Titel
Der ökologische Bodenzustand - seine Veränderung in der Nacheiszeit, Ansprüche der Baumarten
Verfasser
Erscheinungsjahr
1995
Illustrationen
42 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
2754
Datensatznummer
200039853
Quelle
Abstract
Zur Charakterisierung des Base/Saeure-Zustands von Waldboeden werden Basensaettigung der Festphase und Alkalinitaet der Bodenloesung herangezogen. Elementbilanzen in der Literatur weisen nacheiszeitliche Verluste an Mb-Kationen (Na, K, Mg, Ca) in lehmigen und schluffigen Boeden in Hoehe von 4000-13 000, im Mittel 8000 kmolc/ha auf ca 1m Tiefe aus. Der mittlere Betrag laesst sich aufschluesseln in 1500 kmol gespeichert im Ton des Ausgangsmaterials, 1000 kmol Speicherung in neugebildetem Ton, 500 kmol Speicherung in organischer Substanz und 5000 kmol Auswaschung ohne Zwischenspeicherung im Boden. Nach dem Uebergang in den Al-Pufferbereich koennen ca. 2000 kmolc/ha als polymere Al-Kationen im Zwischenschichtraum der Tonminerale (Folge: Abnahme der Kationenaustauschkapazitaet KAK) und ca. 1000 kmol als austauschbares Al und H am Ton und Humus vorliegen (Folge: Abnahme der Basensaettigung und der Alkalinitaet der Bodenloesung). Zu Beginn der Nacheiszeit koennen Fliesserden aus aelteren Bodenbildungsphasen bereits mit geringem Silikatgehalt, KAK und Basensaettigung vorgelegen haben. Die jungpleistozaenen Decksedimente (Loess, Geschiebelehm, Sande) wiesen dagegen leicht verwitterbare Silikate und keine Versauerung auf. Fuer die durch Birke, Kiefer und Hasel charakterisierten Anfangsphasen der Oekosystementwicklung ist Tonbildung und Humusakkumulation bei hoher Basensaettigung und gleichzeitiger Begrenzung der Vegetationsentwicklung durch Stickstoffunterversorgung wahrscheinlich (Aufbauphase). Die Phase des Eichenmischwalds (7500-4500 BP) duerfte einem Stabilitaetsbereich hoher Basensaettigung entsprechen, in der allerdings die Abnahme der KAK durch Auswaschung bereits einsetzte und mit zunehmender Hoehenlage ein groesseres Ausmass erreichte. Anthropogene Eingriffe foerderten ueber Humusabbau die Bildung starker Saeuren (HNO3) und damit die Abnahme der Basensaettigung. Bis zur Zeitenwende duerfte die Basensaettigung jedoch noch hoch gewesen sein; Wachstum und Produktivitaet waren hautpsaechlich durch die nutzungsbedingten Entkopplungen im Stickstoffkreislauf eingeschraenkt. Die Ausdehnung von Getreidebau und Waldweide im Fruehmittelalter in submontane Lagen und die zunehmende Holznutzung ab 1000-1500 AD in der montanen und obermontanen Stufe liessen die Basensaettigung zurueckgehen. Zu Beginn der Industrialisierung kann von Vorraeten an Mb-Kationen in Hoehe von 100-300 kmolc/ha und Basensaettigungen um 30% und hoeher ausgegangen werden. Dies wird durch Bodendaten aus den 40er-60er Jahren bestaetigt. Als Folge des Saeureeintrags liegt die Basensaettigung heute bei 2/3 der Waldboeden Deutschlands in 30-60cm Tiefe unter 15%. Dies macht die Notwendigkeit von Massnahmen zur Erhoehung der basensaettigung deutlich. Die Ansprueche der Baumarten an die Basensaettigung werden aus Oekogrammen von Ellenberg (1978) , Bodendaten und Stetigkeiten von Hartmann und Jahn (1967) Einstufungen der Naehrstoffmangel-Toleranz von Otto (1994) und Untersuchungen ueber die Streuzersetzung von Wittich (1943) hergeleitet. Fuer die Konkurrenzfaehigkeit ergeben sich folgende Mindestanforderungen an die Basensaettigung: Feldahorn: 90%, Bergulme, Winterlinde, Esche: 70%, Spitzahorn, Kirsche: 60%; Bergahorn, Hainbuche: 50% fuer Buche, Eiche, Fichte, Tanne, Douglasie, Kiefer sollte eine Basensaettigung >30% angestrebt werden. Anhand der Daten von Hartmann und Jahn (1967) wird die Abnahme der Diversitaet mit abnehmender Basensaettigung demonstriert.