Titel
Untersuchungen über die natürliche Verjüngung der Lärche im Arven-Lärchenwald des Oberengadins : Dissertation, ETH Zürich
Verfasser
Erscheinungsort
Zürich
Verlag
Erscheinungsjahr
1947
Seiten
140 S.
Illustrationen
38 Abb., 47 Tab., 64 Lit. Ang.
Material
Monographie
Standardsignatur
16172
Datensatznummer
156449
Quelle
Abstract
Die Arbeit beschränkt sich auf das obere Oberengadin, standörtlich auf die Assoziation Rhodoreto - Vaccinielum. Aus der Zusammenstellung der Wirtschaftsplaninventare ergibt sich objektiv ein starker Mangel an Lärchen in den untersten und mittleren Stärkestufen. Er ist besonders ausgeprägt in den landwirtschaftlich unbeeinflußten Waldpartien. Die Stammzahlveränderungen zeigen schon im Zunehmen, die Lärche dagegen in gleichem Maße im relativen Abnehmen begriffen ist. Pflanzensoziologische Untersuchungen über die Stellung der Lärche im Rhodoreto - Vaccinietum geben dem festgestellten Abklingen des Lärchenanteils eine natürliche Erklärung. Schon in frühen Sukzessionsstadien zur Klimax wird das wirksame Keimen der Lärchensamen durch verschiedene, zusammenwirkende Ursachen verhindert, wogegen die Arve sich noch in bedeutend späteren Stadien natürlich verjüngen kann. Die Lärche ist eine ausgesprochene Rohbodenbesiedlerin. Die natürliche Entwicklung der Bestände strebt deshalb — örtlich und zeitlich verschieden rasch — vom ursprünglich fast reinen Lärchenbeständen weg über ein verhältnismäßig langandauerndes Lärchen-Arven-Stadium zu einem reinen Arvenwald hin. Pflanzensoziologische Aufnahmen auf kleinsten Flädien rings um natürlich angeflogene Lärchen herum zeigen, daß der Lärchensamen zu wirksamem Keimen auch auf Rohboden noch eines speziellen Kleinklimas bedarf. Dieses zeichnet sich hauptsächlich durch lokal gesteigerte Feuchtigkeit und leichte Beschattung aus. Die experimentelle Nachprüfung bestätigt diese qualitativen Ergebnisse. Sie gibt weiter einen guten Anhaltspunkt über den quantitativen Zusammenhang zwischen einzelnen Standortsfaktoren oder deren Zusammenwirken und einem zu erwartenden Verjüngungserfolg. Sie betont vor allem die dominierende Wirkung des Wasserfaktors für die Lärchenverjüngung. Im Zusammenwirken mit der Feuchtigkeit erlangt besonders auch der Lichtfaktor wesentlidie Bedeutung. Unabgeklärt bleibt hingegen noch der Einfluß edaphisdier Faktoren auf die Keimung von Lärchensamen, Zur dauernden Verjüngung und Erhaltung der Lärche muß die natürliche Entwicklung von Vegetation und Bestand örtlich immer wieder rückgängig gemacht werden, (Bodenschürfungen.) Es zeigt sich, daß die bisher allgemein übliche Einzelplenterung die Ausscheidung der Lärche eher fördert als hemmt. Als waldbauliche Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen folgt daher in erster Linie eine Umstellung der bisherigen Betriebsart zu einem vermehrt flächenmäfiig betonten Schlagbetrieb, dem Wesen des schweizerischen Femelschlagbetriebes entsprechend. Dieser vereinigt alle Möglichkeiten zur vermehrten aktiven natürlichen Lärchenverjüngung optimal in sich. Hauptsächlich wirtschaftliche Ueberlegungen zwingen vorerst zur waldbaulich planenden Neueinteilung der Waldungen in Betriebsklassen, die nach den neuen Gesichtspunkten waldbaulich intensiv und solchen, die aus orographischen oder allgemeinwirtschaftlichen Ursachen auch in Zukunft nur extensiv bewirtschaftet werden können. Die Grundlagen für diese Neueinteilung müssen eine allgemeine Wald-Weideausscheidung sowie ein generelles Wegnetz liefern. Für die BetriebsIntensivierung von Bedeutung ist ferner das Ergebnis, daß die LärchenVerjüngung im Oberengadin verhältnismäßig kleinflächig erreicht werden kann. Die Ergebnisse der Untersuchung sind direkt und allgemein übertragbar auf den Standort des Rhodoreto - Vaccinietum, im Prinzip aber auch auf die meisten anderen Waldgesellsdiaften außerhalb des Untersuchungsgebietes.