Titel
Temperaturverhältnisse bei Insekten
Verfasser
Erscheinungsort
Leipzig
Verlag
Erscheinungsjahr
1901
Seiten
158 S.
Illustrationen
7 Abb., 179 Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
1869
Datensatznummer
125749
Quelle
Abstract
Wie wir gesehen haben, stirbt ein Insekt nicht, wenn seine Säfte beim Abkühlen nicht zu erstarren beginnen, d.h. so lange sein kritischer Punkt nicht erreicht wird. Wird dieser Punkt aber erreicht, so sterben die Insekten auch noch nicht, sobald ein gewisses Quantum der Säfte, welches noch näher zu bestimmen ist, nicht erstarrte. Gewöhnlich tritt der Tod erst dann ein, wenn das Insekt nach dem Erreichen des kritischen Punktes, wobei seine Temperatur bis zum normalen Erstarrungspunkte der Säfte steigt, wieder bis zur Temperatur des kritischen Punktes abgekühlt wird. Doch gilt diese Regel nur für eine bestimmte (mittlere) Abkühlungsgeschwindigkeit des Insekts. Der kritische Punkt, welcher eine so große Rolle beim vitalen Temperaturminimum spielt, hängt von verschiedenen Umständen ab, von welchen die hauptsächlichsten sind: 1) die Abkühlungsgeschwindigkeit, 2) das Entwicklungsstadium und das Geschlecht, 3) das Hungern, 4) das Wiederholen des Erstarrungsverfahrens der Säfte, 5) der Säftekoeffizient, 6) die Zeit, während welcher das Insekt bei niederer Temperatur verbleibt. Alle diese Faktoren üben ihren Einfluss nach gewissen Gesetzen aus, welche in den entsprechenden Abschnitten näher besprochen wurden. Weil daraus folgt, dass der kritische Punkt bei einem und demselben Insekten-Exemplar keine konstante Größe ist, so kann das sogenannte vitale Temperaturminimum auch nicht konstant bleiben. Die vitale Fähigkeit der Insekten bei niederen Temperaturen muss deshalb durch eine Formel ausgedrückt werden, in welche hineinkommen: 1) die Abkühlungsgeschwindigkeit, 2) die Zeit, während das Insekt unter dem Einfluss niederer Temperatur sich befand, 3) die Temperatur, bis zu welcher die Abkühlung stattfand, 4) der normale Erstarrungspunkt der Säfte, 5) das Quantum der erstarrten Säfte in der gegebenen Zeit und 6) eine Konstante, welche hauptsächlich von der Species und der Zusammensetzung ihrer Säfte abhängt. Die künftigen Untersuchungen müssen zu ihrer Aufgabe zuerst die Bestimmung dieser Größen haben. Wie von diesem Standpunkt aus verschiedene bis jetzt dunkel gewesene Fragen auf diesem Gebiete zu erklären sind, habe ich bereits Gelegenheit gehabt zu zeigen (1900. 11; 1900. 8; 1900. 10; 1899. 4) und verweise daher auf diese Abhandlungen.