Die physiognomisch uniform erscheinenden Fichtenwälder (Homogyne-Piceetum) des Lienzer Schloßberges differenzieren sich deutlich nach Höhenlage (tannenreiche, typische und lärchenreiche Ausbildung) und Kleinstandort, während die Waldkrone einem anthropogen zirbenfreien Larici-Cembretum angehört. Nach bestandesstrukturellen Merkmalen lassen sich verschiedene Entwicklungsphasen ausscheiden. Jungwuchsphase: Bei annähernd gleichen Stammzahlen entwickeln sich die stärker gestuften, stabileren und qualitativ besseren Dickungen aus Naturverjüngungen mit typischer Rottenstruktur langsamer als jene aus Kunstverjüngungen. Initialphase: Stammzahlen und Zuwachs erreichen Höchstwerte. Hohe Zuwachsleistung, gute Vitalität, geringe Altersstreuung und Bestandesstabilität kennzeichnen den Kunstverjüngungsbestand. Optimalphase: Bei hoher Grundflächen- und Vorratshaltung nehmen Stammzahlen, Vitalität, Zuwachs und Schichtung bei noch anhaltender Stabilität ab. Terminalphase: Maximale Grundflächen- und Vorratshaltung bei zurückgehender Stabilität. Zerfallsphase: Während bei unregelmäßigem, kleinflächigem Zerfall Grundfläche, Vorrat, Stabilität, Schichtung und Vitalität sinkende Tendenz aufweisen, steigt das Zuwachsprozent durch die beginnende Auflichtung leicht. Verjüngungsphase: Gruppen- bis horstweise wechseln Altbestandsreste, Freiflächen und Jungwuchspartien ab. Aufbau und Entwicklungsdynamik der Phasen unterscheiden sich in den vier Standortseinheiten so wesentlich, daß die waldbauliche Behandlung entsprechend zu differenzieren ist. Fi-Wald (mit Lä): Entwicklung zu einschichtigen, geschlossenen, leistungsfähigen Fi-Baumhölzern mit geringem Tannen- und Lärchenanteil, die in der Terminalphase flächig instabil werden. Typ. Fi-Wald: Ungleichalterige, lockere, schwach trupp- und gruppenförmig aufgebaute Fi-Lä-Mischbestände mit noch guter Wuchsleistung von nachhaltiger Stabilität. Fi-Lä-Wald-Kontakt: Gut gestufte, ausgeprägt trupp- und gruppenförmig aufgebaute (Rottenstruktur), langfristiger stabile, aufgelockerte Fi-Lä-Mischbestände von geringer Leistungsfähigkeit. Lä-Wald: Unter Weidelärchen (BG unter 0,1) stellt sich allmählich Lärchen-(Fichten-)Verjüngung ein. Die Waldtextur (räumliche Verteilung der Phasen) zeigt kein Nachhaltsgefüge. Es speigelt sich darin die allmähliche Wiederbewaldung des Untersuchungsgebietes bei steigender Waldgrenze seit der Wende des 17./18. Jahrhunderts wider, nachdem im Mittelalter der Lienzer Schloßberg vorwiegend der Weide diente, wie pollenanalytische Untersuchungen von Rohhumusproben belegen. Diese Entwicklung ist im Lärchenwald noch im vollen Fluß.