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  • Titel
    Die Niederschlags- und Schneeverhältnisse
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    Wien
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    1961
  • Material
    Unselbständiges Werk
  • Standardsignatur
    673
  • Datensatznummer
    200004566
  • Quelle
  • Abstract
    Das Niederschlagsklima des inneren Ötztales ist charakterisiert durch weniger als halb so große Niederschlagsmengen und durch eine um ein Monat kürzere Schneedeckendauer als im Durchschnitt der Nordostalpen gleicher Höhenlage; letzteres wirkt sich u.a. in der hohen Lage der Vegetationsgrenzen aus. Für die Station Obergurgl-Waldgrenze (2070 m) wurde eine mittlere Jahresniederschlagsmenge von 944 mm ermittelt, die Halfte davon fällt in die Schneedeckenzeit von 182 Tagen Dauer. Die mittleren maximalen Monatsmengen (ca. 100 mm) fallen in den Monaten Juli und August, das Minimum im mittleren Jahresgang (ca. 50 mm monatlich) wird im März erreicht. Im Sommer bringt durchschnittlich jeder 2. Tag einen meßbaren Niederschlag und jeder 4. Tag einen Niederschlag von 5 mm oder mehr. Die mittlere Ergiebigkeit der Niederschläge beträgt 6 mm pro Niederschlagstag, die maximale Ergiebigkeit pro Tag ist nach langjährigen Messungen mit ca. 80 mm gegeben. Für die Pflanzen in der Vegetationszeit gefährliche Trockenperioden von mehr als 10 Tagen Dauer sind selten. Die relativ trockene Leeatmosphäre der Station kommt auch durch die geringe Anzahl von Nebeltagen (jährlich 14) und Tagen mit Tau (jährlich 63) zum Ausdruck, das ist etwa 1/3 des Normalwertes in humideren Gebieten. Das mittlere Maximum der Schneehöhe von 110 cm fällt in die erste Märzhälfte und beträgt knapp die Hälfte des ostalpinen Durchschnittes der gleichen Höhenlage (ca. 200 cm). Als mittleres Einschnei- und Ausaperungsdatum von 5 Jahren ergaben sich der 7. November und der 17. Mai. Im inneren Ötztal schneit es jährlich nur an 62 Tagen, im Durchschnitt der Ostalpen gleicher Höhenlage dagegen an 106 Tagen. Im Untersuchungsgebiet Lichtung wurde die Niederschlagsdurchlässigkeit verschiedener Waldkronen untersucht. Im Lärchenwald gelangten 60 - 65 %, im Zirben-Lärchenwald ca. 30 %, im dichten Zirbenwald 28 % der Freilandmengen bis zum Boden. Im dichten Bestand wird durchschnittlich jeder 3. Regen vom Kronendach absorbiert, wodurch die Wasserversorgung für den Jungwuchs unter Schirm unzureichend wird. Die Lichtungsränder sind in 3 - 5 m Entfernung vom Bestand niederschlagsmäßig nicht nennenswert benachteiligt. In Beständen ergibt sich bei unsymmetrischer Kronenform gegen die Hauptrichtungen der Niederschlagswinde eine deutliehe Abhängigkeit der Meßergebnisse von Windrichtung und -stärke. Die Schneeverteilung auf der Lichtung und im Bestand ist wesentlich besser ausgeglichen als die des flüssigen Niederschlages. Der beschattete Lichtungsrand schneit im Durchschnitt von 5 Jahren um 17 Tage früher ein und apert um rund 1 Monat später aus als die Mitte der Lichtung. Durch den Strahlungseinfluß schmilzt dieSchneedecke am besonnten Lichtungsrand um 1/3 rascher als am beschatteten Rand. Die Abbauperiode beginnt in der Waldzone um einen Monat früher als in der baumlosen Kampfzone, vermutlich wegen der Strahlungsabsorption durch die Baumkronen. In der Kampfzone des Baumwuchses wurde die Schneeveverteilung auf die Pflanzengesellschaften während der 4 Winter 1954/55 - 1957/58 untersucht. Es ergab sich eine deutliche Zunahme der Schneedeckenmächtigkeit und als Folge davon eine Verspätung des Aperdatums in der Reihenfolge: Windflechtenheide (Alectorietum ochroleuca) - Gemsheide (Loiseleurietum) - Rauschbeerheide (Vaccinietum uliginosi) - Heidelbeerheide (Vaccinietum myrtilli) - Rostrote Alpenrosenheide (Rhododendretum ferruginei). In der baumlosen Kampfzone (Baumgrenze-Unterhang 2200 m) beträgt die mittlere Aprilschneehöhe (zu Beginn der Ablationsperiode) über der Windflechtenheide 5 - 10 cm, über der Gemsheide 10 - 30 cm, über der Rauschbeerheide 30 - 80 cm und über der Alpenrosenbeide 80 bis über 200 cm. Die mittlere ununterbrochene Schneedeckenandauer beträgt über der Windflechtenheide nur wenige Wochen, über der Gemsheide 3 Monate, über der Rauschbeerheide 4.5 Monate und über der Alpenrosenheide 6.5 bis 7.5 Monate. Die ausgesprochenen Windböden (Windflechte- und Gemsheide) können in jedem Monat auch des Hochwinters schneefrei sein und zwar wurde die Windflechtenheide, wo sie unversehrt ist, durchschnittlich an 14 Tagen jeden Wintermonats schneefrei angetroffen, die Gemsheide erwies sich zu etwa 1/3 des Winters als schneefrei. Die Rauschbeerheide ist im Winter nur sehr selten schneefrei und apert durchschnittlich am 8. April aus. Die weit verbreitete Alpenrosenheide ist in den Monaten Dezember bis April dauernd schneebedeckt und apert im Durchschnitt zwischen dem 19. Mai und dem 13. Juni aus. Am spätesten unter allen untersuchten Pflanzengesellschaften apert der Haller'sche Schwingelrasen im Lee der Daunmoräne 2230 m aus (10. Juli). - Im Oberhang der Waldgrenze, wo die Geländerippen mit zahlreichem und kräftigem Jungwuchs bewachsen sind, liegt über den Pflanzengesellschaften der Windböden eine etwa doppelt so mächtige Schneedecke wie an der Baumgrenze und von Jänner bis April waren alle Meßstellen dauernd schneebedeckt. Gleiche Schneehöhen schmelzen je nach Standort in sehr unterschiedlichen Zeiträumen ab: der Strahlungseinfluß ist so groß, daß an den sonnigen und windgeschützten Plätzen der Waldzone und des baumlosen Reliefs rund doppelt so große Schneemengen in gleichen Zeiten geschmolzen werden als an den Luv-Schatt-Hängen. An Hand einer Darstellung der Temperaturen in der Schneedecke wird auf die Schädigung der Jungzirben an lange schneebedeckten Standorten durch parasitische Pilze hingewiesen.