Titel
Totholzkäferdynamik im eichenreichen Bannwald Sommerberg (Stromberg-Heuchelberg) : Vergleich der Inventuren 1993 - 1996 und 2011
Verfasser
Erscheinungsort
Freiburg im Breisgau
Verlag
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
120 S.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
14878
Datensatznummer
179168
Quelle
Abstract
Durch den Vergleich der Totholzkäferzönosen zweier Inventuren im Bannwald Sommerberg (Stromberg-Heuchelberg, Kraichgau-Neckarbecken, nördliches Baden-Württemberg) aus den Jahren 1993-1996 und 2011 konnte eine Zunahme der xylobionten Käfer mit Dauer der Ausweisung des Sommerbergs zum Bannwald festgestellt werden. Die Inventuren beziehen sich auf die Fläche des 1970 ausgewiesenen Bannwaldes mit 12,3 ha. Der Bestand entspringt ehemaliger Mittelwaldnutzung und ist von bis zu 240 Jahre alten Eichen geprägt. Als vorherrschende Waldgesellschaften sind „Hainsimsen-Buchenwald“ und „Eichen-Hainbuchenwald“ zu nennen. Von 1993 bis 1996 wurden insgesamt 213 und im Jahr 2011 insgesamt 309 holzbewohnende Käferarten nachgewiesen. Um die Ergebnisse vergleichen zu können, urden mit demselben Methodenensemble gewonnene Inventurlisten aus den Jahren 1995 und 2011 gegenübergestellt. Mit diesem wurden 2011 insgesamt 249 Arten und 1995 insgesamt 121 Arten nachgewiesen. Die meisten Arten der Inventur 2011 wurden mit den Leimringen erfasst. 1995 ergaben die Handfänge außerhalb der Probekreise die höchsten Artenzahlen. Marginale Bedeutung für die Artenzahl hatten in beiden Jahren die Fensterfalle und der Stammeklektor. Die nur 2011 eingesetzten Rahnfallen und Lichtfänge erwiesen sich als hilfreicher Methodenzusatz zur Komplementierung der Inventur. So erbrachten sie nach den Leimringen die höchsten Artenzahlen und die meisten exklusiven Arten. Unter den Rahnfallentripletts wurden mit der eichenstammnahen, besonnten Rahnfalle die meisten Arten erzielt. Unter den Leimringtripletts wurden sowohl 1995 als auch 2011 die meisten Arten mit dem Leimring an der Eiche erfasst. 2011 war der Standort allerdings blütenreich und sehr besonnt. Die Dominanzstruktur zeigt 2011 deutlich mehr Individuen in mehr Arten als 1995. Sowohl 2011 als auch 1995 machen die Arten, die lediglich mit einem Individuum erfasst wurden, etwa 30 % aus. Für die standardisierten Methoden wurden 2011 deutlich niedrigere Evenness-Werte berechnet. Die Ursache liegt in der ungleichen Verteilung der Individuen auf die Arten. Hierbei fällt vor allem der Pflanzenkäfer Mycetochara linearis ins Gewicht, der mit 754 Individuen gefunden wurde. Bezieht man die nicht-standardisierten Methoden ein, weisen die Rahnfallen die höchste Ungleichverteilung auf, hervorgerufen durch die hohen Individuenzahlen weniger, vom Ethanol angelockter
Arten (Xyleborus saxeseni, X. germanus, Cryptarcha strigata, C. undata, Litargus connexus, Placusa pumilio). Auch wenn im Jahr 2011 bessere klimatische Bedingungen zu der großen Zahl nachgewiesener Arten beitrugen, bestätigt sich die Hypothese, dass mit der Anreicherung des Totholzes in Laubwäldern eine Zunahme der Artendiversität einhergeht. So nahmen vor allem Arten mit Wald- und Laubwaldpräferenz zu. Die Totholzaufnahmen und die Handfänge in sechs ausgewählten Probekreisen lassen von 1995 bis 2011 eine Zunahme des Holzes in späteren Zersetzungsstadien sowie der Mulm- und Pilzbewohner erkennen. Die erhöhte Zahl der Arten mit Präferenz für offene, besonnte Strukturen und der Blütenbesucher hängt mit den Auflichtungen durch den Sturm „Lothar“ zusammen. Witterungsbedingt kam es zu einem stärkeren Dispersionsverhalten, was zu einer Zunahme vereinzelter Nadelwaldbewohner im Bestand führte. Mit der Zunahme von Primärkonsumenten erhöhte sich die Zahl der Sekundärkonsumenten. 77 neu erfasste Arten konnten nicht aus dem faunistischen Potential des Naturraumes erklärt werden. Diese Arten sind neu für den Stromberg-Heuchelberg und setzen sich aus weit verbreiteten Arten und Spezies mit mitteleuropäischem, südeuropäisch-mediterranem und nordeuropäischem Verbreitungsschwerpunkt zusammen. Der Einfluss des Klimawandels könnte ein Grund für die Zuwanderung einiger dieser Arten sein. Mehr als 30% der neuen Arten haben einen Schutzstatus auf der Roten Liste der Totholzkäfer Baden-Württembergs. Eine bedeutende Rolle für die erhöhte Diversität spielt das Vorkommen der Eiche. Vier der nur im Jahr 2011 nachgewiesenen Urwaldreliktarten sind mehr oder weniger streng mit der Eiche assoziiert (Gasterocercus depressirostris, Corticeus fasciatus, Oxylaemus variolosus, Aesalus scarabaeoides). Lediglich zwei Urwaldreliktarten weisen keine spezifische Bindung auf (Mycetophagus ater,
Aeletes atomarius). M. ater ist die einzige Urwaldreliktart, die auch in der Untersuchung von 1993 bis 1996 erfasst wurde. Auch die Zunahme der Arten, die die Eiche als Habitatpflanze bevorzugen, unterstreicht die Bedeutung der Eiche für die Artendiversität im Bannwald Sommerberg. Für ein Totholzkäfermonitoring wird ein standardisiertes Methodenprogramm vorgeschlagen, das durch zusätzliche, nicht-standardisierte Methoden ergänzt wird.