Titel
Ein Controllingsystem 'Naturgemäße Waldwirtschaft' : Strategische Überlegungen zum Thema am Beispiel des Niedersächsischen LÖWE-Programmes : Dissertation, Universität Göttingen
Verfasser
Erscheinungsort
Frankfurt am Main
Verlag
Erscheinungsjahr
1997
Seiten
212 S.
Illustrationen
zahlr. Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
ISBN
3-7939-7017-5
Standardsignatur
13200
Datensatznummer
126484
Quelle
Abstract
Das langfristige ökologische Waldentwicklungsprogramm der LFV Niedersachsen (kurz LÖWE) führt zu einer Umstellung der Betriebsform des schlagweisen Hochwaldes auf die Betriebsform des Dauerwaldes (Naturgemäße Waldwirtschaft). Das Programm integriert ökologische Forderungen des Naturschutzes in die forstlichen Produktionsverfahren. Über die ökologischen Argumente hinaus wird das Programm mit ökonomischen Argumenten vertreten. Einer erfolgsorientierten Steuerung nach ökonomischen Zielen fehlt es zur Zeit allerdings an Operationalität. Die zugrundeliegende Arbeit betrachtet den Naturgemäßen Waldbau als ökonomische Strategie. Ein Merkmal von Strategien ist, dass ihr Erfolg zwar hinreichend wahrscheinlich aber durchaus nicht sicher ist. Dem strategischen Controlling obliegt, die Ziele und Mittel der Unternehmung so abzustimmen, dass die Organisation mit möglichst hoher Sicherheit zu einem Erfolg geführt werden kann. Der sachzielorientierten Steuerung im naturgemäß bewirtschafteten Wald fehlt es an Operationalität, weil sie sich i.w. an qualitativen Merkmalen (Zustands- und Entwicklungs-Leitbilder) orientiert. Als wichtigstes Zielmerkmal werden drei Waldentwicklungsstadien identifiziert. Die Zuordnung des Waldzustandes zu einem der Stadien drückt eine Wertung über den ökologischen und ökonomischen Fortschritt des waldbaulichen Zustandes aus. Eine monetäre Erfolgssteuerung ist auf diese Weise aber nicht möglich. Die formalzielorientierte Steuerung lässt sich operational gestalten. Als wichtigstes strategisches Steuerungsinstrumtn wird die Kostenarten-Kostenstellenrechnung, als wichtigstes operatives Instrument die Kostenträgerrechnung eingeschätzt. Über die Instrumente verfügt die LFV Niedersachsen, so dass einer ökonomischen Steuerung grundsätzlich nicht entgegen steht. Die Arbeit beschreibt ein Ziel-Mittel-Konzept, mit dem LFV Niedersachsen ihren erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Forstbetrieb von einem derzeitigen Betriebsergebnis von -400,-/ha innerhalb eines mittelfristigen Zeitraumes auf ein kostendeckendes Betriebsergebnis führen kann. Da das Ziel wegen der hohen Fixkostenbelastung ohne eine Organisationsanpassung nicht zu erreichen ist, beschäftigt sich ein Schwerpunkt der Arbeit mit organisatorischen Aufbau- und Ablaufstrukturen. Die wichtigsten organisatorischen Vorschläge der Arbeit sind: Trennung von Erwerbs- und Bedarfswirtschaft; Funktionalisierung der Organisation; Einrichtung von Leistungszentren (Profit- und Cost-Center) mit monetarisierter und personifizierter Verantwortung; Führung durch Zielvereinbarung und Erfolgskontrolle; Monetarisierung des Zielsystems; Projektleitung statt Revierleitung; Bereitstellung von ebenenspezifischen Controlling-Applikationen zur zeitnahen Steuerung. 7. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Arbeit betrachtet die strategischen Erfolgsfaktoren der Naturgemäßen Waldwirtschaft und die Controlling-Instrumente zu ihrer Steuerung. Es wird ein sachziel- und ein formalzielorientiertes Zielsystem einschließlich geeigneter strategischer und operativer Controlling-Verfahren entwickelt. 8. Als herausragende Erfolgspotentiale der Strategie werden eine gesteigerte Flexibilität hinsichtlich der Sachziele, der Produktionsprozesse und der Organisation, die Marktorientierung, die Differenzierung der Wirtschaftsintensitäten nach Standorten, Maßnahmen und Prioritäten, die Ausnutzung von Degressionseffekten und die Vermeidung von Betriebsrisiko analysiert. Dem Naturgemäßen Waldbau wird der Charakter einer ressourcenschonenden Konsolidierungsstrategie zugeordnet, deren monetäres Ziel mittelfristig die Kostendeckung, langfristig die Erwirtschaftung eines Überschusses ist. 9. Flexibilisierte naturgemäße Waldbauverfahren bergen ohne sachzielorientierte Operationalität ein hohes Verlustrisiko. Eine vorauseilende Aktionsplanung führt zu einem monetären Zufallsergebnis. Die Steuerung einer Konsolidierungsstrategie Naturgemäße Waldwirtschaft erfordert daher eine vorauseilende monetäre Planung, die die ökonomischen Restriktionen für die Maßnahmenplanung formuliert. Für den erwerbswirtschaftlichen Zielzweig wird ein vorauseilendes Budgetierungsverfahren beschrieben. 10. Naturgemäße Waldwirtschaft kann über die biologische Automation zur Reduzierung von Lohn- und Verwaltungskosten beitragen. Die mittelfristige Rationalisierungsplanung trägt Verantwortung für die strategische Organisations- und Personalplanung in den Verantwortungszentren. Über betriebsweise angepasste Personalstrategien werden spezifische und dynamische Aufbauorganisationen entwickelt, deren Flexibilität sich in erster Linie durch die Trennung in einen erwerbs- und einen bedarfswirtschaftlichen Aufgabenzweig und durch die Funktionalisierung der Aufgaben ergibt. Die Monetarisierung und Personifizierung der Verantwortung in den Verantwortungszentren übt auf jeden Verantwortlichen einen dynamischen Rationalisierungszwang aus. 11. Als Instrumente zur Steuerung der Verwaltungskosten werden die Gemeinkostenanalyse, der erweiterte Betriebsabrechnungsbogen nach Bitter et. al. und eine Projektgruppe zur Organisationsentwicklung diskutiert. 12. Als Hauptkostenstelle werden im Altersklassenwald neben der Verwaltung die Holzernte, die Waldpflege und die Walderneuerung belastet. Naturgemäße Waldwirtschaft soll über natürliche Differenzierungsabläufe zur Reduzierung des investiven Kostenverbrauchs beitragen. Gleichzeitig sollen die Einnahmen durch den Holzverkauf über eine Verbesserung der Absatzstruktur und eine Absatzsteigerung erhöht werden. Die Kosten für die Holzernte werden somit mitunter relativ oder sogar absolut steigen. 13. Mit der Kostenstruktur lässt sich ein wesentliches Erfolgspotential Naturgemäßer Waldwirtschaft steuern. Die Marktorientierung soll dazu führen, dass die produktionsorientierten Investitionsquote (Kostenstellen Walderneuerung, Waldpflege, Forstschutz, Wege und Brücken) von 100% auf ca. 50% der Holzerntekosten (Holzernte und Holztransport) reduziert wird. Abweichende Entwicklungen entgegengesetzter Tendenz lassen sich aus den Kennzahlen der Verantwortungszentren ablesen und dienen als Schwellwerte eines kennzahlenbasierten Warnsystems. 14. Das Kostendeckungsziel wird mit Hilfe der Kostenträgerrechnung als umfassendes ökonomisches Leitbild von der Ebene des Unternehmens bis auf die unterste organisatorische Ebene der Abteilung transportiert. Das monetäre Zielsystem lässt sich somit transparent auf allen Verantwortungsebenen gleich gestalten. Lediglich die Verdichtung unterscheidet sich auf den verschiedenen organisatorischen Stufen. Die Kostenträgerrechnungen einzelner Abteilungen nehmen auf den verschiedenen höheren Auswertungsebenen (Cost-, Profit-Center, Führung) die Eigenschaft von monetären Kennzahlen an. 15. Über die Liquiditätsbeurteilung der Abteilungen eröffnet sich ein monetäres Steuerungsinstrument für die Extensivierungsplanung. Die Extensivierungsstrategie jeder Abteilung orientiert sich an den spezifischen aktuellen Erlöspotentialen. Im Extremfall von Abteilungen ärmster oder schwierigster Standortsbedingungen und fehlendem Altholz verbietet sich demzufolge investiver Mittel-Input, während leistungsstarke bzw. einfache Standortsverhältnisse mit vorhandenem Altholz ein hohes Maß an Investitionssicherheit bieten.