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  • Titel
    Schnee und Lawinen in den Schweizer Alpen. Winter 2002/03 : Wetter, Schneedecke und Lawinengefahr : Winterbericht SLF
  • Verfasser
  • Erscheinungsort
    Davos
  • Verlag
  • Erscheinungsjahr
    2005
  • Seiten
    117 S. + CD-Rom
  • Illustrationen
    47 Abb., 8 Tab., 7 Lit. Ang.
  • Material
    Bandaufführung
  • ISBN
    3-905621-24-X
  • Standardsignatur
    I-6304
  • Datensatznummer
    125492
  • Quelle
  • Abstract
    Die wichtigsten Entwicklung und Eigenschaften der Schneedecke und der Lawinensituation des Winters 2002/03 sind hier chronologisch kurz zusammengefasst: In Höhenlagen oberhalb von rund 2400 m schneite es bereits ab September 2002 ein. Mitte und Ende November führten intensive Niederschläge im Süden oberhalb von 2400 m jeweils zu einem Neuschneezuwachs bis über 2 m Schnee. Diese Niederschläge hatten die erste und zweite Phase hoher Lawinenaktivität mit Nassschneelawinen bis in Tallagen zur Folge. Bereits im Dezember lag oberhalb von rund 2400 m überdurchschnittlich viel, unterhalb von rund 2400 m hingegen unterdurchschnittlich wenig Schnee. Diese Schneehöhenverteilung blieb für den ganzen Winter 2002/03 charakteristisch. Anfangs Dezember bildeten sich bis zu 3 cm grosse Oberflächenreifkristalle an der Schneeoberfläche. Eingeschneit wurden sie zu einer beständigen Schwachschicht, die bis Mitte Februar wiederholt lawinenbildend war. Ende Dezember führten Schneeverfrachtungen auf der Oberflächenreifschicht zur dritten Phase hoher Lawinenaktivität mit trockenen Schneebrettlawinen. Die Anrissmächtigkeiten waren gering und die meisten Lawinenunfälle verliefen glimpflich. Zum Jahreswechsel war der Schneedeckenaufbau in den inneralpinen Gebieten unterhalb von rund 2400 m am schlechtesten. Weitere Schneefälle führten in Kombination mit dem eingeschneiten Oberflächenreif als Schwachschicht in der Altschneedecke zu einer hohen Variabilität der Schneedeckenstabilität und zu einer schwierig einschätzbaren Lawinengefahr. Anfangs Januar führten frische Triebschneeansammlungen und der eingeschneite Oberflächenreif zur vierten Phase hoher Lawinenaktivität mit trockenen Schneebrettlawinen. Die Anrissmächtigkeiten waren grösser als im Dezember. Ende Januar begann eine Niederschlagsstaffel mit drei Grossschneefällen in Folge. Nach der letzten Niederschlagsperiode anfangs Februar war die fünfte Phase hoher Lawinenaktivität mit trockenen Schneebrettlawinen zu verzeichnen. Dabei entstanden auch Sachschäden. Danach stellte sich von Mitte Februar bis Ende März eine Schönwetterperiode mit günstigen Tourenverhältnissen ein. Ungewöhnlich war das häufige und verbreitete Auftreten von Gleitschneerissen, Gleitschneerutschen und Gleitschneelawinen auch im Hochwinter, in Schattenhängen und bis in Höhenlagen von 2800 m. Erst anfangs April gab es einen erneuten Wintereinbruch mit Schnee bis in tiefe Lagen. Ab Mitte April herrschten Frühjahrsbedingungen in den Bergen. In tiefen und mittleren Lagen aperte die Schneedecke rund einen Monat früher aus als normal. Bereits im Juni herrschten Hochtourenbedingungen wie sonst erst im Spätsommer. Im Juni, Juli und August wurden Hitzerekorde gemessen. Es war der wärmste Sommer seit Beginn der Messungen im Jahre 1864. Der Sommer war auch in den Bergen aussergewöhnlich trocken. Waldbrände und intensiv schmelzende Gletscher waren im Juli und August die Folge. Ende August und anfangs September kühlte es ab, und der erste Schnee fiel in höheren Lagen. Der Spätsommer war zunächst wechselhaft, dann sonnig und wieder sommerlich warm bis zum Herbstbeginn. Die Frage, ob dieser Winter schneereich oder schneearm war, muss differenziert beantwortet werden, denn er war beides. Der Winter 2002/03 war oberhalb von 2400 m von November 2002 bis anfangs Februar 2003 ausserordentlich schneereich. Darauf folgten ein durchschnittlicher Spätwinter und ein sehr schneearmes Frühjahr. Während des Winters 2002/03 herrschten häufig günstige Tourenbedingungen. Die am schwierigsten einzuschätzende Lawinensituation war Ende Dezember 2002, da eine Kombination einer jeweils heiklen Neuschnee- und Altschneesituation vorlag. Die höchste Lawinenaktivität wurde in der ersten Februarwoche verzeichnet. Sie war die Folge einer dreiphasigen Niederschlagsstaffel von Ende Januar bis anfangs Februar. In dieser Situation ereigneten sich die grössten Personen- und Sachschäden des Winters 2002/03. Insgesamt wurden 122 dokumentierte Lawinenunfälle gemeldet. Dabei wurden 128 Personen erfasst. 21 Personen verunglückten tödlich, davon 7 Personen bei zwei grossen Lawinenunfällen mit Skifahrerauslösungen. 13 Personen wurden verletzt. Die Anzahl der tödlichen Lawinenunfälle war damit leicht unterdurchschnittlich. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 25 Lawinentoten pro Jahr. Im Winter 2002/03 kamen keine Personen in Gebäuden oder auf Verkehrswegen durch Lawinen um. Die meisten Sachschäden an Gebäuden, Fahrzeugen und Verkehrswegen entstanden anfangs Februar. Vom 1. bis 9. Februar 2003 wurden 144 Schadenlawinen (ohne Personenschaden) gemeldet. Der Sachschaden wird auf ca. 50 bis 100 Millionen Franken geschätzt [Zweifel, 2004].
ExemplarnummerSignaturLeihkategorieFilialeLeihstatus
1417005I-6304ZeitschriftExemplar abgeschriebenNicht verfügbar