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  • Titel
    Untersuchungen der Schwammspinner-Folgeschäden in Baden-Württemberg
  • Verfasser
  • Erscheinungsjahr
    1999
  • Illustrationen
    63 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    14013
  • Datensatznummer
    200057399
  • Quelle
  • Abstract
    Durch den Vergleich kahlgefressener Laubholzbestände mit vergleichbaren nicht/gering befressenen Beständen sowie mittels Einzelbaumuntersuchungen und zusätzliche Aufnahmen auf gemeldeten Flächen mit starken Folgeschäden wurden die Auswirkungen von Schwammspinnerkahlfraß (1993/94) in Baden-Württemberg untersucht. Nach den Erhebungsdaten kam es auf ca. 9% (465 ha) der kahlgefressenen Waldfläche zu Ausfällen, die bei über 5% der Baumzahl lagen. Diese erhöhten Absterbeerscheinungen konzentrierten sich auf die heimischen Eichenarten (441 ha), die auch am stärksten vom Kahlfraß heimgesucht wurden. Bei den anderen vom Kahlfraß betroffen Laubhölzern wurden keine nennenswerten Ausfälle festgestellt. Zu stärkeren Ausfällen nach Kahlfraß kam es auch bei den einzeln- bis kleinflächig beigemischten Fichten und Douglasien in den vom Schwammspinner bevorzugten Laubwäldern. Neben den günstigen Standortsverhältnissen in Baden-Württemberg ist diese im Vergleich zur gesamten Kahlfraßfläche (5.200 ha) und im Vergleich zum Schadausmaß anderer Regionen relativ günstige Schadensbilanz auch auf die erfolgreiche Bekämpfungstrategie von 1993/94 zurückzuführen. Daß ein starker Schwammspinnerfraß unter bestimmten Voraussetzungen starke Absterbeprozesse in Eichenbeständen auslösen kann, konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden. Eine erhöhte Mortalität entstand nur bei Kahlfraßflächen. Zu Absterbeerscheinungen kam es in allen Altersstufen. Ihren Höhepunkt erreichten die Absterbeprozesse im Folgejahr, und sie dauerten in älteren Beständen noch ein bis zwei Jahre an, während sie in den jüngeren Beständen nach der ersten "Absterbewelle" rasch zum Stillstand kamen. Im Frühjahr selbst sind nur sehr wenige Eichen abgestorben, allerdings waren einige Eichen anhand einer schlechten und verzögerten Wiederbelaubung schon zu diesem Zeitpunkt als Absterbekandidaten erkennbar. Die Mehrzahl der im Untersuchungszeitraum abgestorbenen Eichen hatten eine relativ schlechte Wiederbelaubung im Fraßjahr. Deshalb kann das Ausmaß und der Verlauf der Wiederbelaubung als Indiz für die Überlebenschancen bzw. die Vitalität kahlgefressener Eichen angesehen werden. Die Bonituren zeigen, daß eine schwammspinnerbedingte Labilisierung der Bestände im Folgejahr besteht. Schon ab dem zweiten Jahr liesßen sich kaum mehr Vitalitätsunterschiede zwischen kahlgefressenen und nicht befressenen Eichen feststellen. Es gibt Hinweise, daß die Labilisierung bei zweimaligem Kahlfraß etwas länger anhält. Die Bestände reagieren bei vergleichbarer Fraßbelastung sehr unterschiedlich. So konnten eineige Bestände selbst einen zweimaligen Kahlfraß in Folge ohne nennenswerte Ausfälle überstehen, während es bei einigen Beständen schon nach einmaligen Kahlfraß zu sehr hohen Ausfällen kam. Insgesamt wurde aber deutlich, daß ein zweimaliger Kahlfraß die Absterbewahrscheinlichkeit in Eichenbeständen sehr stark erhöht.Der Schwammspinnerfraß ist als primärer schadauslösender Faktor zu sehen, der beim Zusammenwirken eines oder mehrerer Faktoren Ausfälle verursacht. Als sehr wichtiger Faktor diesbezüglich ist der Standort zu sehen. Zu sehr starken Ausfällen kam es insbesondere auf wechselfeuchten Standorten, auf denen zeitweiliger Wasserstau möglich ist. Auf trockenen Standorten wurden auch verstärkte Ausfälle festgestellt, allerdings mit wenigen Ausnahmen nur einzelbuamweise. Stärker durch Feinreisigverluste erkennbar vorgeschädigte kranke Eichen wiesen eine deutlich höhere Absterbewahrscheinlichkeit auf als gering vorgeschädigte und gesunde Eichen. Dieser Zusammenhang wurde in ausgewählten Beständen mit Mortalitätsraten bis zu 10% festgestellt. Der Blattfraß früher oder später fressender anderer Schmetterlingsraupen im Jahr des Schwammspinnerfraßes führt zu einer längeren Entlaubungszeit und kann daher die Schäden verstärken, indem die Vitalität der Eichen beeinträchtigt und die Regeneration verzögert wird. Auch der Fraß anderer Schmetterlingsarten in den Folgejahren erhöht die Mortalität und verlängert die Regenerationszeit. Abgestorbene und abgängige Eichen ließen ab einem gewissen Baumalter fast ausnahmslos einen starken Prachtkäferbefall erkennen. Diese Käfer stellen demnach in schwammspinnergeschädigten Gebieten eine sehr große Gefahr dar. Der Prachtkäfer, meist Agrilus biguttatus, ist als der Folgeschädling anzusehen, der letztlich den Tod der durch Fraß geschwächten Eichen herbeiführt. Trotz Prachtkäferbefall überlebende Eichen weisen T-Flecken im Holz auf, die zu Qualitätsverlusten führen. Für einen merklichen Einfluß von Hallimaschpilzen an den Absterbeprozessen wurden keine Hinweise gefunden. Diese Pilze stehen demnach am Ende der Ursachenkette. Bei den untersuchten kahlgefressenen Eichen wurde ein gegenüber nichtbefressenen Eichen wesentlich stärkerer Mehltaubefall im Spätsommer des Fraßjahres festgestellt. Ein deutlicher Einfluß des Mehltaubefalls auf die Absterbeprozesse konnte aber nicht nachgewiesen werden. Auch in Beständen, in denen keine Ausfälle nach Schwammspinnerfraß auftraten, kam es zu Folgeschäden. So ergaben die Aufnahmen in ausgewählten Eichenbeständen, daß der Schwammspinnerfraß eine temporäre Bildung von Wasserreisern hervorruft. Diese werden mehrheitlich noch im Fraßjahr gebildet und sterben nach ein bis drei Jahren wieder ab. Bei starken Ausfällen ist auf Grund der Lichtverhältnisse jedoch mit einer dauerhaften Wasserreiserbildung zu rechnen. Bei Kahlfraß ist der Zuwachs im Fraßjahr und den beiden Folgejahren deutlich reduziert. Dieser Zuwachsverlust bedeutet gleichzeitig einen Qualitätsverlust. Kommt es zu Ausfällen, dann entstehen erhebliche Wertverluste. In Althölzern reduzieren sich die Stammholzerlöse um ca. 40%. Bei einem Ausfall von 20% der Alteichen entsteht ein Schaden von ca. 5.000 DM/ha. Ausfälle von Dickungen und Kulturen verursachen Wertverluste in Höhe von mindestens 36.000 DM/ha. Je nach Höhe der Ausfälle ist die waldbauliche Zielsetzung gefährdet oder nachhaltig gestört.