Titel
Ergebnisse zwölfjähriger quantitativer Untersuchungen der Populationsbewegung des Grauen Lärchenwicklers Zeiraphera griseana Hübner (= diniana Guénée) im Oberengadin (1949/96)
Verfasser
Erscheinungsort
Birmensdorf
Verlag
Erscheinungsjahr
1961
Seiten
S. 175-263
Illustrationen
35 Abb., 37 Tab., 10 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
1265
Datensatznummer
157575
Quelle
Abstract
Seit dem Jahre 1949 werden im Oberengadin umfangreiche Untersuchungen über den Grauen Lärchenwickler (Zeiraphera griseana Hübner) durchgeführt. Die Raupen dieses Kleinschmetterlings verursachen durch Kahlfrass der Lärchenbestände (Larix europaea Miller) im ganzen Alpengebiet periodisch große Schäden. Die vorliegende Veröffentlichung fasst nur die quantitativen Ergebnisse der Populationsuntersuchungen 1949/60 zusammen, ohne tiefer auf biologische Fragen einzutreten. Diese quantitativen Untersuchungen erfassen in erster Linie die jährlichen Populationen (nur eine Generation pro Jahr) in einem standörtlich recht einheitlichen Alpenhochtal von ca. 130 km^2 Waldfläche sowie ihre Veränderungen von Jahr zu Jahr. Innerhalb einer umfangreichen Team-Arbeit bilden sie nur den gradologisch.quantitativen Rahmen. Grundlage der Erhebung ist ein dreischichtiges, zweistufiges Stichprobenverfahren, das bereits in einer früheren Publikation beschrieben worden ist (Kaelin-Auer, 1954). In einem ersten Abschnitt werde Zielsetzung, Methode und bisherige praktische Erfahrungen kurz und ohne mathematische-statistische Begründung zusammengefasst, so dass besonders auch der Laie sich ein klares Bild machen ann. Die quantitativen Ergebnisse im ca. 130 km^2 Hauptuntersuchungsgebiet Oberengadin von von 1949 bis 1960 erfassen die Populationsbewegungen des Lärchenwicklers erstmals über einen ganzen Massenwechselablauf. Es zeigte sich, dass die numerischen Schwankungen der Populationen alle bisherigen Annahmen weit übertreffen und dass der Zusammenbruch der Populationen viel langsamer verläuft, als man bisher zu erkennen glaubte. innerhalb des Hauptuntersuchungsgebietes kann man nach dem quantitativen Bewegungsablauf zwei deutliche Typen unterscheiden. Der sogenannte "Frühtypus" startet imtiefpunkt mit relativ hoher Ausgangspopulation, wächst raschr aber nicht extrem hoch an, weil die biotischen Gegenkräfte offensichtlich früher wirksam werden. Der "Spättypus" läuft um ca. 2 Jahre verspätet an, zeichnet sich dann aber durhc außerordentich rasches Anwachsen der Populationen auf absolut höchsten Stand aus. Er erreicht daher seine Kulmination gleichzetig wie der Frühtypus, zerfällt aber wieder rascher als dieser. Mindestens für eine Gradiation könen wir nachweisen, dass beim Lärchenwickler in Optimumsgebiet keine Latenzperiode vorhanden ist. Aufstieg, Krise, Zerfall und erneuter Wiederanstieg der Populationen folgen sich unmittelbar und eindeutig. Eine Latenzperiode besteht nuri forstlichem Sinne, indem der Äußerliche Schaden an den Bäumen erst bei einer gewissen kritischen Höhe der Populationen eintritt. Auch über iese kritische Höhe konnten wir quantitative Anhaltspunkte gewinnen. Alle diese gradiologischen Eigenschaften und insbesondere die Kürze und Regelmäßigkeit der Gradationenfolge stempeln den Lärchenwickler geradezu einem klassischen Modellinsekt für oderne Populationsforschungen der Entomologie.