschen angesehen werden. Der 'Generalist Fuchs' ist daher eher als 'ein zu hoher Anpassung an menschliche Nutzungsformen befaehigter Spezialist' zu bezeichnen. 7. In montanen und alpinen Landschaften stellt besonders die bewaldete Berghangzone fuer unsere heimischen mittelgrossen und grossen Raubsaeuger ein wichtiges Rueckzugsgebiet aus den von menschlicher Nutzung stark gepraegten Talraeumen dar. 8. Mehr noch als die interne Nutzung der Homeranges zeigen die Habitatpraeferenzen tageszeitabhaengig deutlich unterscheidbare Beduerfnisse des Fuchses an seinen Lebensraum. Am Tage bevorzugt aufgesuchte Landschaftsstrukturen werden meist nachts gemieden und vice versa. 9. Der Fuchs ist ein Nahrungsopportunist. Als solcher macht er durch sein gezieltes Aufsuchen der verschiedenen Kleinstrukturen deutlich, welch wichtige oekologische Funktion solchen Kleinstlebensraeumen zukommt. 10. Die Lage und Groesse der Homeranges ist derart beschaffen, dass ein Wechseln zwischen tags und nachts genutzten Gebieten einerseits unter geringstmoeglichem lokomotorischem Energieaufwand und unter minimaler Belastung des Zeitbudges moeglich ist, andererseits auch die Ernaehrungs- und Rueckzugsbeduerfnisse des Fuchses beruecksichtigt. 11. Die Groesse der Homeranges haengt eng zusammen mit dem relativen Flaechenanteil nachts bevorzugt aufgesuchter Flaechen. Ein umgekehrt proportionaler Zusammenhang zwischen Habitatqualitaet und der Groesse eines Homeranges wird bestaetigt. 12. Die Ergebnisse des Raumnutzungsverhaltens aus den 3 Untersuchungsgebieten werden in Potentialkarten auf den gesamten Alpenpark uebertragen. Die im Nationalpark und seinem Vorfeld vorhandenen optimalen Fuchslebensraeume koennen flaechenhaft dargestellt, die Hoehe des Fuchsbestandes fuer das Gesamtgebiet unter Beruecksichtigung individueller Raumansprueche und weiterer biologischer Parameter abgeschaetzt werden. 13. Zeitpunkt, Entfernung und Richtung von Fuchswanderungen werden an 4 subadulten und 1 adulten Rueden dargestellt. Bei Faehen wurde keine Migration beobachtet. Moegliche Faktoren, die das Wanderverhalten initialisieren, werden diskutiert. Ein gut entwickelter Orientierungssinn ist aufgrund der Untersuchungen zu vermuten. 14. Eine Bejagung des Fuchses im Nationalpark als Praeventivmassnahme gegen eine Ausbreitung der Tollwut erscheint fragwuerdig. Die im Fruehjahr und ...