Titel
Vom Fichten-Kiefer-Tannen-Wald auf einer Buntsandsteinhochebene des südöstlichen Schwarzwaldes
Verfasser
Erscheinungsort
Stuttgart
Verlag
Erscheinungsjahr
1960
Seiten
S. 130-183
Illustrationen
27 Abb., 25 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
5819
Datensatznummer
132771
Quelle
Abstract
Der auf der Ostabdachung des Hochschwarzwaldes gelegene, im Fürstlich Fürstenbergischen Eigentum befindliche Distrikt Klosterwald besitzt auf rund 800 ha einen Waldtyp, der gekennzeichnet ist durch das Vorherrschen der Fichte und einen verschieden starken Anteil von Kiefern und Tannen neben vereinzelten Buchen und Birken. Die Kiefern sind auf den geringeren Bonitäten vorwüchsig, auf den mittleren, ebenso wie die Tannen auf den besseren Böden, mit der Fichte mitwüchsig. Verschiedene Bestände sind stärker ungleichmäßig aufgelockert und mit Zwischen- und Unterstand von Fichte versehen. Erstaunlich ist dabei die Fähigkeit aller drei Hauptbaumarten, eine sehr lange Zeit geringen Wachstums zu ertragen und danach auf günstigere Wuchsbedingungen mit erhöhtem Zuwachs zu reagieren. Diese Erscheinung dürfte wohl auf die hohe Boden- und Luftfeuchtigkeit und die besondere Lichtintensität in dieser Höhenlage zurückzuführen sein. Ursache für eine solche Wuchsverbesserung war vielfach die Entwässerung, aber auch die Freistellung bisher überschirmter oder im Seitenschirm stehender Bäume neben anderen Ursachen. Der Boden dieses Waldtyps, vorwiegend Stagnogley und podsolige Braunerde, ist im Dickungs- und Stangenholzalter mit Moos bedeckt. Mit zunehmendem Lichteinfall überzieht er sich mit Beerkraut (Heidel- und Preiselbeere), das bei stärkerer Lichtung oder Räumung auf besseren Böden allmählich einem dichten Airafalz, auf geringen Böden einer Preiselbeerdecke weicht. Mit zunehmendem Wassergehalt des Bodens nimmt auch die Humusauflage (Pilzhumus) zu, bis sie schließlich auf moorigem Boden die Mächtigkeit von 1,20 m erreicht. Die Tierwald ist arm an Arten und Zahl. Das Eigenklima ist nach Gleichstufigkeit bzw. Auflockerung der Bestockungen verschieden. Dieser Waldtyp, kurz gekennzeichnet durch die Baumarten Fichten-Kiefern-Tannen (Buchen-Birken), durch Stagnogley und podsolige Braunerde, durch Moos, Beerkraut, Deschampsia und eine verhältnismäßig arme Tierwelt, ist wie jede andere Waldform ohne einen bestimmten Standort undenkbar. In diesem Falle ist es eine Buntsandsteinhochebene des südöstlichen Schwarzwaldes, gekennzeichnet durch die Höhenlage zwischen 900 und 1030 m, den Übergang zwischen atlantischem und kontinentalem Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und dem Auftreten von oberem und mittlerem Buntsandstein. Dieser ergibt einen i.a. nährstoffarmen, vielfach flachgründigen und zur Vernässung neigenden Boden. Der Wasserüberschuss, der auf größerer Fläche in früheren Jahrhunderten waldschädlich wirkte, ist seit über 100 Jahren durch Anlage von 200 000 lfdm Entwässerungsgräben weitgehend beseitigt worden. Die Fichtenbonität liegt zwischen dgz 5 und 11,5. Sie ist unabhängig vom Bodentyp bzw. dem Wassergehalt des Bodens. Vermutlich hängt sie von einem verschiedenen Nährstoffvorrat im Kleinrelief oder auf feuchten Böden von der verschiedenen Fließgeschwindigkeit des Bodenwassers ab. Es ist nicht denkbar, dass der hier untersuchte Waldtyp in all seiner Eigenart auf einem andern Standort als dem hier gekennzeichneten vorkommt. Auf einem andern Standort wird sich das innere Gefüge dieses Waldtyps ändern, denn Wald und Standort beeinflussen sich gegenseitig und bilden zusammen wieder eine neue untrennbare Ganzheit.