Titel
Ursachenanalyse des Eichensterbens in Deutschland - Versuch einer Synthese bisheriger Befunde
Verfasser
Erscheinungsjahr
1996
Illustrationen
67 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
4639
Datensatznummer
200050133
Quelle
Abstract
Die in Deutschland zu den Ursachen des derzeitigen Eichensterbens vorliegenden Forschungsergebnisse und Erfahrungen werden kritisch zusammengefasst. Mögliche prädisponierende, schadensauslösende, schadensverstärkende und begleitende Faktoren werden getrennt dargestellt und soweit möglich Wechselbeziehungen aufgezeigt. Als prädisponierende Faktoren werden Empfindlichkeit der Eichenarten, Alter, Bestandesaufbau, Wasserhaushalt des Standorts, Nährstoffversorgung und deren immissionsbedingte Störung mit dem Sonderfall "Eichenchlorose" behandelt. Als schadensauslösende Faktoren kommen Entlaubung durch blattfressende Insekten, Eichenmehltau, Trockenheit, Überstauung, Winterfrost und kurzfristige Immissionseinflüsse in Betracht. Schadensverstärkende Faktoren können Prachtkäferbefall, Infektion durch Armillaria spp., Phytophthora spp., Collybia fusipes, rindenbesiedelnde Ascomyceten und Deuteromyceten sowie holzbesiedelnde Ophiostoma spp. sein. Schadensauslösend dürfte vor allem eine gleichzeitige Belastung der Eichen durch mehrmaligen Kahlfrass und Witterungsextreme wirken. Kahlfrass führt unter anderem auch zur zeitweisen Reduktion der Feinwurzelbiomasse. Niederschlagsmangel kann besonders für Stieleichen auf Standorten belastend wirken, auf denen sie flach wurzeln. Dort sind weitere Feinwurzelschäden durch Vertrocknen, Sauerstoffmangel bei Vernässung und Pilzinfektion möglich. Auf allen Standorten dürfte sich Spätwinterfrost der Jahre 1985-87 zusätzlich belastend ausgewirkt haben. Hohe Stickstoffeinträge dürften sich negativ auf die Frosthärte sowie auf die Mykorrhizierung der Eichen auswirken und ihre Anfälligkeit für Feinwurzelinfektionen erhöhen. Unmittelbare Absterbeursache an geschwächten Eichen ist meist der Befall durch den Zweipunkt-Eichenprachtkäfer. Diesem Befall kann durch Hygienemassnahmen kurzfristig entgegengewirkt sowie durch Unterbau der Eichenbestände mit Mischbaumarten langfristig vorgebeugt werden. Voraussetzung für weitere Gegenmassnahmen wäre eine Risikoabschätzung, deren Grundlagen z.T. noch fehlen. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf.