Titel
Wachstum und Wasserhaushalt von Fichtenverschulpflanzen unterschiedlicher Qualität nach der Verpflanzung in das Freiland : Dissertation
Paralleltitel
Growth and Water Relations of Norway Spruce Transplants of Different Quality after Planting Out
Verfasser
Erscheinungsort
Freiburg im Breisgau
Verlag
Erscheinungsjahr
1969
Seiten
168 S.
Illustrationen
17 Abb., zahlr. Lit. Ang.
Material
Monographie
Standardsignatur
15465
Datensatznummer
132356
Abstract
Aufgabe dieser Arbeit war es, den Wasserhaushalt von Forstpflanzen unterschiedlicher Qualität im unmittelbaren Anschluss an die Verpflanzung in das Freiland zu untersuchen und das Ergebnis mit dem Anwuchsprozent und dem Spross- und Wurzelwachstum in der ersten Vegetationsperiode zu vergleichen. Es wurden folgende Versuchssorten vor Vegetationsbeginn ausgepflanzt: 1968: 2+3j. Fichtenverschulpflanzen von gleicher Sprosslänge aus weiter Verschulung (hohe Stufigkeit, gekennzeichnet durch einen starken Durchmesser der Sprossachse am Wurzelhals) und aus enger Verschulung (geringe Stufigkeit, gekennzeichnet durch einen schwachen Wurzelhalsdurchmesser). 1966-1968: 2+2j. kleine und große Fichtenverschulpflanzen aus mittlerer Verschulweite (mit vergleichbarer Stufigkeit bzw. mit einem vergleichbaren mittleren Wurzelhalsdurchmesser). 1966-1968: Frische und absichtlich ausgetrocknete 2+2j. Fichtenverschulpflanzen mit gleichen morphologischen Eigenschaften. Folgende allgemeine Ergebnisse erscheinen am wichtigsten: Die Verpflanzung führte in jedem Falle zu einer typischen Verzögerung der Wurzel- und Sprossentwicklung. Beide zeigten einen engen Zusammenhang. Unter ungünstigen Bedingungen wurde die Wurzelentwicklung jedoch stärker verzögert. Das Verhältnis des Beginns beider Prozesse war charakteristisch für den Kulturerfolg. An jedem Messtermin konnte eine Wasseraufnahme der Versuchspflanzen festgestellt werden, auch wenige Stunden nach der Verpflanzung und durch ausgetrocknete Wurzelsysteme. Eine langanhaltende Transpirationseinschränkung nach der Verpflanzung ist auch unter günstigen Bedingungen anzunehmen. Ihr Beginn und ihre Dauer konnten aber nicht nachgewiesen werden. Ein merklicher Anstieg der Transpiration erfolgte erst nach der Streckung der neuen Triebe. Die Wasserbilanz nach der Verpflanzung zeigte in allen drei Versuchsjahren einen grundsätzlich gleichen Ablauf: erste Krisis unmittelbar nach der Verpflanzung oder Austrocknung, Stabilisierungsphase, zweite und stärkste Krisis ein bis zwei Wochen nach der Verpflanzung, Stabilisierung, unter ungünstigen Bedingungen erneute Krisis beim Austreiben. Als Maß der Belastung des Wasserhaushaltes wurde das durchschnittliche Wassersättigungsdefizit in den ersten 30 Tagen nach der Pflanzung benutzt. Dieser Wert besaß einen eingen Zusammenhang mit dem Kulturerfolg. Das Wasser in der Sprossachse diente in gewissem Umfang als Reserve bei starker Beanspruchung des Wasserhaushaltes. Für das Wachstum in der ersten Vegetationsperiode waren die Depression des Höhenzuwachses und eine auffällige Bevorzugung des Wurzelwachstums beim Zuwachs an Trockensubstanz kennzeichnend. Hingegen war die Verpflanzung stets mit einem erhöhten Verlust an alten Nadeln verbunden. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die zentrale Bedeutung der Wurzelverhältnisse für den Kulturerfolg. Der Vergleich von ausgetrockneten und frischen Pflanzen vom gleichen morphologischen Bau zeigte die entscheidende Bedeutung des Frischezustandes der Forstpflanzen für ihren Wasserhaushalt nach der Verpflanzung und für ihren Kulturerfolg. Die Pflanzen aus weiter Verschulung waren den Pflanzen aus enger Verschulung im Anwuchserfolg gleichwertig und im Zuwachs in der ersten Vegetationsperiode eindeutig überlegen. Die Belastung ihres Wasserhaushaltes durch die Verpflanzung war geringer als bei den Pflanzen aus engem Verschulverband. Als Grpnde hierfür werden der größere Anteil xeromorpher Nadeln und die größere Querschnittsfläche der Wasserleitungsbahnen im äussersten Jahresring bei den weit verschulten Pflanzen betrachtet. Die großen Pflanzen waren den kleinen Pflanzen von vergleichbarer Stärke der Sprossachse im Anwuchserfolg unter günstigen Witterungsbedingungen gleichwertig und unter ungünstigen Witterungsbedingungen unterlegen. Im Höhenzuwachs waren sie den kleinen Pflanzen unter günstigen Bedingungen absolut gesehen nur gleichwertig, unter ungünstigen Bedingungen unterlegen. Relativ gesehen war ihr Höhenzuwachs stets unterlegen. Die großen Pflanzen zeigten weiter eine deutliche Unterlegenheit in der Wurzelentwicklung. Ihre durchschnittlichen Wassersättigungsdefizite waren unter günstigen Bedingungen geringer, unter ungünstigen Bedingungen gleich oder höher als die der kleinen Pflanzen. Die schlechtere Wasserbilanz und der geringere Kulturerfolg unserer großen Versuchspflanzen unter ungünstigen Anwuchsbedingungen wird auf ihr schlechteres Verhältnis von Nadeln zu Feinwurzeln zurückgeführt. Unter günstigen Anwuchsbedingungen wirkten sich offensichtlich ihre Vorteile - höherer Anteil an Reservewasser, höherer Anteil xeromorpher Nadeln und größere Querschnittsfläche der Wasserleitungsbahnen - auf den Wasserhaushalt in der kritischen Anwuchsphase positiv aus. Für ihr Zuwachsverhalten bleib aber auch dann ihr geringerer Feinwurzelanteil bestimmend. Die Ergebnisse stammen durchwegs aus Stichproben, sind jedoch in allen wesentlichen Fällen statistisch hoch gesichert. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Anzucht von Fichtengroßpflanzen und für die Qualitätsbeurteilung von Forstpflanzen wurde abschließend kurz besprochen.