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  • Titel
    Un nouveau ravageur en Europe: L'Ecaille fileuse (Hyphantria cunea Drury)
  • Paralleltitel
    Der weisse Bärenspinner (Hyphantria cunea Drury)
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    Zürich
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    1954
  • Illustrationen
    10 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    629
  • Datensatznummer
    200027236
  • Quelle
  • Abstract
    Der weiße Bärenspinner (Hyphantria cunea Drury) ist ein Großschmetterling, der zu den Arctiiden (Webebären) gehört. Er ist in Nordamerika (USA und Kanada) heimisch und dort seit langem als Schädling bekannt. Erstmalig im Jahre 1940 in Budapest beobachtet, hat er sich in den folgenden Jahren in Zentraleuropa rasch ausgebreitet. Im Jahre 1947 hatte er fast drei Viertel ungarn erorbert. Ein Jahr später trat er in Jugoslawien in der Ebene der Vojvodina auf und war 1951 bis Belgrad vorgedrungen. Im selben Jahre wurde er in Kroatien und Österreich, seit 1952 in Serbien, Bosnien und Slovenien festgestellt. Die Abbildung 1 zeigt seine Ausbreitung am Ende des Jahres 1952. Der Falter von Hyphantria cunea hat eine Spannweite von 3 cm. Er ist entweder von reinweißer Farbe (Form textor Harris) oder weist auf den Vorderflügeln und dem Hinterleibsrücken braunschwarze Pünktchen auf (Nominatform). Die Eier werden häufchenweise auf die Blätter (Eispiegel), und zwar meist auf deren Unterseite abgelegt. Die Raupen sind durch auffallend lange Haare gekennzeichnet und haben, vollentwickelt, eine Länge von 3,5 bis 4 cm. Die braune Puppe ist 8 bis 14 mm lang. Die Entwicklung des Insekts ist stark vom Klima abhängig und weist normalerweise in Europa zwei Generationen auf. Eine dritte Generation kommt gelegentlich dann vor, wenn die Monate von Juli bis Oktober heiß sind. Die aus denüberwinterten Puppen schlüpfenden Falter fliegen ab Ende April und im Mai. Sie sind Dämmerungs- und Nachttiere. Die Kopulierung und die Eiablage finden kurz nach dem Ausschlüpfen statt. Die Raupen der ersten Generation fressen etwa von Mitte Mai bis Ende Juni, und ihre Verpuppung erfolgt anfangs Juni. Der zweite Falterflug und die Eiablage erstrecken sich auf die zweite Hälfte Juli, und die Raupen der zweiten Generation sind bis Ende September schädlich. Die Überwinterung erfolgt als Puppe. Bei dreifacher Generation sind die Raupen im Mai/Juni, resp. Juli/August und September/Oktober schädlich. Die Räupchen leben gesellig und verbringen mehr als die erste Hälfte ihres Lebens in Gespinsten, die ganze Äste erfassen können. Am Anfang fressen sie nur kleine Stellen, so daß die Blätter skelettiert werden (Schabfraß); später verlassen sie die Gespinste, zerstreuen sich und fressen die ganzen Blätter auf, so daß nur die großen Rippen übrig bleiben (siehe Tafeln 1 und 2 und Abb. 2). Die wirtschaftliche Bedeutung des weißen Bärenspinners ist sehr groß, da die Raupe ausgesprochen polyphag lebt. Sie befällt fast alle Obstbäume und zahlreiche Zier- und Waldbäume (Laubhhölzer). In Amerika wurden 120 Nährpflanzen festgestellt, in Europa bisher 94. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Brutpflanzen und fakultativen Pflanzen. Die ersteren, deren Blätter für die Ernährung der Raupen besonders geeignet sind, werden von den Weibchen für die Eiablage bevorzugt (vgl. die Liste S. 7). Die sekundären Brutpflanzen sind weniger attraktiv für die Weibchen und als Nahrung im allgemeinen weniger geeignet. Die nicht mit Eispiegel belegten fakultativen Pflanzen werden nur von alten Raupen befallen, wenn die Brutpflanzen bereits kahl gefressen sind. Nach Schimitschek liegt die forstwirtschaftliche Bedeutung dieses Schädlings "im Befall des Auwaldes, der Wohlfahrtsaufforstungen, Windschutzanlagen und der Pflanzengärten". In geschlossenen Beständen schadet er nur am Rand. Sehr stark befallen werden auch Zierbäume, besonders Straßen- und Alleebäume. In der Landwirtschaft liegt seine Bedeutung im Befall aller Obstbäume und des Weinstockes. Kurz nach der Einschleppung ist Hyphantria cunea in Europa ein Schädling ersten Ranges geworden, wahrscheinlich wil sie in ihrer neuen Heimat noch zu wenig natürliche Feinde hat. Die Bekämpfung ist seit 1952 auf internationaler Basis organisiert unter Leitung der Europäischen Organisation für Pflanzenschutz (OEPP). Man versucht durch strenge Maßnahmen die weitere Verbreitung des Schädlings so weit wie möglich zu verhindern. Die direkte Bekämpfung erfolgt durch Abschneiden und Vernichten der Gespinste mit den Jungraupen sowie durch chemische Mittel. Die in Österreich durchgeführten Bekämpfungsversuche haben gezeigt, daß DDT nur gegen die drei ersten Larvenstadien wirksam ist und daß Lindane, kombinierte Lindane-DDT-Mittel und Parathion noch gegen die vierten und fünften Stadien erfolgreich wirken. Die beiden letzten Stadien sind resistenter und mit Insektiziden schwerer zu bekämpfen. Als biologische Bekämpfungsmaßnahme versucht man in Jugoslawien und Österreich die wirksamen amerikanischen Parasiten von Hypahntria cunea einzuführen. Jedes Auftreten dieses Schädlings in den Wäldern der Schweiz ist der Schweizerischen forstlichen Versuchsanstalt in Zürich zu melden.