Titel
Wirtschaftlichkeit im Lawinenschutz : Methodik und Erhebungen zur Beurteilung von Schutzmassnahmen mittels quantitativer Risikoanalyse und ökonomischer Bewertung
Verfasser
Körperschaft
Erscheinungsort
Davos
Verlag
Erscheinungsjahr
1997
Seiten
309 S.
Illustrationen
zahlr. Lit. Ang.
Material
Bandaufführung
Standardsignatur
6304
Datensatznummer
100782
Quelle
Abstract
Menschliche Lebensräume in Gebirgen sind oft von Lawinengefahren betroffen. Damit verbunden ist ein Lawinenrisiko, das in der Vergangenheit verschiedentlich zu Lawinenschäden geführt hat. Diese Schäden zu vermindern ist Aufgabe des Lawinenschutzes. Fragen zum optimalen Ausmass des Lawinenschutzes waren nie getrennt von wirtschaftlichen Überlegungen. Sie gewinnen heute insbesondere mit der Ausweitung der Raumnutzung in den Alpen und den Sparbemühungen der öffentlichen Hand an Bedeutung. Lawinenschutzprojekte zur Sicherung von Lebensräumen können als Teil der Infrastruktur des Berggebietes betrachtet werden. Deren Leistungen sind je nach Projekt und Schutzgebiet in unterschiedlichem Verhältnis von einzel- und gesamtwirtschaftlichen Nutznießern beansprucht, wobei die Finanzierung im wesentlichen durch die Allgemeinheit erfolgt. In diesem Umfeld ist es generelle Zielsetzung dieser Arbeit, Erkenntnisse zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Lawinenschutzmaßnahmen zu gewinnen. Zur Erreichung dieser Zielsetzung wird die Beantwortung der folgenden Fragen verfolgt: - Wie kann die Wirtschaftlichkeit von Lawinenschutzprojekten erfaßt werden? - Wie und von welchen Faktoren wird die Wirtschaftlichkeit beeinflußt? - Wie wirtschaftlich sind die untersuchten Projekte? Die Fragen werden unter gesamtwirtschaftlicher Perspektive beurteilt, wobei Effizienzüberlegungen im Vordergrund stehen. Damit ist eine umfassende Erhebung und Analyse von Wirkungen des Lawinenschutzes verbunden. Diese Wirkungen können beschrieben und z.T. erfaßt und quantifiziert werden, wobei Unsicherheiten zu berücksichtigen sind. Die Projektwirkungen können unter Anwendung ökonomischer Bewertungsmethoden zum Teil auch monetär ausgewiesen werden. Die Entwicklung einer Methodik zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und Erhebungen zu konkreten Lawinenschutzprojekten sind Inhalt der vorliegenden Arbeit. Beim methodischen Vorgehen werden technische und ökonomische Methoden und Analysen angewendet, um zu einem Beurteilungsmodell für Schutzmaßnahmen zu gelangen. Aus technischer Sicht steht dabei die allgemeine Methodik der Risikoanalyse und deren Anpassung an die spezifischen Gegebenheiten von Lawinenrisiken im Vordergrund. Die quantitativen Risikowerte sind ergänzt um Aspekte der Risikowahrnehmung, insbesondere der Risikoakzeptanz und Risikoaversion. Für die Bewertung von Projektwirkungen aus ökonomischer Sicht bieten sich eine Vielzahl von Methoden an. Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit erweist sich die Kosten-Effektivitätsanalyse im Verkehrsachsenschutz und die Kosten-Nutzen Analyse im Siedlungsschutz als geeignet. Bei den empirischen Erhebungen sind Projekte des Verkehrsachsen- und Siedlungsschutzes Gegenstand der Beurteilung. Die gezielte Projektauswahl erfolgt im Hinblick auf die zu erwartende Variabilität von Lawinenschutzprojekten. Dazu werden, ausgehend von Projekten aus dem selben Kanton mit repräsentativen Aussagemöglichkeiten, auch gezielt Projekte ausgewählt, um Grenzen der Wirtschaftlichkeit aufzuzeigen. Mit Risikoberechnungen zu einer Vielzahl von Lawinenzügen an Verkehrsachsen werden quantitative Lawinentodesfallrisiken erfaßt. Unter Einbezug von Investitionskosten und weiteren Kalkulationsgrößen der Projektbewertung lassen sich an ausgeführten Projekten Durchschnitts- und Grenzkosten erfassen, die in der Vergangenheit zur Verhinderung von statistischen Todesfällen aufgewendet wurden. Mit dem Vergleich von Investitionskosten und zu erwartender Risikoverminderung sind Maßnahmen mit kurz- und langfristigem Wirkungszeitraum vergleichbar und Handlungsempfehlungen aus wirtschaftlicher Sicht für zukünftige Projekte möglich. Die Erhebungen zu Projekten des Siedlungsschutzes ergeben, daß sich das Schadenpotential im Einzugsbereich von Lawinen auf mehrere hundert Mio Fr. pro Lawinenzug belaufen kann. Das Lawinenrisiko ohne Schutzmaßnahmen - im Sinne eines jährlichen Schadenerwartungswertes - wird als Anteil am gesamten Schadenpotential berechnet. Die verhinderten Schäden durch Schutzmaßnahmen vriieren je nach Projektgröße, Schadenpotential und Maßnahmewirksamkeit beträchtlich. Werden Nutzen an verhinderten Schäden erfaßt und im Verhältnis zu den Kosten beurteilt, so können für Lawinenschutzprojekte überwiegend wirtschaftliche Ergebnisse erwartet werden. Grenzen der Wirtschaftlichkeit zeigen sich beim baulichen Schutz vor allem für im Winter unbewohnte Siedlungen und für Verkehrsachsen mit geringem Verkehr. Die Ergebnisse sind unter dem Blickwinkel der unterstellten Hypothesen zu betrachten und dürfen nicht vorbehaltlos übernommen und verallgemeinert werden. Lawinensicherheit ist weder umfassen zu quantifizieren, noch abschließend zu beurteilen. Das Ausmaß und die Entwicklung des Lawinenschutzes in der Schweiz führt zunehmend zu Fragen betreffend die Wirtschaftlichkeit von Schutzmaßnahmen. Fragen, die grundsätzlich mit der Besiedelung von Gebirgsräumen auch zukünftig verbunden sein werden.