Titel
Romanische Flurnamen und Vegetationskollektive im Unterengadin
Paralleltitel
Rhaeto-romansh area names and vegetation-collective in the Lower-Engadine = Nomi locali e collettivi di vegetazione in Engadina bassa
Verfasser
Erscheinungsort
Wien
Verlag
Erscheinungsjahr
1981
Illustrationen
1 Anl., 10 Lit. Ang.
Material
Unselbständiges Werk
Standardsignatur
4513
Datensatznummer
200025922
Quelle
Abstract
Mit der Vegetationskartierung des untersten Talabschnittes des Unterengadins, vom Val Sinestra und Val Uina bis zur Landesgrenze und das Samnaunertal erfüllte der Schreibende nicht nur einen Wunsch von Prof. Dr. H. M. Schiechtl, sondern kam auch einer Weisung des Kantonsforstinspektorates Graubünden nach, welche für die forstliche Planung auch die Kartierung der Pflanzengesellschaften aller Forstkreise vorsieht. Wollte man ganz Graubünden pflanzensoziologisch kartieren, etwa im gleichen Sinne wie den Schweizerischen Nationalpark, wäre gegenüber der Realisierung dieses Projektes eine große Skepsis gerechtfertigt. Die Gründe brauchen hier nicht aufgezählt zu werden. Es war deshalb für den Schreibenden ermutigend, als ihm Prof. Dr. H. M. Schiechtl die einfachen aber forstpraxisnahen Kriterien seiner Vegetationskartierung unterbreitete. Der Schreibende sah in dieser Art der Kartierung eine Chance, grundsätzliche Aspekte der Vegetationsdecke im Überblick zu erfassen und als Momentaufnahme darzustellen. Selbstverständlich schließt eine solche Kartierungsmethode nicht aus, daß man von Fall zu Fall und nach Bedarf zur Vegetationsübersicht noch Detailaufnahmen zusätzlich erhebt, um die ökologischen Kenntnisse zu vertiefen. Die Kartierung der Vegetation konfrontierte den Schreibenden mit dem brauchbaren Wert seiner Darstellungen für die Entscheidungsfindung in den Maßnahmen pfleglicher Bergwaldnutzung. Dabei wurde ihm wie nie zuvor die Zugehörigkeit des Waldes zur Kulturlandschaft bewußt; und es vertiefte sich die Erkenntnis, daß pflegliche Gebirgswaldnutzung echte Kulturlandschaftsgestaltung ist und sein muß. Die Vegetationskartierung gewinnt besonders aus diesem Blickwinkel eine besondere Bedeutung, weil man diese Gestaltung der Kulturlandschaft "Wald" möglichst naturgerecht zu vollziehen hat. Die Vegetationskartierung liefert eine Menge guter Kenntnisse für die naturnahe, pflegliche Bergwaldnutzung, sie bleibt aber eine Momentaufnahme und weckt den Wunsch nach Vertiefung unserer Erkenntnisse über die kulturlandschaftliche Entwicklung. Sowohl der Blick nach rückwärts in die Vergangenheit des Waldes als auch die Abschätzung der Zukunft gewinnen dabei an Bedeutung. Am Beispiel der Flurnamen im Unterengadin, welche auf Pflanzenkollektive der Gegenwart oder der Vergangenheit hinweisen, zeigt der Schreibende eine Möglichkeit, den Aussagewert von Vegetationskarten zu vertiefen und für die Praxis der pfleglichen Waldnutzung nutzbringend anzuwenden. Das Unterengadin, dessen Waldgeschichte der letzten 500 Jahre recht übersichtlich dargestellt werden kann, liefert mit seinen Flurnamen ein gutes Beispiel, um das gegenwärtige Bild der Vegetation als Resultat der Kulturlandschaftsentwicklung zu verstehen und auch seine pflegliche Waldnutzung diesem Verständnis unterzuordnen.