Aktionen
Anzeigeoptionen
  • Titel
    Winterschlaf des Alpenmurmeltieres (Marmota marmota)
  • Verfasser
  • Erscheinungsjahr
    1999
  • Illustrationen
    28 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    10627
  • Datensatznummer
    200053782
  • Quelle
  • Abstract
    Die Fähigkeit zum Winterschlaf ist die wohl wichtigste Eigenschaft der Murmeltiere, die es ihnen ermöglicht, dauerhaft so unwirtliche Gegenden wie die Hochalpen zu besiedeln. Durch eine Reduktion der Stoffwechselrate auf 3-5 Prozent des Sommerniveaus kann die Körpertemperatur der Murmeltiere auf bis zu 2,6° C sinken. In diesem extrem energiesparenden Zustand der Kältestarre können die Tiere aber nur eine begrenzte Zeit verweilen. Aus bisher noch ungeklärten Gründen unterbrechen sie regelmäßig nach ca. 12 Tagen für etwa einen Tag den Winterschlaf und erwärmen sich zu einer Körpertemperatur von durchschnittlich 34,5° C. Damit bleiben sie auch in den Wachphasen 3,7° C unter der durchschnittlichen sommerlichen Körpertemperatur. Während der tiefen Kältestarre bleiben winterschlafende Murmeltiere sensibel gegen Außenreize und beginnen ab einer kritischen Temperaturschwelle wieder Wärme zu produzieren, um ein weiteres Absinken der Körpertemperatur und das Risiko des Kältetodes zu vermeiden. In natürlichen Winterbauen herrschen solche Temperaturbedingungen über den größten Teil der Winterschlafzeit. An der Steuerung der jährlichen Gewichtsveränderungen und der Winterschlafbereitschaft sind eine innere Jahresuhr und die Veränderungen der Tageslänge im Jahresverlauf als äußerer Zeitgeber beteiligt. Während der gesamten Winterzeit nehmen die Murmeltiere keine Nahrung zu sich. Sie zehren von den Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben und verlieren im Durchschnitt 1/3 ihres Herbstgewichtes. Da diese Pflanzenfresser in der Regel bereits lange vor der Schneeschmelze den Winterschlaf beenden, sind sie auch nach dem Erwachen noch auf Fettreserven angewiesen. Der gesamte Energiebedarf während der Fastenzeit kann alleine mit der Herabsetzung der Stoffwechselrate nicht ausreichend verringert werden, vor allem nicht bei Jungtieren, denen nach dem erstmaligen Erscheinen aus dem Wurfbau nur ca. 3 Monate bleiben, um Fett für die 6-7 monatige Winterschlafzeit zu speichern. Zur weiteren Reduktion des Energiebedarfes überwintern bei Murmeltieren deshalb die bis zu 20 Mitglieder einer Gruppe stets gemeinsam in einem Bau. Sie schmiegen sich eng aneinander und synchronisieren die regelmäßigen Wechsel von Kältestarre zu hoher Körpertemperatur, wodurch jedes Tier weniger Wärme an die kalte Umgebung verliert. Für die besonders gefährdeten Jungtiere wird zusätzlich gesorgt, indem sie in die Mitte der Winterschlafgruppe genommen werden und verwandte erwachsene Gruppenmitglieder sie durch leicht erhöhte Körpertemperatur oder zusätzliche Aufwachintervalle aktiv wärmen.