Titel
Wintergatter
Verfasser
Erscheinungsjahr
1990
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
6110
Datensatznummer
200052705
Quelle
Abstract
Die Haltung von Rotwild auf die Dauer von etwa vier Monaten im Wintergatter bedeutet einen harten Eingriff in sein Leben. Nach einigen Wochen scheint das Wild dem Besucher als vertraut, fast zahm! Dieses scheinbar vertraute Verhalten geht aber mit der Oeffnung des Zaunes im Fruehjahr schlagartig verloren. Das Rotwild ist dann wieder echtes Wild, das die Witterung des Menschen als feindlich anspricht und fluechtet. Von Laien wird den Haltern eines Wintergatters der Vorwurf der Domestizierung des Wildes gemacht. Dies ist sicher falsch, denn nach der Oeffnung des Zaunes ist das Rotwild ebenso scheu wie jedes andere Wild! Und genau so schwer zu bejagen! Das Wintergatter lieferte keine Moeglichkeit, einen Wildstand zu hegen, der nicht dem sommerlichen Aesungsangebot gerecht wird. Sicher werden sich im Laufe der naechsten Jahre noch verschiedene Verbesserungen fuer die Haltung des Rotwildes im Wintergatter ergeben. Vor allem muss noch eine Moeglichkeit gefunden werden, die tragenden Tiere von den uebrigen Tieren abzusondern, um sie noch vor dem Setzen in die freie Wildbahn entlassen zu koennen, da das Wild oft recht eigenartig auf die frisch gesetzten Kaelber reagiert. Es muss aber festgestellt werden, dass das Wintergatter in den meisten Faellen sich voll bewaehrt hat und dass es vielfach gelungen ist, die winterlichen Rotwildschaeden in Nullhoehe zu bringen! Solange es nicht moeglich ist, das Rotwild durch den oft langen und harten Winter zu bringen, ohne dass im Walde untragbare Schaeden auftreten, werden wir wohl beim Wintergatter bleiben muessen. Die Umgestaltung des Wirtschaftswaldes in einen rotwildgerechten Wald wuerde von der Volkswirtschaft untragbare Opfer verlangen, abgesehen davon, dass diese Umwandlung nicht in einem Jahrzehnt vollendet werden koennte. Der Rohstoff Holz kann auch in Zukunft nicht entbehrt werden. Die Industrie braucht vor allem Nadelholz. Schon die Erziehung von Mischwaeldern verlangt vom Steuerzahler erhebliche Opfer. Die Begruendung von Mischwaeldern ist aufwendiger als die von Nadelwaeldern, wobei das Wild als Stoerfaktor auftritt. Der Bestand des Rotwildes kann nur dann als gesichert betrachtet werden, wenn die vorrangigen Interessen der Land- und Forstwirtschaft nicht in unzumutbarem Umfange beeintraechtigt werden. Das Wintergatter ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, es ist jedoch ein erfolgreicher Versuch, die im Winter auftretenden Rotwildschaeden zu vermeiden und so die Gefaehrdung der Landeskultur zu mindern. Ein Wintergatter muss den mannigfaltigen Anspruechen des Rotwildes an den Wintereinstand weitgehendst Rechnung tragen. Behelfsloesungen waeren zu unterlassen. Wo keine Moeglichkeit besteht, ein dem Rotwild voll zusagendes Gatter zu errichten, sollte davon abgesehen werden. Sonne, Wasser und Ruhe sind notwendige Voraussetzungen! Nehmen wir uns bei allen Eingriffen ins Leben der Natur ......