Titel
Einfluss der Weidewirtschaft auf die Waldgrenze im oberen Vinschgau
Verfasser
Erscheinungsjahr
1995
Illustrationen
27 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
6322
Datensatznummer
200055829
Quelle
Abstract
In den letzten 2500 Jahren hat der Mensch weite Teile des Alpenraumes zu einer Kulturlandschaft geformt. Das Vordringen baeuerlicher Nutzungsformen bis ueber die Waldgrenze, Rodungen, intensive forstliche Nutzungen und die Beweidung grosser Teile der Waelder haben ein Nutzungsmuster geschaffen, welches das Erscheinungsbild des Gebirgraumes praegt. Die traditionellen Nutzungsansprueche haben lokal und regional zu erheblichen Waldflaechenverlusten und zu einer deutlichen Verschlechterung des Waldzustandes gefuehrt. In den Talraeumen wurden die Siedlungsflaechen in durch Hochwasser, Muren und Lawinen gefaehrdete Bereiche ausgedehnt. Vor allem in der Mitte des letzten Jahrhunderts haeuften sich Katastrophen, denen wertvolles Nutzland, ganze Doerfer, Tausende von Gebaeuden und auch viele Menschen zum Opfer fielen (Jobst, E., 1988). Diese Erkenntnis war der Ausloeser in den Alpenlaendern umfangreiche Gesetze zum Schutz der Waelder zu erlassen. Der Schutz bezog sich jedoch in erster Linie auf die noch vorhandenen Waelder und die Umsetzung wurde nicht mit der erforderlichen Strenge vollzogen. Seit dieser Zeit hat sich die Bevoelkerung in den Alpen vervielfacht. Der zunehmende Tourismus und der damit verbundene Ausbau von Infrastruktureinrichtungen hat auf die gegebenen Gefaehrdungen nur teilweise Ruecksicht genommen. Die Flaechenknappheit fuehrte heute noch zur Erschliessung von gefaehrdeten Bereichen. Wir treffen hier auf ein Problem mit zwei Dimensionen: 1. Durch die nachhaltige Veraenderung der natuerlichen Gegebenheiten - vor allem der Raubbau an den Waeldern - hat sich das Gefahrenpotential deutlich erhoeht. 70% aller Lawinen in Tirol oder im Bayerischen Alpenraum brechen unterhalb der natuerlichen Waldgrenze ab. 2. In den Talraeumen werden gefaehrdete Bereiche zunehmend durch Infrastruktureinrichtungen und Siedlungen genutzt. Die Anforderungen vor allem an den Bergwald steigen staendig. Gleihzeitig gibt der Zustand der Verjuengung des Bergwaldes Anlass zu grosser Sorge. Der heutige Verlauf der Waldgrenze ist in weiten Bereichen der Alpen nicht natuerlich, sondern vielmehr Ausdruck unterschiedlichster Nutzungen durch den Menschen. Haupteinflussfaktoren waren Rodungen, Uebernutzungen der Waldbestaende, sei dies durch uebertriebene Holznutzung oder Waldweide, sowie das gezielte Verhindern einer Wiederbewaldung durch die Pflege der Weideflaechen. Ueberhoehte Schalenwildbestaende verhindern die natuerliche Verjuengung und ein weiteres Vordringen des Waldes nicht nur im Bereich der Kampfzone. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen und geschichtlichen Ueberlieferungen kann der Schluss gezogen werden, dass die Waldgrenze 200 bis 300 Hoehenmeter tiefer liegt, als unter natuerlichen Voraussetzungen zu erwarten waere. Mit dem Zustand, dem Verlauf, der Verjuengungsdynamik und dem Einfluss der Weidewirtschaft auf die Waldgrenze im oberen Vinschgau beschaeftigt sich dieser Beitrag.