Titel
Die Waldverhältnisse Südbadens : Eine pflanzensoziologische Studie
Verfasser
Erscheinungsort
Karlsruhe
Verlag
Erscheinungsjahr
1937
Seiten
224 S.
Illustrationen
16 Abb., 30 Lit. Ang.
Material
Monographie
Standardsignatur
3831
Datensatznummer
124848
Abstract
Wir waren bemüht, für die Praxis die einzelnen Stadien der Waldentwicklung aufzuzeigen. Vorliegender Führer bringt nicht das Sammelergebnis vieler fremder Arbeiten, sondern stellt das Ergebnis eigener Untersuchungen dar. Dadurch werden hier viele neue Erkenntnisse vermittelt. Das ganze südbadische Gebiet liegt im Buchenklimaxgebiet. Der Buchenwald konnte sich an steilen Felshängen, im Hochmoor- und Auengelände noch nicht überall durchsetzen. Somit bilden die Waldgesellschaften an steilen Felshängen, im Gelände der Auen und Hochmoore Dauergesellschaften, die praktisch in absehbarer Zeit nicht zum Buchenwald hinführen, weil die Buche physikalisch und physiologisch trockenen Boden, aber auch nassen Boden nicht ertragen kann. Wir müssen grundsätzlich unterscheiden: a) eine untere Buchenstufe, in der die Vegetationsentwicklung über den Eichen-Hainbuchenwald zum Buchenwald führt; b) eine obere Buchenstufe, in der die Vegetationsentwicklung über den Fichtenwald zum Buchenwald führt. Daher müssen wir daraus annehmen, daß bei Störung dieses natürlichen Ganges der Vegetationsentwicklung (Eingriffe von Seiten des Menschen) in rückläufiger Entwicklung entsteht: a) in der unteren Buchenstufe der bodensaure Eichenwald; b) in der oberen Buchenstufe der heidelbeerreiche Fichtenwald. Der bodensaure Eichenwald in der unteren Buchenstufe und der heidelbeerreiche Fichtenwald in der oberen Buchenstufe verdanken ihre Existenz in rückläufiger Vegetationsentwicklung nicht der bodenauswaschenden Kraft des Klimas, sondern primär dem menschlichen Einfluss. Bodensaurer Eichenwald und heidelbeerreicher Fichtenwald können in der unteren und oberen Buchenstufe noch weiter herunter zur Calluna-Heide degradiert werden. An Differenzialarten sind die Calluna-Heiden der unteren und oberen Buchenstufe gut zu trennen. Diese Verwüstungsstadien verdanken ihr Dasein nicht dem jetzigen Forstbetrieb, sondern den ehemaligen Eingriffen, in erster Linie dem Weidfeldbetrieb, Weidebetrieb, Ackerbetrieb. Somit kann zur Hauptsache überall festgestellt werden, dass durch die geregelte Forstwirtschaft, insbesondere aber durch die begünstigte Mischwuchspflege sich alle Waldverwüstungsstadien in progressiver Vegetationsentwicklung zu wertvolleren Wäldern aufwärtsentwickeln. Somit waren zur Hauptsache die badischen Wälder seit vielen Jahrhunderten noch nie in einem so guten Zustand wie jetzt. Daher sind, um mit Künkele zu sprechen, die meisten Heidelbeerbestände unserer Wälder "noch-heidelbeerreich". Sie sind also nicht durch die Kultur "schon-heidelbeerreich" geworden. Grundsätzlich müssen wasserzügige Böden von trockenen Böden auseinandergehalten werden. Schwach wasserzügige Böden sind sauerstoffreicher und halten die Bodennährkraft viel besser als trockene Böden. Somit können außerhalb ihrer natürlichen Verbreitungsgebietes im oberen Teil der unteren Buchenstufe Fichten-Mischbestände mehr oder weniger ohne Gefährdung des Standortes auf schwach wasserzügigen, nährstoffreichen Böden aufgebaut werden, zumal der kalte Boden das kältere Klima ersetzt, so daß die Fichte selbst auch schon weniger gefährdet ist. Den Boden mit mehr oder weniger stagnierendem Wasser kann die Fichte ebensowenig ertragen wie die Buche.