Titel
Der Wald in der Kunst
Verfasser
Erscheinungsjahr
1994
Illustrationen
14 Lit. Ang
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
638
Datensatznummer
200031256
Quelle
Abstract
Der Wald, der in frueheren Zeiten immer etwas Unheimliches und Bedrohliches hatte, war in der Kunst meist nur in groesseren Zusammenhaengen darstellungswuerdig, etwa in der Landschaft oder als Staffage und Stimmungstraeger szenischer Bilder, ganz gleich welcher Thematik. Viel wichtiger als der Wald war der Baum, denn ihm kamen, ausgehend von seiner Lebenskraft, die unterschiedlichsten symbolischen Bedeutungen zu. Das Spektrum in der Kunst reicht von der Wurzel Jesse und von Christi Kreuz als "lignum vitae" ueber Baumwunder, Tugendbaeume, Gabenbaeume etc. bis zur Gerichtslinde. Erst in der Duererzeit wurde der Baum zum Gegenstand eines nunmehr naturkundlichen Interesses, wobei die Nadelbaeume haeufig bereits an das moderne Waldsterben denken lassen. Auch in Architektur und Skulptur kommt das Baummotiv vor, so in der nordeuropaeischen Gotik und hier vor allem in der spaeten Astwerkgotik, dann wieder bei Baumkanzeln und bei der neuzeitlichen Baumsaeule oder beim Siegesmotiv der Palme. Die Geschichte der Walddarstellung, bei der das Jagdstueck eine besondere Gattung ist, begann erst richtig in der franzoesischen Buchmalerei des 14. Jahrhunderts und in der fuehen niederlaendischen Kunst seit van Eyck. Zum eigenen Thema wurde der Wald erst in der Duererzeit, als ein nordisches Bild der Wueste und auch der Uraengste war, die sich mit der Tiefe des Waldes verbanden. Mit dem Waldbild entstaqnd damals das reine Landschaftsbild. Die Bluete des Waldbildes war die neuzeitliche, vor allem niederlaendische Landschaftsmalerei, zu der als Sonderrichtung die auf kuenstliche Urwaelder spezialisierte Schule von Frankenthal gehoerte, dann wieder die neue Freiluftmalerei in England und in der Franzoesischen Schule von Barbizon. Die deutsche Romantik wiederum mischte mit dem Wald die tiefgruendige Stimmung der Seele oder setzte auf harmlose Waldesidylle. In der Moderne schliesslich verkam das Waldbild zur Trivialkunst aus dem Kaufhaus, oder es wurde nicht selten in der Weise verfremdet, als sei es Ausdruck der freigelegten Psyche. Auch die zeitgenoessische Aktionskunst bediente sich des Waldes, allen voran Joseph Beuys, der in einer langwaehrenden Aktion bei der Kasseler Documenta den Wald provozierend in die Stadt bringen wollte.