Titel
Unfallursachenforschung als Grundlage für die Unfallverhütung : Diplomarbeit, Universität für Bodenkultur, Wien. Institut für Forsttechnik
Verfasser
Erscheinungsort
Wien
Verlag
Erscheinungsjahr
1991
Seiten
88 S.
Illustrationen
38 Abb., 37 Tab., 60 Lit. Ang.
Material
Monographie
Standardsignatur
15961; Trk-B280
Datensatznummer
112988
Abstract
Das Unfallgeschehen in der Forstwirtschaft ist gekennzeichnet durch ein Sinken der Forstarbeiterunfälle absolut, bei gleichzeitig sinkendem Forstarbeiterstand. Zieht man allerdings die Unfallrate (Unfälle je 1000 unselbstständiger Arbeiter) als objektives Kriterium heran, so zeigt sich in den letzten zehn Jahren insgesamt leicht steigende Tendenz. Es ist daher notwendig besonderes Augenmerk auch auf Arbeitssicherheit und Unfallverhütung in den Betrieben zu legen; besonders im bäuerlichen Bereich ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Untersuchung des Unfallgeschehens ist bei den Österreichischen Bundesforsten ergab einen leicht rückgängigen Verlauf der Unfallrate 1981 - 1989. 1989 ereigneten sich rund 50% der Unfälle in der Holzernte. Die häufigste Unfallursache war der Sturz oder Fall eines Arbeiters. Bemerkenswert ist der Rückgang der Verletzungen (-36%) im Bereich Bein-Fuß seit Einführung der Schnittschutzeinlage in der Hose und der Sicherheitsschuhe im Jahr 1985. Von der Gesamtzahl der Unfälle sind 5% den Motorsägenunfällen zuzurechnen. Der Vergleich der Arbeitsverfahren bei den ÖBF weist das Sortimentverfahren als besonders unfallträchtig aus. Das Baumverfahren erzielte die geringsten Unfälle je 1 Mio erzeugter Festmeter. Es wird daher auch von den Bundesforsten bevorzugt bei schwierigen Bedingungen mit an sich hoher Unfallgefährdung eingesetzt (z.B. Katastrophenholzaufarbeitung). Der Vergleich der Rückemittel zeigt das große Unfallrisiko der händischen Lieferung. Die Rückung mit Schlepper erweist sich als die sicherste Methode. Die Arbeiten in der Holzernte sind nach der Analyse wesentlich gefährlicher einzuschätzen als in der forstlichen Produktion. Das größte Unfallrisiko haben die Arbeiten in den Forstverwaltungen. Bau- und Maschinenhöfe schneiden etwas besser ab. Die geringste Unfallgefährdung war in den Sägewerken festzustellen. Ein Arbeitsunfall kostet den Betrieb 1989 insgesamt rund 49.000 S. Auf den Jahreseinschlag umgerechnet, ergibt dies eine Belastung von rund 10S / fm. Ein Motorsägenunfall belastet den Betrieb 1989 mit 36.000 S. Das Ziel der Fragebogenaktion war es Ursachen, Wirkung und Folgen der Motorsägenunfälle zu erforschen, um Richtlinien für die Unfallverhütung zu erhalten. Die Auswertung gestaltete sich zum Teil recht schwierig, da notwendige Beziehungszahlen für aussagekräftige Kennziffern in den Statistiken der ÖBF nicht erfaßt sind (z.B. Motorsägenlaufzeiten in einzelnen Arbeitsbereichen). In Kürze seien die wesentlichsten Ergebnisse zusammengefaßt: Die meisten Unfälle ereigneten sich gegen 10 Uhr Vormittag und 15 Uhr Nachmittag. Montag und Samstag (Deputatholzerzeugung) sind sehr unfallträchtige Wochentage. Junge, unerfahrene Arbeitskräfte sind am öftesten in Motorsägenunfälle verwickelt. Die meisten Unfälle ereigneten sich beim Entasten liegender Stämme. Der Rückschlag war am häufigsten Ursache eines Unfalls. Nicht zu übersehen ist, daß rund 60% der Unfälle durch Unachtsamkeit und Konzentrationsmangel der Arbeiter entstanden. Die Verletzungen als Folge der Motorsägenunfälle betreffen hauptsächlich die linke Körperhälfte. Obere Körperhälfte (davon 29% Hände) und Bein-Fußbereich wurden ungefähr gleich oft in Mitleidenschaft gezogen. Die schweren Unfälle im Bereich Bein-Fuß ereigneten sich, weil keine Schnittschutzeinlage (32% der Unfälle im Bereich Bein-Fuß) vorhanden war; zum Teil wurde gar keine Schutzhose getragen, es waren aber auch Verletzungen im Bereich ohne Schnittschutz (27% der Unfälle im Bereich Bein-Fuß) lokalisiert. Im Durchschnitt war mit einem Ausfall von 18 Tagen nach einem Motorsägenunfall zu rechnen. Die längsten Ausfälle waren beim Ablängen und nachdem ein gespannter Ast zurückschlug, zu verzeichnen. Rund 80% der Verunfallten trugen eine Schutzausrüstung. Erkenntnisse für die Unfallverhütung waren folgende: Es ist besonders darauf zu achten, daß die Erholzeiten von den Arbeitern auch wirklich eingehalten werden. Weiters müssen die jungen Dienstnehmer verstärkt darauf hingewiesen werden, die bei der Waldarbeit lauernden Gefahren nicht zu unterschätzen. Die richtige Arbeitstechnik (z.B. beim Entasten) ist ein wesentlicher Punkt zur Unfallverhütung. Die Arbeiter der Bau- und Maschinenhöfe sind einer eingehenden Unterweisung mit der Motorsäge zu unterziehen, um Unfälle bei der Deputatholzerzeugung zu vermeiden. Die Untersuchungen ergaben weiters wie wichtig die persönliche Schutzausrüstung zur Unfallvermeidung oder Verletzungsminderung ist. Gerade die von der Verletzungsschwere als "leicht" bezeichneten Unfälle, die unverhältnismäßig lange Ausfallzeiten und Kosten nach sich ziehen, können durch Schutzausrüstung großteils vermieden werden. Diese ist daher bei jeder Tätigkeit mit der Motorsäge zu verwenden; auch bei der Arbeiterbrennholzerzeugung. Die Schnittschutzeinlagen in der Hose sollten sich auch auf den rückwärtigen Teil erstrecken. Hosen mit "Steg" würden das Vergrehen und Hinaufrutschen vermindern. Die Arbeiter sollten nur Schuhe mit hohem Schaft tragen. Weiters ist der Schnittschutz in der Zunge des Schuhs auf die Seitenpartien auszudehnen. Die österreichischen Bundesforste haben weitreichende Maßnahmen zur Unfallverhütung gesetzt, um den Schutz ihrer Arbeitnehmer sicherzustellen. Hier seien nur kurz erwähnt: jährliche Schulungen, Unterweisungen, Schutzausrüstung, degressives Prämienlohnsystem, Sicherheitsvertrauenspersonen in den Dienststellen, Sicherheitstechnischer Dienst, geeignete Arbeitsorganisation und -gestaltung, eigene Sicherheitsrichtlinien (z.B. Einmannarbeit, Seilgeräte, Forstschlepper betreffend). Untersuchungen ergaben, daß höhere Ausgaben für den Unfallschutz zu geringeren Folgekosten nach Arbeitsunfällen führen. Maßnahmen zur Unfallverhütung stellen daher nicht nur rechtlich und moralisch eine Notwendigkeit dar.