Aktionen
Anzeigeoptionen
  • Titel
    Die Gemeine Fichtengespinstblattwespe, Cephalcia abietis L. (Hym., Pamphiliidae), im Böhmerwald: zur Kenntnis der Verursachung und Vermeidung von Gradationen
  • Verfasser
  • Erscheinungsjahr
    1994
  • Illustrationen
    36 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    12985
  • Datensatznummer
    200060771
  • Quelle
  • Abstract
    Im östlichen Teil des Böhmerwaldes (Forstamt Stift Schlägl, Mühlviertel, Oberösterreich) trat die Gemeine Fichtengespinstblattwespe in eine Massenvermehrung, die im Jahre 1986 ihren Höhepunkt hatte. Die Gradation spielte sich in Form mehrerer kleiner (ca 50ha) Vermehrungsherde ab, auf denen es teilweise zu Kahlfrass kam. Aufgrund der topographischen und standörtlichen Gegebenheiten bestehen grosse Ähnlichkeiten zu anderen Gradationen dieses Insekts. Gradationsauslösende Faktoren werden zum Teil im Witterungsgeschehen vermutet, wonach Häufungen von Jahren mit ausgeprägten Trockenperioden während der Vegetationszeit grossräumig den Anstoss zu sprunghaftem Populationswachstum der Gespinstblattwespe in gradationsdisponierten Fichtenbeständen geben dürften. Die kleinräumige Variabilität der Prädisposition führt zur Entstehung lokaler Vermehrungsherde. Als gradationsbegünstigende Dispositionsfaktoren im Untersuchungsgebiet werden der Zustand des Waldbodens und die physiologische Qualität der älteren Fichtennadel-Jahrgänge angesehen. Im Waldboden vollzieht sich während der zwei- bis dreijährigen Nymphenruhe eine für den Gradationsverlauf vermutlich entscheidende Mortalität der Nymphen, die hier vor allem durch den entomoparasitischen Nematoden, Steinernema kraussei, verursacht wurde. Da dieser Nymphenparasit bei Boden-pH-Werten < 4,0 in seiner Aktivität gehemmt wird, kann fortgeschrittene Bodenversauerung die Wirksamkeit dieses Mortalitätsfaktors beträchtlich vermindern. Bodenbehandlung mit versauerungshemmendem Effekt unterstützt die Nematoden in ihrer Regulationswirkung auf die Population von Cephalcia abietis. Ungünstige Futterqualität der Fichtennadeln steigert die Mortalität der Junglarven und hemmt das Larvenwachstum der Fichtengespinstblattwespe, wodurch sie abundanzdynamisch wirksam wird. Solche gradationshemmende Eigenschaften scheinden Fichten mit stark ausgeprägten Symptomen der "neuartigen Waldschäden", hier der "montanen Vergilbung", aufzuweisen. Die Gradationsherde lagen in Gebieten, in denen der Kronenzustand noch relativ gut war. Aspekte der Risikoabschätzung und der Prävention von Cephalcia-Gradationen werden erörtert.