Abstract
Zusammenfassend können folgende Feststellungen getroffen werden: 1. In den Vereinigten Staaten ist Hauswirtschaft eine anerkannte Wissenschaft. Die hauswirtschaftlichen Fakultäten sind im allgemeinen an die landwirtschaftlichen Universitäten angegliedert und mit hauswirtschaftlichen Versuchs- und Forschungsinstituten versehen. Eingehendes Studium und Versuchswesen trugen wesentlich zum Fortschritte der Hauswirtschaft bei, deren Entwicklung ebenso gefördert wurde wie die aller anderen Gebiete und eine hohe Stufe erreichte. In das Versuchs- und Beratungswesen eingebaut ist eine der landwirtschaftlichen Produktion und den jeweils vorhandenen landwirtschaftlichen produkten entsprechende Beeinflussung der Konsumenten, die positive Auswirkungen für die Landwirtschaft hinsichtlich des Absatzes der Agrarprodukte zeitigt. 2. Hauswirtschaft ist eine bedeutende Abteilung im Landwirtschaftsministerium, der auch eine große hauswirtschaftliche Versuchsanstalt angegliedert ist. Die Abteilung vermittelt einheitliche Richtlinien für alle Staaten, die von diesen entsprechend den gegebenen Verhältnissen verwertet und durch eigene Versuche und Forschungen ergänzt werden. 3. Die hauswirtschaftlichen Berufe werden von allen öffentlichen und staatlichen Stellen geschätzt und anerkannt. Die Bedeutung der Hauswirtschaft für das Wohlergehen von Familie, Staat und Land erfährt die gebührende Würdigung. 4. Zwischen Hauswirtschaftsfakultät, Versuchsstation und Beratungs- oder Verbreitungsdienst für die gewonnenen hauswirtschaftlichen Erkenntnisse besteht eine einheitliche Zusammenarbeit und fruchtbare Wechselwirkung. Die Beratung oder Verbreitung erfolgt durch hauswirtschaftliche Beraterinnen im Rahmen des Hauswirtschafts- und 4 H Club-Werkes, also der Hauswirtswchafts- oder Landfrauenvereine un der Landjugendorganisationen. 5. Wertvolle Behelfe in der Verbreitungsarbeit bilden die zahlreichen Broschüren, Merkblätter und Veröffentlichungen, die alle Zweige der Hauswirtschaft umfassen, in großer Reichhaltigkeit zur Verfügung stehen und immer wieder die neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse in einfacher und verständlicher Form zur praktischen Auswertung auf breiter Basis enthalten. 6. Bemerkenswert ist die Aufgeschlossenheit der Landfrauen für den technischen Fortschritt in der Hauswirtschaft, für rationelles Arbeiten und ihre Mitwirkung bei der Anwendung wissenschaftlicher Versuchsergebnisse. Auffallend das Allgemeininteresse, das weit über den Rahmen des eigenen Betriebes und Landes hinausgeht, für die hauswirtschaftlichen Verhältnisse, Bedingungen und erzielten Fortschritte in anderen Ländern der Erde. 7. Zusammenarbeit der auf dem Lande lebenden Farmer- und Nichtfarmerfrauen in den Berufsorganisationen oder Landfrauenvereinen. Es bestehen keine Gegensätze und die Famrersfrau ist ebenso geachtet und angesehen wie Frauen anderer Berufskreise. Auch besteht eine vorbildliche Nachbarschaftshilfe. 8. Der landwirtschaftliche Verbreitungsdienst dient der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und der damit verbundenen Erhöhung des Einkommens. Der hauswirtschaftliche Verbreitungsdienst verfolgt die Verbesserung der Einrichtungen und Arbeitsmethoden im Farmhaushalte, die Hebung der Gesundheit auf dem Lande und des geselligen Lebens in Familie und Gemeinde. Durch das Zusammenwirken beider soll der Lebensstandard erhöht und damit die Farmfreudigkeit gehoben werden, die grundlegend ist für Entwicklung und Wohlergehen der Landwirtschaft überhaupt. Unter Erhöhung des Lebensstandards wird nicht allein eine materielle Besserstellung, sondern eine kulturelle , physische und psychische Höherentwicklung verstanden. Die gleichen Ziele verfolgt systematisch die große Landjugendorganisation der 4 H Clubs. 9. Aus der Gleichbewertung der Frauenarbeit, beginnend bei allen öffentlichen Stellen bis zum letzten Farmer, der es nicht als beschämend betrachtet, im Notfalle selbst helfend bei Frauenarbeiten einzugriefen und aus der planmäßig und eingehend durchgeführten hauswirtschaftlichen Fachberatung, die sich auf intensive und fortschreitende Versuchsarbeit stützt, resultiert die beachtliche Entwicklung und Ausgestaltung der Einzelhaushalte und die erleichterte Lebens- und Arbeitsweise der Farmerfrau.Diese hat nicht nzur Erhaltung der Gesundheit und der Arbeitsfreude zur Folge, sondern ermöglicht es, einen beträchtlichen Teil an Zeit der Gestaltung des Familienlebens, der Heimkultur und der Erziehung der Kinder zu widmen. Die geordnete Hauswirtschaft ist Voraussetzung für das "glückliche" Heim, das als Quelle der Kraft und des Wohlergehens der Familie und damit des ganzen Landes zu betrachten ist. 10. Ein beliebtes Leitwort des Amerikaners ist: "Nimm es leicht" (Take it easy) und er bemüht sich auch, danach zu leben und die dinge durch Pessimismus oder Unfrieden nicht noch schwieriger zu machen als sie sind. Sich selbst, seiner Familie, seinen Nachbarn oder Angestellten das Leben nicht schwerer, sondern leichter zu gestalten, erfordert Großzügigkeit und Loyalität. Von Kindheit an wird er mit Konsequenz durch Elternhaus, Schule, Presse und Rundfunk zu Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit und Nettigkeit erzogen, so daß diese geradezu die allgemeine Lebensart bestimmende Faktoren sind. Ein Land, das wesentlich kleiner ist und dessen Menschen nach harten Zeiten schwere Lebensbedingungen haben, wird allzuleicht ngeneigt sein, sich das Leben durch Hader und Mißgunst schwerer zu machen und es düster zu sehen und doch hat es vielleicht gerade deshalb einen noch größeren Teil an Optimismus, Lebensphilosophie und Lebensart nötig. Damit aber ergibt sich die Frage nach der Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse für die landwirtschaftlichen Haushalte in Österreich, wobei die weitaus schwierigeren Produktionsbedingungen (Streulage der Grundstücke, Steilhänge, ungünstige Verkehrsberhältnisse, mangelhafte Technisierung und viele andere mehr) und die finanzielle Notlage nicht übersehen werden dürfen. Von den rund 1,700.000 Familienhaushaltungen Österreichs sind entsprechend der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe rund 433.000 Haushalte, die großteils von Bäuerinnen geleitet werden. Sie haben außer ihren Arbeiten als Hausfrauen und Mütter zusätzliche Verpflichtungen im landwirtschaftlichen Betriebe zu erfüllen und an der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse mitzuwirken, die nicht nur die weitgehende Versorgung mit Lebensmitteln der Betriebsangehörigen sichern, sondern darüber hinaus Nahrungsmittel und Rohstoffe für die Gesamtbevölkerung bedeuten. Außer der Mitwirkung an der Erzeugung obliegt ihnen aber auch eine Reihe von mühsamen und zeitraubenden Veredlungsarbeiten (z. B. Brot backen, Butter machen) und die Konservierung von Fleisch, Obst und Gemüse zum Zwecke der geordneten Vorratshaltung und Deckung des Bedarfes an Vorräten für das ganze Jahr. Ihre Arbeitsleistungen übersteigen fast immer das der Gesundheit zuträgliche Ausmaß. Die Hausarbeiten allein machen durchschnittlich 26% des Arbeitsaufwandes im bäuerlichen Betriebe aus. Bedenkt man nun, daß außer diesen 26% die Bäuerinnen oft ohne weibliche Hilfskräfte auch noch an den Hof- und Stall-, ja auch an den Feldarbeiten beteiligt sind, dann erscheint eine besondere Berücksichtigung aller die Hauswirtschaft und Haushaltsführung betreffenden Fragen besonders notwendig, um zunächst eine Verringerung des hohen Anteiles an Hausarbeiten zum Wohle der Gesundheit der Bäuerinnen, der Familien, der Produktivität der Landwirtschaft und der Erhaltung ihrer Arbeitskräfte zu erreichen.