Aktionen
Anzeigeoptionen
  • Titel
    Plentern und Femeln - im Begriffs-Chaos : Ein (weiterer) Versuch Ordnung zu schaffen
  • Verfasser
  • Erscheinungsjahr
    1995
  • Illustrationen
    15 Lit. Ang.
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    621
  • Datensatznummer
    200025529
  • Quelle
  • Abstract
    Die Begriffe "plentern" und "femeln" wurden in der Vergangenheit und werden teilweise noch heute unterschiedlich verstanden. In einer terminologischen Sammlung fehlt eine klare begriffliche Definition. Beide Begriffe handeln von der "Entnahme einzelner Glieder aus einem Kollektiv" (Horndasch, 1993). An Hand von 2 auflagenstarken Werken des im Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutenden forstlichen Lehrers G. L. Hartig wird gezeigt, dass er "plentern" fuer die einzelstammweise Baumentnahme und damit synonym fuer den Begriff "durchforsten" verwendet hat. Fuer die einzelstammweise (End-) Nutzung gebrauchte er den Femelbegriff. Eine Sicherung der Vorrats- und Wertnachhaltigkeit ist in der Fruehzeit der einzelstammweisen Nutzung offenbar (meist) nicht gelungen. Ausreichender Nachwuchs durch Naturverjuengung wurde oft durch im Wald weidendes Vieh verhindert. Selbst wenn sich eine Unterschicht ansamte und ueberlebte, konnte in den Bestaenden mit einer ziemlich geschlossenen Oberschicht kaum mit einer ausreichend grossen Zahl sich gut entwickelnder Pflanzen gerechnet werden. Die damalige Baumerziehung mit - aus unserer Sicht - schwachen Eingriffen im zwanzigjaehrigen Rhythmus in der Oberschicht erlaubte den Baeumen kaum grosse Kronen auszubilden und liess nicht genuegend Licht fuer einen an Zahl und Guete ausreichenden Baumnachwuchs in die Unter- und Zwischenschicht gelangen. Als Ergebnis dieser Misserfolge wird die Plenterwirtschaft der "Schleichwirtschaft" gleichgestellt, welche den Vorrat an wertvollen Baeumen auspluendert. Forstleute suchten nach Wegen, um die nachhaltige Waldnutzung durchzusetzen. Sie sahen meist keine andere Moeglichkeit als die Abkehr von der Einzelstammnutzung und den Uebergang zur einfach durchsetzbaren und kontrollierbaren Schlagwaldwirtschaft, um so gegen den Willen der den Wald raubbauartig nutzenden Bevoelkerung die Nachhaltigkeit zu erzwingen. Um 1880 setzte erstmals eine Rueckbesinnung ein. Die laengerfristige Verjuengungswirtschaft und damit auch die Plenterung wurde wieder diskutiert und oertlich als praktikable Wirtschaftsform akzeptiert. Allerdings haben plenterartige Waelder bis heute nur sehr kleine Waldflaechenanteile in Europa. Die heutigen forstlichen Kontrollinstrumente sind besser. Wenn die Nutzungsethik ebenfalls verantwortungsbewusster ist, dann kann die Plenterung wieder zur vorherrschenden Wirtschaftsform werden. Eine moeglichst eindeutige und einfache Strukturierung der Ordnungsmerkmale von Begriffen erleichtert das Begriffsverstaendnis. Verschiedene Hiebsstellungen werden ueber 2 Strukturebenen definiert, welche als Grundlage fuer die Beschreibung von Naturverjuengungsverfahren dienen koennen. Nach dieser Gliederung beschreibt die Plenterung eine einzelstammweise Entnahme von wenigen grosskronigen Baeumen, die Femelstellung bezeichnet eine kleinflaechige (z.B. horstweise) Schirmauflockerung durch Entnahme von grosskronigen Baeumen, die miteinander nicht im Kronenkontakt stehen.